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Verhaltener Aufschwung angesichts hoher Unsicherheiten
Gesamtwirtschaftliche Prognose der OeNB für Österreich 2014 bis 2016 vom Juni 2014
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geht in ihrer
vorliegenden Prognose von einem Wachstum der österreichischen
Wirtschaft im Jahr 2014 von 1,6 % aus. In diesem Jahr wird der
Aufschwung noch überwiegend von den Exporten getragen, die von der
graduellen Erholung im Euroraum, aber auch vom moderaten
Erholungskurs der Weltwirtschaft profitieren. In den Jahren 2015 und
2016 wird sich das Wachstum auf 1,9 % bzw. 2,1 % beschleunigen, wobei
sich zunehmend die inländischen Nachfragekomponenten als Träger des
Wachstums erweisen werden. Für 2014 wird ein Rückgang der
HVPI-Inflation auf 1,8 % und für 2015 auf 1,7 % erwartet, auch 2016
wird voraussichtlich die Inflation mit 1,9 % moderat bleiben. "Die
Aussichten für die österreichische Wirtschaft bleiben im Vergleich
zum Dezember 2013 unverändert, die Prognose ist aber aufgrund der
Ukraine-Russland-Krise mit einem Abwärtsrisiko behaftet", kommentiert
OeNB-Gouverneur Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny die Prognose.
Langsame Erholung der globalen und europäischen WachstumsdynamikÂ
Die Weltwirtschaft befindet sich in der ersten Jahreshälfte 2014 auf
einem moderaten Erholungskurs. Infolgedessen nimmt die Notwendigkeit
für weitere Konsolidierungsmaßnahmen im öffentlichen Sektor in
vielen Ländern ab. In den USA wird trotz wetterbedingt enttäuschendem
ersten Quartal eine weitere Beschleunigung des Wachstums erwartet, in
Asien ist die Wachstumsdynamik zwar etwas gedämpft, aber intakt. Der
Euroraum hat die Rezession hinter sich gelassen und ist wieder auf
einen positiven Wachstumspfad eingeschwenkt. Die massiven internen
und externen makroökonomischen Ungleichgewichte konnten reduziert
werden. Die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, die hohe private
Verschuldung und eine restriktive Kreditvergabepraxis dämpfen aber
weiterhin das Wirtschaftswachstum im Euroraum.
Der prognostizierte Aufschwung der österreichischen Wirtschaft wird
von der Erholung der internationalen Konjunktur angestoßen. Vor allem
das Wirtschaftswachstum bei Österreichs wichtigstem Handelspartner
Deutschland entwickelt sich dynamisch. Das Wachstum der gesamten
österreichischen Exportmärkte wird sich im Prognosezeitraum
beschleunigen, kann jedoch aller Voraussicht nach die Zuwachsraten
von vor der Krise nicht erreichen. Die preisliche
Wettbewerbsfähigkeit und die Marktanteile der österreichischen
Exporteure im Ausland bleiben über den Prognosezeitraum nahezu
stabil.Â
Aufschwung in Österreich auch von Inlandsnachfrage getragen
Die im letzten Jahr geschrumpften privaten Investitionen werden
sowohl durch die Notwendigkeit Ersatzinvestitionen vorzunehmen als
auch infolge sich verbessernder Absatzperspektiven und zunehmenden
Vertrauens in die Wirtschaft wiederbelebt. Aufgrund anhaltender
Unsicherheiten werden die Ausrüstungsinvestitionen nur
verhältnismäßig moderat wachsen. Hingegen lassen die immer noch
günstigen Finanzierungsbedingungen und steigenden Immobilienpreise
eine weitere Beschleunigung des Aufwärtstrends der
Wohnbauinvestitionen erwarten. Die niedrigere Inflation, das
anhaltend hohe Beschäftigungswachstum und die mit der
Konjunkturerholung einhergehenden stärkeren Einkommenszuwächse werden
dazu führen, dass die real verfügbaren Haushaltseinkommen in den
Jahren 2014 bis 2016 kontinuierlich steigen. Dies lässt ein Wachstum
des realen privaten Konsums von 0,7 % im Jahr 2014, vonÂ
1,0 % im Jahr 2015 und von 1,4 % im Jahr 2016 erwarten.
Arbeitslosenquote stabil auf niedrigem Niveau
Der Arbeitsmarkt ist wie schon in den Vorjahren von einem deutlichen
Anstieg des Arbeitskräfteangebots und der Beschäftigung
gekennzeichnet. Die Arbeitslosenquote gemäß Eurostat wird über den
Prognosehorizont daher weitgehend konstant bei 4,9 % bis 5,0 %
liegen. Österreich weist damit die niedrigste Arbeitslosenquote in
der EU auf.
Inflation bleibt unter 2 %Â
Sinkende Energie- und Rohstoffpreise werden zu einer Fortsetzung der
Abschwächung der Inflationsdynamik führen. Daher wird die
HVPI-Inflationsrate im laufenden Jahr weiter auf 1,8 % und im Jahr
2015 auf 1,7 % zurückgehen. Im Jahr 2016 wird sich die Inflation
aufgrund der anspringenden Konjunktur wieder leicht auf 1,9 %
beschleunigen.
Weiterer BudgetkonsolidierungsbedarfÂ
2014 wird sich der Budgetsaldo (nach Maastricht) insbesondere infolge
weiterer Zahlungen an Banken vorrübergehend auf -2,5 % des BIP
verschlechtern. Wiederum 2015 und 2016 wird er sich auf -1,2 % bzw.
auf -0,7 % des BIP verbessern. Die öffentliche Schuldenquote
(berechnet auf Basis des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher
Gesamtrechnung - ESVG 1995) steigt im laufenden Jahr vor allem
infolge der Restrukturierung der Hypo Alpe-Adria-Bank International
AG auf 79,2 % des BIP. In den beiden kommenden Jahren wird sie auf
75,3 % des BIP zurückgehen. Um das mit der EU vereinbarte
mittelfristige (strukturelle) Budgetziel (-0,45 % des BIP) im Jahr
2015 zu erreichen, ergibt sich laut Einschätzung der OeNB ein
weiterer Konsolidierungsbedarf von etwa 1/4 % des BIP.
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