BAWAG-Eigentümer Cerberus hat Interesse für Postbank deponiert
"Manager Magazin" und "Welt": Würden BAWAG/Postbank verzahnt,
entstünde größte Massenkundenbank im deutschsprachigen Raum,
die dann auch besser verkaufbar wäre - Schreckgespenst
Santander
Geht es nach deutschen
Medienspekulationen, könnte die österreichische BAWAG PSK - die
hauptsächlich den US-Fonds Cerberus und Golden Tree gehört - schon
bald mit der deutschen Postbank zusammengespannt werden. Wie das
deutsche "Manager Magazin" online schreibt, hat BAWAG-Eigentümer
Cerberus sein Interesse an der Postbank in Frankfurt hinterlegt. Die
Deutsche Bank will die Postbank abstoßen.Interessensbekundungen sind üblich, sobald wo ein
Unternehmensverkauf ansteht. Schon seit einiger Zeit soll eine
entsprechende Erklärung bei der Deutschen Bank vorliegen, berichtet
"Die Welt", nach deren Informationen in so einem Deal sogar die
vergleichsweise kleine BAWAG als Bieterin/Käuferin auftreten könnte.
Demnach könnte Cerberus auch noch etwas länger in der BAWAG
investiert bleiben. Bisher waren hauptsächlich Bemühungen der
Amerikaner bekannt gewesen, die BAWAG zu verkaufen. Da hat sich
bisher aber nicht viel getan.
Nun soll es für die im Deutsche-Bank-Konzern nicht mehr
wohlgelittene deutsche Postbank in Form der Cerberus-BAWAG-Gruppe
einen ersten ernsthaften Bieter geben. Laut "Manager Magazin" würden
4,5 Mrd. Euro geboten.
Der Finanzinvestor Cerberus war 2007 bei der BAWAG eingestiegen.
Eigentlich wollte Cerberus nach der Sanierung der einstigen
österreichischen Gewerkschaftsbank wieder aussteigen. Nun aber locke
die Postbank, wird kolportiert: Cerberus, so der Plan, würde so
lange investiert bleiben, bis beide Institute miteinander verzahnt
sind.
Dann, so das Kalkül, entstünde die flächenmäßig größte
Massenkundenbank im deutschsprachigen Raum, die interessant wäre für
internationale Investoren - sowohl bei einem Börsengang als auch
einem Verkauf. Die so geformte größere Einheit könnte sich später
dann umso besser wieder verkaufen lassen.
Zum Vergleich: Die Postbank hatte zuletzt eine Bilanzsumme von
155 Mrd. Euro, die BAWAG kam auf knapp 35 Milliarden. Beide Häuser
vertreiben ihre Finanzprodukte unter anderem über Postschalter.
Die Deutsche Bank hatte Ende April angekündigt, sich von der
Postbank trennen zu wollen. Offizieller Plan war bisher ein
Börsengang. Die Deutsche Bank machte zugleich klar: Sollten
Kaufangebote eingehen, werde man diese natürlich prüfen. Ob ein
solches Angebot nun tatsächlich vorliegt, wollte ein Sprecher der
Bank Freitagabend nicht kommentieren.
Aus der BAWAG hieß es zur APA recht allgemein: "Die Shareholder
der Bank überlegen strategische Optionen und erwarten einen
Konsolidierungsbedarf am europäischen Bankenmarkt."
Für die Deutsche Bank wäre ein Cerberus/BAWAG-Deal der viel
schnellere Weg, die Postbank bis Ende 2016 aus ihrer Bilanz zu
bekommen. Die Wiener BAWAG käme den Deutschen schon deshalb als
Käufer gelegen, weil es sich nicht um einen großen Konkurrenten
handelt, anders als etwa bei der ebenfalls immer wieder genannten
spanischen Großbank Santander.
Eine Übernahme durch die Spanier gilt auch unter deutschen
Postbankern als Horrorvision, weil in diesem Fall besonders viele
Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen könnten. Santander gilt als
radikal auf Effizienz getrimmtes Institut und ist selbst in
Deutschland vertreten, so dass es Überschneidungen im Filialnetz
gäbe.
Auch in Österreich galt Santander geraume Zeit als möglicher
Käufer für die BAWAG. Das wurde aber nie bestätigt.
(Schluss) rf/mk
ISIN DE0008001009 ES0113900J37
WEB http://www.bawagpsk.com
http://www.postbank.de/
http://www.santander.com/