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E-Control: Energiemarkt ist in Bewegung gekommen
Rekordwechselzahlen von 2013 könnten heuer nochmals übertroffen werden - Potenzial für Preissenkungen - Mehr Wettbewerb durch Entflechtung
Mit rund 148.000 Haushalten und Unternehmen haben in
Österreich im vergangenen Jahr so viele Kunden wie noch nie ihren
Strom- und Gaslieferanten gewechselt. "In den heimischen Energiemarkt
ist im vergangenen Jahr deutlich Bewegung gekommen.", sagt Martin
Graf, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control. Im heurigen Jahr
werde sich der Trend fortsetzen, betont Graf und verweist auf die
mehr als 260.000 Registrierungen bei der VKI-Energiekostenaktion.
"Über fünf Prozent der österreichischen Haushalte haben bereits klar
ihr Interesse an einem Lieferantenwechsel deponiert. Wir hoffen, dass
möglichst viele auch tatsächlich wechseln." Die E-Control rechnet
damit, dass die Rekordwechselzahlen 2013 heuer nochmals übertroffen
werden. "Hält das derzeitige Interesse am Anbieterwechsel an, ist
eine Steigerung der Wechselraten von mindestens 30 bis 40 Prozent im
heurigen Jahr möglich.", meint Graf. Das würde Wechselraten von bis
zu 2,5 Prozent bei Strom und 3,6 Prozent bei Gas entsprechen. Im
europäischen Vergleich wären aber auch dann die heimischen
Wechselzahlen nach wie vor bescheiden. In Deutschland etwa wechselten
2012 5,7 Prozent ihren Strom- und 5,5 Prozent ihren Gasanbieter. In
Tschechien suchten sich im selben Jahr 7,5 Prozent einen neuen Strom-
und 11,9 Prozent einen neuen Gaslieferanten.
Graf: "Wettbewerb hat zugenommen"
Seit Herbst haben einige Stromlieferanten wie Verbund,
EnergieAllianz (Wien Energie, EVN, Energie Burgenland) und Salzburg
AG ihre Energiepreise für Strom gesenkt. Auch bei Gas haben nach dem
Ende der Preiserhöhungswelle zu Beginn des Vorjahres seit Herbst
einige Gaslieferanten ihre Energiepreise gesenkt. Zuletzt versuchten
einige Lieferanten die Angebote der VKI-Aktion "Energiekosten Stop"
mit günstigeren Rabatten und Tarifen zu unterbieten. "Es ist zu
erkennen, dass der Wettbewerb zugenommen hat. Das Potenzial bei
Preissenkungen ist aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft - sowohl
was Anzahl als auch Ausmaß der Senkungen betrifft.", sagt Graf. Von
Preissenkungen profitiert haben bisher ca. 60 Prozent aller
Stromhaushalte und etwas mehr als 80 Prozent aller Gashaushalte.Â
Luft für weitere Preissenkungen vorhanden
Vorstand Martin Graf sieht bei den Energieunternehmen insbesondere
bei Strom Luft für weitere Preissenkungen. "Tatsache ist, dass die
Großhandelspreise für Strom seit 2008 im Jahresdurchschnitt um mehr
als 44 Prozent gesunken sind - an die Haushalte wurden diese
Preissenkungen aber kaum weitergegeben." Auch bei Gas besteht eine
deutliche Lücke zwischen den höheren Haushaltspreisen und den seit
Jahren niedrigeren Großhandelspreisen. Höhere Belastungen tragen die
Haushalte zudem durch die mit Anfang 2014 gestiegenen Ökostromkosten.
Diese erhöhen sich für einen Musterhaushalt von rund 65 Euro jährlich
im Jahr 2013 auf heuer rund 83 Euro (inkl. MWSt). In liegen die
Ökostromkosten für einen Durchschnittshaushalt heuer bei rund 250
Euro (inkl. MWSt).
Wie geht es mit den Preisen weiter?
Die E-Control geht aufgrund der gegenwärtigen Marktsituation davon
aus, dass die Großhandelspreise für Strom heuer weiter sinken werden.
2013 kostete eine Megawattstunde Strom an der Börse im Durchschnitt
zwischen 38 und 42 Euro. "Heuer werden sich die
Stromgroßhandelspreise weiter nach unten bewegen", glaubt Vorstand
Walter Boltz. Bei Gas ist mit stabilen bzw. sinkenden
Großhandelspreisen zu rechnen. Aufgrund des geringen Gasverbrauchs in
diesem Winter sind die Gasspeicher nach wie vor gut gefüllt, sodass
die Nachfrage nach Gas für die Einspeicherung in den Sommermonaten
geringer ausfallen wird. "Dies könnte - zusammen mit dem anhaltenden
Verbrauchsrückgang im Kraftwerksbereich - auch zu sinkenden
Großhandelspreisen führen", so Boltz. Abzuwarten bleibe aber, wie
sich die politische Krise in der Ukraine entwickelt und ob es zu
Lieferkürzungen der Gazprom Export für die ukrainische Naftogaz
kommt, die im vergangenen Jahr 29 Milliarden Kubikmeter Gas von
Gazprom bezogen hat. "In einem solchen Fall könnten die Preise
steigen.", so Walter Boltz.
