Deutsche Bank prognostiziert für Anleger ein ziemlich volatiles Jahr
Anleger haben wenig Alternativen für Renditen - "Eier in
verschiedene Körbe legen" - Aktien stark im Fokus - Gold
"gefährlich" - Präferenz für Technologie- und Konsum-Werte
2015 dürfte für Anleger ein Jahr mit
vielen Berg- und Talfahrten werden. Die Anleger hätten zudem nicht
viele Alternativen, um zu Renditen zu kommen, am ehesten noch mit
Aktien, meinen die Anlageexperten der Deutschen Bank. "Die Eier
sollten in verschiedene Körbe gelegt werden", empfahl
Chef-Anlagestratege Gerard Piasko bei einem Pressegespräch am
Freitag in Wien.Piasko sieht aufgrund der geringen bis gar nicht mehr vorhandenen
Renditen bei Anleihen die Aktien stark im Fokus. Vor allem die
Aktienmärkte der Industrieländer sollten davon und vom tiefen
Ölpreis profitieren, nicht aber Aktien der Schwellenländer. Diese
würden unter dem allgemeinen Rückgang bei den Rohstoffpreisen
leiden.
Vom billigeren Euro und stärkeren US-Dollar sollte zudem die
europäische Exportwirtschaft profitieren. Nicht gut sei der starke
Dollar dagegen für Gold-Investments. "Eine Rückkehr des Goldpreises
zu den alten Hochs sehen wir nicht", meinte Piasko.
Für Aktieninvestments würden auch die positiven Gewinnerwartungen
sprechen, diese seien aber nicht mehr so hoch wie vorher, aber
realistischer. Das Bewertungsniveau sei noch sehr tief, aber auch
nicht mehr so tief wie noch vor wenigen Jahren.
Um mit Anleihen noch zu Renditen zu kommen, müssten Anleger das
Risiko suchen. Dafür seien etwa Schwellenländeranleihen geeignet,
diese sollten aber zumindest auf Dollar lauten.
Das größte Potenzial auf den Aktienmärkten hätten in diesem
Umfeld US-amerikanische und europäische Aktien von Technologie- und
Konsum-Unternehmen wie Amazon, Microsoft oder Disney. Im
Konsumbereich führe die Digitalisierung des Konsums etwa durch
Smartphones zu zusätzlichen Einnahmen sowie die demografische
Entwicklung. Die immer mehr werdenden Über-60-Jährigen hätten mehr
Geld zum Ausgeben als Jüngere. Auch auf die Dividendenrendite
sollten die Anleger achten. Diese sei derzeit bei den europäischen
Titeln am höchsten.
Daneben seien auch alternative Veranlagungen wegen ihren Renditen
wieder interessant geworden. Piasko zählt dazu
Infrastruktur-Unternehmen mit ihren regelmäßigen Einnahmen und
Immobilien, deren Renditen höher als die Bond-Renditen seien. Die
Preise für Rohstoffe und Öl werden tief bleiben. Vor Gold warnt
Piasko, Gold sei gefährlich, weil es zum Dollar umgekehrt
korreliert, ein stärkerer Dollar also zu einem geringeren Goldpreis
führt.
Eine Outperformance der Schwellenländer sei nicht mehr gegeben.
Während sich Russland wegen Sanktionen und tiefem Ölpreis in einer
Rezession befinde habe etwa Indien ein hohes Wachstum. Asien werde
sich positiver entwickeln als Lateinamerika. Die Probleme in und mit
Russland seien "ganz sicher noch nicht vorbei".
Die Situation an den Kapitalmärkte sei derzeit so volatil, dass
es praktisch auf jede aus den USA oder Europa kommende Nachricht zur
Konjunktur-, Geschäfts- oder Gewinnentwicklung ankomme, meinte
Piasko.
Wirtschaftlich am stärksten entwickeln sollten sich 2015 die USA
mit 3,2 Prozent. Für die EU schätzt die Deutsche Bank das
Wirtschaftswachstum auf 1,2 Prozent, für China auf 6,8 Prozent, für
Japan auf 1,2 Prozent und für die Weltwirtschaft erhöhte sie ihre
Prognose von 3,3 auf 3,8 Prozent.
Im Wettbewerb der globalen Wirtschaftsmächte gebe es zwei
Instrumente, um einen größeren Kuchen an der nicht viel größer
werdenden Weltwirtschaft zu bekommen: Über die Renditen von
Staatsanleihen und über die Wechselkurse von Währungen, erläuterte
Piasko. Derzeit sei etwa der Renditeabstand zwischen den US- und
deutschen Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Der
Euro werde zum Dollar noch weitere 5 bis 10 Prozent verlieren und in
den nächsten zwölf Monaten auf 1,05 Dollar sinken.
Piasko geht davon aus, dass die Nachfrage nach Anleihen mit
höheren Renditen und somit höherem Risiko noch weiter zunehmen wird.
Er empfiehlt eine Mischung von europäischen, US- und
"Peripherie"-Anleihen.
"Die Aktienmärkte werde von den enormen Liquiditätszufuhren der
Zentralbanken getrieben", so Piasko. Er geht davon aus, dass auch
nach der im zweiten Halbjahr erwarteten Leitzinserhöhung in den USA
die Aktienmärkte um 5 bis 6 Prozent ansteigen werden.
(Schluss) ggr/kan
ISIN DE0005140008
WEB https://www.deutsche-bank.de/index.htm