Die Mietpreisentwicklung in Österreich seit 2005
Wie eine Untersuchung des WIFO anhand von
Mikrozensus-Daten zeigt, erhöhten sich die Bestandmieten für
Hauptmietwohnungen privater Eigentümer seit 2005 stärker als jene für
Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen. Die Mietpreissteigerungen
lagen auch deutlich über dem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus und
der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Tendenziell ist das
Mietpreisniveau in Wien höher als in den anderen Bundesländern. Der
Anstieg der Richtwertmieten im Bestand fiel schwächer aus als auf dem
freien Markt. Bei Neuvermietung sind die Mieten für Gemeinde- und
Genossenschaftswohnungen deutlich niedriger als für Wohnungen
privater Eigentümer. Das Mietpreisniveau für neuvermietete Wohnungen
privater Eigentümer, die dem Richtwertsystem unterliegen,
unterscheidet sich nicht von jenem auf dem freien Markt. Ein Abschlag
für befristet neuvermietete Wohnungen ist außer für Gemeindewohnungen
nicht festzustellen.
Auf Basis einer Sonderauswertung der individuellen
Mikrozensus-Wohnprogrammdaten untersuchte das WIFO für den Zeitraum
2005 bis 2012 die Entwicklung der Mietpreise auf dem österreichischen
Wohnungsmarkt. Aus der Stichprobe wurden verschiedene
Mietvertragstypen bestimmt, die das komplexe österreichische
Mietrecht repräsentieren. Sowohl für die Bestände als auch für
Neuvermietungen wurden aus der Stichprobe Quadratmeterpreise für die
verschiedenen Mietvertragstypen (Eigentümerkategorien, befristete und
unbefristete Mietverhältnisse, regulierte Mieten, freier Markt) für
Österreich hochgerechnet.
40% der 3,7 Mio. österreichischen Haushalte bewohnen eine
Hauptmietwohnung (Wien 75%, Burgenland 14%). Im Jahr 2012 machten
Genossenschaftswohnungen und Mietwohnungen privater Eigentümer
("Andere Hauptmieten") jeweils 40% und Gemeindewohnungen 19% aller
Hauptmietwohnungen aus. Gut 44% aller Hauptmietwohnungen befinden
sich in Wien, jedoch entfallen 72% aller Gemeindewohnungen, aber
lediglich 29% der Genossenschaftswohnungen auf Wien. Aufgrund des
hohen Althausbestandes befinden sich in Wien 64% aller Wohnungen, die
in Österreich unter das Richtwertmietensystem fallen. Der Anteil der
Mietwohnungen mit dominantem öffentlichem Einfluss (Gemeinde-,
Genossenschaftswohnungen, private Wohnungen, deren Miete einer
regulierten Mietzinsobergrenze unterliegt) ist österreichweit von 66%
im Jahr 2005 auf 75% im Jahr 2012 gestiegen.
Jährlich werden 7% bis 9% aller Hauptmietwohnungen neuvermietet
(2012 etwa 128.000); dabei entfällt mit etwa 60% der Neuvermietungen
der überwiegende Teil auf Wohnungen privater Eigentümer, rund 30% auf
Genossenschafts- und gut 10% auf Gemeindewohnungen.
Hauptmietwohnungen privater Eigentümer werden mittlerweile
überwiegend befristet vermietet (2012 etwa 63% der neuen
Mietverträge). Bei der Neuvermietung von Gemeinde- und
Genossenschaftswohnungen sind Befristungen deutlich seltener (20%
bzw. 12%).
Der Mikrozensus liefert ab dem Jahr 2005 Informationen über die
Entwicklung der Bestandsmieten für Hauptmietwohnungen nach
Eigentümerkategorien (Gemeinde-, Genossenschafts- und andere
Hauptmietwohnungen). In die Gruppe "andere Hauptmietwohnungen"
(private Eigentümer) fallen Wohnungen, deren Mieten bei Neuvermietung
frei bzw. angemessen oder nach Richtwerten (laut Mietrechtsgesetz)
festgelegt werden bzw. vor dem 1. März 1994 nach anderen Bestimmungen
reguliert ("Andere geregelte Mieten") wurden. Der Bruttohauptmietzins
war 2005 im Bestand von Hauptmietwohnungen privater Eigentümer um
durchschnittlich 0,40 Euro je m2 höher als für Gemeindewohnungen. In
den letzten sieben Jahren hat sich diese Differenz auf 1,3 Euro
verdreifacht. Für Hauptmietwohnungen privater Eigentümer zeigen sich
deutlich höhere Preiszuwächse als für die anderen zwei
Eigentümerkategorien: Von 2005 bis 2012 stiegen die "freien und
angemessenen Mieten" jährlich um 4,1% und die Richtwertmieten um
3,5%. Die Mieten für Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen erhöhten
sich jährlich um 2,2% bzw. 2,4%. Zugleich lag die allgemeine Teuerung
bei +2,1% p. a., die verfügbaren Haushaltseinkommen steigen um 2,3%
pro Jahr.
Übersicht 1: Mietpreise für den Hauptmietwohnungsbestand in
Österreich - auf der WIFO-Website
(
http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/46897)
Die geringe durchschnittliche Mietdauer im Bereich der
Richtwertmieten (2012: 5 1/2 Jahre; dieses System wurde 1994
eingeführt) ist der Grund dafür, dass das durchschnittliche
Mietzinsniveau im Bestand der Richtwertmieten 2012 mit 7,8 Euro je m2
signifikant höher war als für die "freien und angemessenen Mieten"
(6,5 Euro je m2; Durchschnittsmietdauer 11 Jahre).
Ein Vergleich der Bestandsmieten zwischen Wien und den anderen
Bundesländern zeigt nach Eigentümerkategorien und mietrechtlichen
Typen im Allgemeinen ein ähnliches Bild. Das Niveau der Mieten und
auch die jährlichen Zuwächse sind in Wien im Allgemeinen höher als im
übrigen Österreich.
Die Miete für Altbauwohnungen unterliegt meist den Obergrenzen der
Richtwertsätze. Die Mieten für neuvermietete Wohnungen im
Richtwertsystem und die "freien und angemessenen Mieten"
unterscheiden sich im Niveau nicht. Der durchschnittliche
Mietzinsanstieg zwischen 2005 und 2012 war für die Richtwertmieten
kaum geringer als auf dem freien Markt.
Der durchschnittliche Mietzins einer unbefristet und einer
befristet vermieteten Wohnung unterscheidet sich nicht statistisch
signifikant (obwohl letzterer 2012 um 1,3 Euro je m2 höher! war). Ein
Abschlag für befristet vergebene Wohnungen - wie im MRG vorgesehen -
ist außer für Gemeindewohnungen nicht zu erkennen.
Übersicht 2: Mietpreise für neuvermietete Hauptmietwohnungen in
Österreich - auf der WIFO-Website
(
http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/46897)
In Wien steigen die Richtwertmieten bei Neuvermietung laut
Mikrozensus signifikant schwächer als die "freien und angemessenen
Mieten". Ein Vergleich der Entwicklung der Mietzinse für
neuvermietete Wohnungen in Wien mit dem Durchschnitt der anderen
Bundesländer lässt vermuten, dass das Mietzinsniveau in allen
Unterscheidungsmerkmalen (Baujahr, Befristung, Eigentümertyp - hier
vor allem private Eigentümer) in Wien höher ist. Diese Unterschiede
sind jedoch aufgrund der Größe der Stichprobe nicht statistisch
signifikant.