Es gibt noch viel zu tun
Generell hat sich bei der Dynamik des Wettbewerbs im vergangenen
Jahr einiges bewegt. "Es ist sehr erfreulich, dass es hier erstmals
seit Langem Positives zu berichten gibt. Die heimischen Strom- und
Gaskunden haben sich im Jahr 2013 intensiver als viele Jahre zuvor
mit den Thema Strom- und Gas beschäftigt, die Unternehmen haben
darauf mit Aktionen oder Werbeaktivitäten reagiert - in Summe ist
also durchaus Bewegung in den Markt gekommen.", zieht Walter Boltz
insgesamt ein positives Resumee des Jahres 2013. "Allerdings ist
weiterhin viel zu tun, noch ist bei Weitem kein perfekter
Marktzustand erreicht.", so Boltz weiter. "Ziel der E-Control ist,
dass der Wettbewerb dafür sorgt, dass die Kunden automatisch mit
günstiger Energie versorgt werden. Das ist leider noch nicht der
Fall. Deshalb wird es notwendig sein, weiter daran zu arbeiten,
Prozesse zu optimieren, die Transparenz im Markt zu erhöhen, um mehr
aktive Wettbewerber zu bekommen.", so Walter Boltz.
Entflechtung soll für mehr Wettbewerb sorgen
Ein wichtiger Baustein für mehr Wettbewerb ist die klare Trennung
zwischen Energielieferant und Netzbetreiber. Seit Ende dieses Jahres
sind die Außenauftritte aller heimischen Netzbetreiber, deren
Mutterunternehmen auch als Lieferant tätig ist, neu gestaltet. So
heißt etwa der Netzbetreiber in Niederösterreich seither "Netz
Niederösterreich" und nicht mehr "EVN Netz". "Für den Energiekunden
ist damit klarer, dass Lieferant und Netzbetreiber zwei
unterschiedliche Unternehmen sind. Der eine ist derjenige der Strom
oder Gas liefert - diesen kann ich wechseln. Der andere, der
Netzbetreiber, ist für Betrieb und Instandhaltung des Netzes
zuständig - den kann ich nicht wechseln, der bleibt abhängig vom
Wohnort immer derselbe." Bisher habe es häufig Verwechslungen
gegeben, erläutert Vorstand Walter Boltz. "Viele Menschen glaubten,
Lieferanten und Netzbetreiber sind dasselbe - diese Unterscheidung
ist nun klarer." Boltz erhofft sich dadurch eine weitere Erhöhung des
Wettbewerbs und mehr Lieferantenwechsel. Die Anpassung der
Außenauftritte der Unternehmen wurde aufgrund von EU-Vorgaben
notwendig - im Zuge der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte ist
es nicht erlaubt, dass der Verkauf von Energie und der Betrieb des
Netzes von ein und demselben Unternehmen durchgeführt wird.Â
Entflechtung hilft wenig, wenn sie nicht gelebt wird
"Theoretisch wurde das Unbundling mittlerweile ja von allen
Unternehmen umgesetzt. Die neuen Logos sind auch gut unterscheidbar
und klar ersichtlich, welches Logo nun für den Lieferanten und
welches für den Netzbetreiber gilt. Das nützt nur leider wenig, wenn
die Trennung nicht gelebt und in der Praxis auch umgesetzt wird. Hier
haben wir in der Schlichtungsstelle auch immer wieder mit Fällen, die
zu Problemen führen, zu tun.", erläutert Walter Boltz. So ist es
beispielsweise keine Seltenheit, dass Kunden, die neu irgendwo
einziehen und sich neben dem obligatorischen Netzvertrag gleich von
Beginn an von einem alternativen Lieferanten versorgen lassen
möchten, mit diesem Wunsch scheitern. "Immer wieder wenden sich
verärgerte Kunden an uns, denen vom Netzbetreiber der Liefervertrag
vom lokalen Anbieter, also vom Schwesterunternehmen, zur Unterschrift
vorgelegt wird. Eine Praxis, die wir aufs Schärfste kritisieren und
die nicht rechtskonform ist.", berichtet Walter Boltz. Auch der
Außenauftritt der Unternehmen (wie beispielsweise die Beschriftungen
auf Autos, Trafostationen usw) ist bei Weitem noch nicht da, wo er
sein sollte und selbst in Schreiben an die Kunden wird noch immer
nicht klar dargestellt, wer denn eigentlich der Absender - also der
Lieferant oder der Netzbetreiber - ist. "Fälle, denen die E-Control
nun vermehrt nachgehen und die Unternehmen zur Änderung und korrekten
Darstellung auffordern wird.", so Walter Boltz.
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