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"Mr. Dax" Dirk Müller beim HYPO Invest Club: "Brennpunkt Ukraine"
Dirk Müller: "Eine Zuspitzung der Ukrainekrise hätte durchaus Auswirkungen auf höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie auf zahlreiche weitere Wirtschaftsbereiche."
Am Mittwochabend begrüßte der Generaldirektor der HYPO
Niederösterreich, Peter Harold, rund 120 hochkarätige Gäste aus
Wirtschaft, Politik und dem öffentlichen Leben zum traditionellen,
neunten HYPO Invest Club im Palais Niederösterreich in Wien.
Key-Note-Speaker des Abends war der deutsche Finanz- und
Börsenexperte, der sogenannte "Mr. Dax", Dirk Müller - passend zur
aktuellen Wirtschafts- und Politiklage - mit dem Thema "Brennpunkt
Ukraine - Geostrategien und Einfluss auf Finanzmärkte".
Bereits in den ersten Minuten seines Vortrags hob Dirk Müller das
"Friedensprojekt" Europa und dessen Bedeutung im historischen und
derzeitigen Weltwirtschaftsgefüge hervor und bezeichnete die heutige
EU als "das wichtigste Projekt der letzten Jahrhunderte". Weiters
betonte der Finanzexperte in diesem Zusammenhang die Sonderstellung
Europas und vor allem Österreichs in dessen Rolle als "Scharnier und
Vermittler zwischen Europa und dem Osten", die nicht zuletzt aus
historisch geopolitischen Wurzeln entstanden sei.
Wie verflochten die europäische Wirtschaft mit der Ukraine und
Russland ist, zeige sich u.a. an der Vielzahl an Firmen, laut Müller
hunderttausende, die mit der russischen Wirtschaft verbunden sind.
Für Europa habe der Ausgang des Ukrainekonfliktes daher einen
besonderen Stellenwert. Welche Folgen die Krise in der Ukraine kurz-
und langfristig auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft in Europa
haben könnte, prognostizierte Dirk Müller wie folgt:
"Ein schneller friedlicher Ausgang wäre wünschenswert und hätte keine
langfristigen negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Eine
Zuspitzung der Krise und eine damit einhergehende neue Blockbildung
zwischen West und Ost, hätte durchaus Auswirkungen auf höhere
Energie- und Rohstoffpreise sowie auf zahlreiche andere
Wirtschaftsbereiche." Eines ist für Müller jedoch ganz klar: "In
einem Europa als Friedensprojekt sollte eine militärische
Auseinandersetzung im Herzen Europas schlichtweg der Vergangenheit
angehören."
Neben dem Thema Ukraine behandelte "Mr. Dax" auch Themen wie die
derzeitige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die Problematik
der Kreditvergaben für Banken trotz niedriger Zinsen - es würden hier
laut Müller nicht die Banken unwillig sein diese zu vergeben, sondern
vor allem die Kunden fehlen, an welche Kredite auch im Rahmen der
Risikopolitik vergeben werden könnten. Auch dem Thema Vorsorge
widmete sich der Börsenexperte und riet zu einem gesunden Anlagemix.
In einer anschließenden, von Kurier-Chefredakteur Helmut
Brandstätter moderierten, Podiumsdiskussion mit HYPO
NOE-Generaldirektor und Gastgeber des Clubabends, Peter Harold, sowie
dem WU-Wien Professor Engelbert Dockner wurde die Thematik des
Anlageverhaltens mit Blick auf Aktien als Anlageprodukt erneut
aufgegriffen. Auf die Frage, warum viele Anleger noch sehr verhalten
seien wenn es um das Thema Aktien ginge, stellte
Wirtschaftsuniversitätsprofessor Dockner fest, dass in diesem
Zusammenhang der Sicherheitsfaktor - sprich, die noch immer
weitreichende Angst vor Kursverlusten - im eher konservativen
Anlageverhalten der Österreicher vorherrsche.
Angesprochen auf die derzeit eher stagnierende Kreditvergabe im
europäischen Bankensektor betonte HYPO NOE Generaldirektor Harold:
"Jede Bank möchte Kredite vergeben." Jedoch stehe auch für Banken,
wie bei den Kunden, der Sicherheitsgedankte an vorderster Stelle, da
die vergebenen Kredite auch wieder an die Bank zurückgezahlt werden
müssten. Daher sei der Grundsatz "Kenne deinen Kunden" im
Bankgeschäft besonders von Bedeutung und die damit verbundene
realistischere Einschätzung des Risikos. "Je besser eine Bank ihre
Kunden kennt, desto individueller und auf die Bedürfnisse des Kunden
zugeschnitten kann die Beratung und Betreuung erfolgen. Als regionale
Bank ist man automatisch näher am Kunden, sicherlich auch eine Stärke
der HYPO Niederösterreich", so Harold beim HYPO Invest Club.
Zum HYPO Invest Club
Die Veranstaltung war der neunte HYPO Invest Club der HYPO NOE
Gruppe, nach der Premiere der Veranstaltung im Mai 2009 mit Prof.
Lothar Späth als Keynote-Speaker, dem Besuch von Hans-Dietrich
Genscher anlässlich des 20. Jahrestages nach dem Fall der Berliner
Mauer im Oktober 2009, dem Vortrag des EU-Vizepräsidenten a.D. Günter
Verheugen im Juni 2010 über die Zukunft Europas, des Euro sowie der
spannenden Diskussion mit Prof. Norbert Walter über die Trends und
Optionen der Weltfinanzmärkte nach der Krise im Oktober 2010. Im Jahr
2011 begrüßte die HYPO NOE Gruppe den internationalen Top-Ökonom
Hans-Werner Sinn über die Probleme und Sinnhaftigkeit eines
EURO-Rettungsschirms sowie Spitzenpolitiker und Mitglied des dt.
Bundestages Peer Steinbrück zum Thema "Globale Machtverschiebungen -
Europas Rolle im 21. Jahrhundert". Im Dezember 2012 war der ehem.
deutsche Finanzminister Dr. Theo Waigel mit dem Thema "Die Zukunft
Europas und seiner Währung" beim Club-Abend zu Gast. Im letzten Jahr
gastierte Prof. Dr. Otmar Issing mit seinem Vortrag "Europa und der
Euro - Motor der Integration oder Spaltpilz" beim HYPO Invest Club.
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