Kiew verschiebt Entscheidung zu austro-ukrainischem Tankstellen-Deal
Geheimdienst wirft ukrainischer Lukoil-Tochter Finanzierung
terroristischer Organisationen vor - AMIC-Chef: "Nicht
nachvollziehbar"
Die ukrainische Wettbewerbsbehörde hat eine
Entscheidung zur geplanten Übernahme der ukrainischen Lukoil-Tochter
durch die Wiener AMIC Energy Management GmbH verschoben. Grund sei
ein Ersuchen des ukrainischen Geheimdienstes SBU, der in der
vergangenen Wochen der Tankstellenkette die Finanzierung von
Terrororganisationen vorwarf, berichtete am Dienstag das
Internetmedium "oilnews.com.ua".AMIC hatte den Ankauf der Tankstellenkette in der Ukraine, die im
Besitz des russischen Ölkonzerns Lukoil steht, bereits im
vergangenen August bekannt gegeben. Die erforderliche Zustimmung zur
Übernahme durch das Antimonopolkomitee der Ukraine (AMKU) steht
bisher jedoch aus. Man sei in laufenden Gesprächen mit der Behörde,
sagt AMIC-Geschäftsführer Günter Maier zur APA: "Warum es bisher zu
keiner Entscheidung der AMKU gekommen ist, ist für uns nicht
nachvollziehbar."
Laut "oilnews.com.ua" ist für den 20. Jänner eine solche
Entscheidung in Kiew geplant gewesen, diese sei jedoch aufgrund
eines Ersuchens des ukrainischen Geheimdienstes SBU auf unbestimmte
Zeit verschoben worden. Eine Sprecherin der ukrainischen
Antimonopolbehörde wollte diesen Medienbericht zunächst nicht
kommentieren, beim SBU bestätigte man gegenüber der APA aber, dass
der Geheimdienst ein derartiges Ersuchen an die Antimonopolbehörde
übermittelt habe.
Bereits vergangene Woche war auf Initiative des Geheimdienstes
ein Strafverfahren eingeleitet worden, das sich um Vorwürfe der
Terrorismusfinanzierung durch russisch-kontrollierte Ölfirmen in der
Ukraine dreht. Im Laufe der Jahre 2013 und 2014 hätten laut SBU
verantwortliche Personen bei Lukoil zwei Millionen Tonnen
Erdölprodukte im Wert von etwa zwei Milliarden Dollar (1,72 Mrd.
Euro) am ukrainischen Zoll vorbeigeschmuggelt. Neben anderen Firmen
sei dafür auch Lukoil-Ukraina verwendet worden. Erzielte Gewinne
seien schließlich zur Finanzierung terroristischer Aktivitäten der
sogenannten Donezker und Luhansker "Volksrepubliken" verwendet
worden, schrieb SBU auf seiner Homepage. Gegenüber der russischen
Nachrichtenagentur TASS wies ein Lukoil-Sprecher vergangene Woche
alle Vorwürfe zurück.
Bei AMIC Energy habe man im Laufe der Due Diligence keinerlei
Indizien zu einer möglichen Terrorismusfinanzierung durch
Lukoil-Ukraine gefunden, sagt auch Direktor Maier: "Sollten sich
Hinweise in diese Richtung finden, werden wir unsere Position zur
Transaktion überdenken."
AMIC Energy gehört zu 50 Prozent dem Anwalt Johannes
Klezl-Norberg, 40 Prozent hält der Investor Manfred Kunze, 10
Prozent der ehemalige RIAG-Vorstand Heinz Sernetz. Aufsichtsratschef
der AMIC Energy Management GmbH ist der frühere OMV-Generaldirektor
Wolfgang Ruttenstorfer. AMIC ist nach eigenen Angaben auf
Energieinvestments in wachstumsstarken Märkten in Mittel- und
Osteuropa fokussiert.
(Schluss) hgh/ggr
ISIN RU0009024277
WEB http://www.lukoil.com/