Umorientierung, Marktkommentar von Kai Johannsen
Emerging Markets - das ist für weite Anlegerkreise
die Investmentidee überhaupt gewesen. Hier musste man investiert
sein, denn die aufstrebenden Länder versprachen geradezu rosige
Perspektiven, an denen man einfach partizipieren musste. Eine
günstige demografische Entwicklung mit der Herausbildung neuer
kaufkräftiger Mittel- und Oberschichten, die entsprechend den Konsum
anheizen, eine gesunde Verschuldungssituation des Staates, keine
Altlasten aus überholten Altersvorsorgesystemen, innovative
Unternehmen, sehr gut ausgebildetes Personal und keine verkrusteten
Strukturen auf den Arbeitsmärkten - das sind nur einige Aspekte, mit
denen diese Staaten bei den Anlegern punkten konnten. Die Equity- und
Fixed-Income-Märkte zeigten wahrlich eine sehr positive Performance.
Run auf sichere Assets
Angeheizt wurde dieser Trend ohne Frage auch durch die Schuldenkrise
in der Eurozone. Die explodierenden Spreads in Griechenland, Irland,
Portugal, Spanien und Italien führten dazu, dass sich die Anleger aus
genau diesen Assets zurückzogen. Investiert wurden die freiwerdenden
Gelder in sichere Häfen. Dazu gehören etwa Bundesanleihen. Die
zeigten bei den seit Sommer 2007 anhaltenden Krisenbedingungen auf
den internationalen Kapitalmärkten nur einen einzigen Trend, und zwar
hin zu immer niedrigeren Renditen. Rund 4,70% ließen sich mit einer
zehnjährigen deutschen Staatsanleihe im Juli 2007 noch verdienen.
Mittlerweile sind es noch knapp unter 1,7%. Zeitweise war der Markt
in diesem Laufzeitenspektrum aber auch schon bei Werten von um die
1,15% angekommen. Am kurzen Ende der Laufzeitenkurve der Bundestitel
war die Rendite 2012 wie auch in diesem Jahr bereits in den negativen
Bereich abgerutscht. Selbst bei der Emission neuer Papiere wurden
negative Renditen in Kauf genommen. So stark war während der
krisenbedingten Verwerfungen auf den Märkten der "Run" auf die
sicheren "Bunds", wie sie im Händlerjargon genannt werden.
Kein Wunder, dass sich angesichts dieser Renditekonstellation weite
Anlegekreise nach Alternativen umsahen. Fündig wurden sie nicht nur
bei Covered Bonds, also mit Hypotheken oder Krediten an die
öffentliche Hand gedeckten Anleihen oder aber sicheren Corporates,
sondern auch in den Emerging Markets, deren Vorzüge aufgrund der
Krisensituation in entwickelten Volkswirtschaften der Eurozone
verständlicherweise damit noch stärker zutage traten. Noch mehr
Gelder flossen in die aufstrebenden Volkswirtschaften. Der Weg an den
Aktienmärkten wies weiter nach oben, Bondrenditen behielten den Weg
nach unten bei.
Aber bekanntlich dauert kein Trend ewig. Die Emerging Markets zeigen
nun Schwächen. