Austro-Wettanbieter tipp3, Deutsche Telekom starten deutsches Portal
Betreiber wollten nicht mehr auf Abschluss des
Lizenzverfahrens warten und greifen auf österreichische
Konzession zurück - Live-Wetten werden nicht angeboten
Der Sportwettenanbieter tipp3, der mehrheitlich
den Lotterien und den Casinos Austria gehört, und die Deutsche
Telekom haben am Mittwoch ihr deutsches Online-Wettportal gestartet.
Deutschland ist gerade dabei, den Sportwettenmarkt zu öffnen. Da das
Lizenzverfahren aufgrund von Klagen aber auf Eis liegt, haben die
tipp3.de-Betreiber einen Umweg gewählt: Man bietet mit
österreichischer Lizenz an.Sportwetten zählen in Deutschland - im Gegensatz zu Österreich -
als Glücksspiel. Das deutschlandweite Konzessionsverfahren, das vom
Bundesland Hessen geführt wird, ist noch immer nicht abgeschlossen.
2014 wurden 20 Lizenzen vergeben. Dagegen ist unter anderem der
Deutsche Sportwettenverband vor Gericht gegangen, er wähnt einen
Verstoß gegen die EU-Dienstleistungsfreiheit und den deutschen
Gleichheitsgrundsatz. Die Verbandsmitglieder haben eine Konzession
des Bundeslands Schleswig-Holsteins inne.
Schleswig-Holstein war das einzige Bundesland, das ursprünglich
dem neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrag nicht beigetreten war
und eigenhändig Lizenzen vergeben hatte. Zum Zug kamen auch
österreichische Firmen wie bwin.party, bet-at-home und Novomatic.
Mit dem Regierungswechsel in Kiel kam dann jedoch der Schwenk:
Schleswig-Holstein trat dem Glücksspielvertrag doch bei, die bereits
vergebenen Konzessionen bleiben aber bestehen. Jetzt dürfen Firmen,
die eine Konzession aus Schleswig-Holstein haben, dort auch Casino-
und Pokerspiele anbieten, im Rest des Landes nicht.
Der deutsche Sportwettenmarkt gilt als einer der lukrativsten
Europas. 2014 sind Schätzungen zufolge 4,5 Mrd. Euro umgesetzt
worden.
An dem Kuchen will auch die Deutsche Telekom mitnaschen. "Wir
setzen auf den Wachstumsmarkt Sportwetten", so der Manager Matthias
Schmidt-Pfitzner in einer Aussendung. Auf tipp3.de kann Geld sowohl
auf Fußball als auch andere Sportarten wie Basketball, Eishockey
oder Tennis gesetzt werden.
Sogenannte Live-Wetten, die von Spielsuchtexperten als nahezu
gleich "gefährlich" wie herkömmliches Automatenglücksspiel
eingestuft werden und auch im Zusammenhang mit manipulierten
Fußballspielen ins Gerede gekommen sind, bieten die Deutschen nicht
an, wie eine Telekom-Sprecherin zur APA sagte.
An der Deutsche Sportwetten GmbH (DSW), die das neue Portal
betreibt, hält die Deutsche Telekom die Mehrheit von 64 Prozent. 36
Prozent gehören der Österreichischen Sportwetten GmbH (ÖSW), die
wiederum im Mehrheitseigentum der teilstaatlichen
Casinos-Austria-Gruppe steht. Weitere ÖSW-Eigentümer sind
österreichische Zeitungen.
(Schluss) snu/sp
ISIN DE0005557508
WEB http://www.telekom.com/startseite
http://www.casinos.at
http://www.lotterien.at