Kranebitter: Kein Schlumberger für die Bundesregierung
Benachteiligung von Österreichischem Sekt gegenüber ausländischem Frizzante nicht akzeptabel
Der Österreichische Sekthersteller Schlumberger wird die
steuerliche Ungleichbehandlung von Österreichischem Sekt gegenüber
ausländischen Frizzanteprodukten durch die Österreichische
Bundesregierung nicht ohne weiteres akzeptieren. Neben falschen
Annahmen zur Berechnung der Steuereinnahmen wird man vor allem gegen
die unsachgemäße Differenzierung innerhalb der schäumenden Weine
rechtliche Schritte prüfen.
Wenn es nach Schlumberger-Vorstandsvorsitzendem Eduard Kranebitter
geht, muss die Österreichische Bundesregierung nicht nur am
diesjährigen Opernball auf Schlumberger verzichten: "Wer die
österreichischen Sekthersteller gegenüber den ausländischen
Mitbewerbern bestraft, hat es sich nicht verdient, hochwertigen
österreichischen Sekt zu trinken. Der österreichische Staat bestraft
die Sektproduzenten wie Schlumberger dafür, dass sie seit Jahrzehnten
die österreichische Qualität fördern und ein Qualitätsbewusstsein bei
den Österreicherinnen und Österreichern herstellen. Gemäß dem
vorliegenden Gesetzesentwurf der Bundesregierung soll Schaumwein
künftig besteuert werden, nicht aber die Billigprodukte aus Italien,
v.a. Prosecco Frizzante. Mich wundert es, dass die österreichische
Bundesregierung dieses Gesetz erlassen hat, und nicht die
italienische."
40 Millionen Mehreinnahmen sind Utopie
Für falsch hält Kranebitter auch die Berechnungen der neuen/alten
Staatsspitze: "Die Bundesregierung geht von 35 Millionen Euro
Mehreinnahmen aus. Dies wären 40 Millionen Flaschen mal 0,75 Euro
plus 20% Mwst. Der aktuelle Konsum liegt zwar bei 40 Millionen
Flaschen, dies umfasst jedoch auch Prosecco Frizzante." Man kann
daher nur von 25 Millionen besteuerten Flaschen ausgehen. Kranebitter
rechnet daher damit, dass die Einnahmen bei maximal 20 Millionen Euro
liegen werden. Wahrscheinlich fallen sie sogar noch geringer aus, da
die Österreicherinnen und Österreicher auf Grund der Mehrkosten
wieder verstärkt auf die dann günstigeren Produkte aus dem Süden
zurückgreifen werden.
Schaumweinsteuer wird wie bis 2005 von Verwaltungsaufwand
aufgefressen
Am Ende werden, laut Schlumberger, die Steuerzahler doppelt zur
Kasse gebeten. "Schlumberger wird es trotz aller Bemühungen künftig
nur noch schwer möglich sein, den Sekt in Österreich zu produzieren.
Abwanderung und noch mehr Arbeitslosigkeit werden die Folge sein.
Weiters kann davon ausgegangen werden, dass die vergleichsweise
geringen Steuereinnahmen von der zusätzlich sehr aufwändigen
Verwaltung einer solchen Spezialsteuer größtenteils aufgefressen
werden", so Kranebitter. Hier ist die Faktenlage im Vergleich zum
Zeitpunkt der Abschaffung der Steuer im Jahr 2005 unverändert.
Hauptargument für die Abschaffung damals war neben der
Wettbewerbsverzerrung auch die vergleichsweise geringen Einnahmen
gegenüber dem hohen Verwaltungsaufwand.
Schlumberger prüft rechtliche Schritte
Nach zahlreichen ergebnislosen Gesprächen zur Widersinnigkeit
einer Schaumweinsteuer mit den Verantwortlichen in der Regierung
prüft Schlumberger derzeit auch rechtliche Schritte gegen diese
Ungleichbehandlung und Diskriminierung:"Für eine Differenzierung in
der steuerlichen Behandlung zwischen Frizzante/Perlwein einerseits
und Sekt/Champagner andererseits gibt es keinen sachlich
gerechtfertigten Grund. Daher ist diese Regelung auf den
Gleichheitsgrundsatz der österreichischen Verfassung zu prüfen.
Möglicherweise werden wir hier die diskriminierende
Schaumweingesetzgebung mit einem Individualantrag beim
Verfassungsgerichtshof bekämpfen," so Kranebitter abschließend.