AK-Präsident Kalliauer startet "Reichtumsticker": Die Reichsten werden pro Stunde um 3,2 Millionen Euro reicher
Der private Reichtum des reichsten Bevölkerungszehntels
in Österreich vermehrt sich fast dreimal so schnell wie jener der
restlichen neunzig Prozent. Das zeigt der von AK- Präsident Dr.
Johann Kalliauer in Gang gesetzte "Reichtumsticker" der AK
Oberösterreich, der auf Berechnungen von Forschern/-innen der
Universität Linz basiert und seit heute auf der AK-Homepage unter
http://ooe.arbeiterkammer.at läuft.
Die über 920 Milliarden Euro schwere, zehn Prozent kleine Gruppe -
rund 380.000 Haushalte - besitzt mehr als zwei Drittel des
Gesamtvermögens und wird stündlich um rund 3,2 Millionen Euro
reicher. Die 90-prozentige Bevölkerungsmehrheit - rund 3,4 Millionen
Haushalte - besitzt zusammen nur ein Drittel des Vermögens, in Summe
etwa 410 Milliarden Euro, und dieses Vermögen wächst mit rund 1,2
Millionen Euro pro Stunde viel langsamer.
"Wir fordern einmal mehr die rasche Umsetzung einer Steuerreform
mit einer spürbaren Lohnsteuersenkung - insbesondere die Senkung des
Eingangssteuersatzes von derzeit 36,5 auf 25 Prozent - und zur
Gegenfinanzierung die Einführung einer Millionärssteuer auf
Netto-Privatvermögen ab einer Million Euro", sagt der AK-Präsident.
Trotz des immensen Privatreichtums steht die Finanzierung
öffentlicher Leistungen unter enormem Druck. Die Ursachen für die in
den letzten Jahren gestiegenen Staatsschulden liegen in ausbleibenden
Steuereinnahmen aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im Krisenjahr 2009
bei zugleich steigenden Staatsausgaben für Arbeitslosengelder und
Konjunkturpakete. Eine besondere Belastung waren und sind die Kosten
für die "Bankenrettung". Laut Wirtschaftsprognosen würde der
Schuldenstand 2014 ohne Hypo-Schulden insgesamt um deutlich weniger
als drei Prozent steigen. Da das Bruttoinlandsprodukt prognostiziert
mit nominell 3,5 Prozent schneller wächst, würde die
Staatschuldenquote sinken. Durch die Übernahme der maroden Kärntner
Hypo Alpe Adria Bank aber werden laut Finanzministerium die
Staatschulden 2014 um 17,8 Milliarden Euro in die Höhe schnellen und
somit schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung. Nur dadurch wird
die Staatsschuldenquote massiv steigen.
In Österreich ist Arbeit hoch, Vermögen kaum besteuert. 2012
trugen vermögensbezogene Steuern zum gesamten Steueraufkommen in
Österreich nur 1,3 Prozent bei. Im internationalen Schnitt sind es
5,4 Prozent. Die AK schlägt eine gestaffelte Vermögenssteuer ab einer
Million Euro vor. Werden bei einem Freibetrag von einer Million Euro
netto Steuersätze von 0,7 Prozent auf Vermögen bis zwei Millionen,
ein Prozent auf zwei bis drei Millionen und 1,5 Prozent über drei
Millionen eingehoben, ist ein Steueraufkommen von mehr als fünf
Milliarden Euro pro Jahr möglich, wie Berechnungen der Uni Linz
zeigen.
Geld, das dringend benötigt wird: etwa für die Senkung des
Eingangssteuersatzes in der Lohnsteuer, für die Anhebung der
bedarfsorientierten Mindestsicherung oder für Zukunftsinvestitionen.
Das ist auch wirtschaftlich sinnvoll: Die Kaufkraft von Klein- und
Mittelverdienenden würde gestärkt und damit der Konsum angekurbelt,
während die höhere Steuerleistung der Reichen nur deren Sparguthaben
reduziert, die vielfach zur Spekulation verwendet werden. Zusätzlich
brauchen wir eine Koordinierung vermögensbezogener Millionärssteuern
auf EU-Ebene, so dass in jedem EU-Land durch solche Steuern ein
Mindestmaß des gesamten Steueraufkommens erreicht wird, und eine
Bekämpfung von Steuerbetrug und Steuerschlupflöchern.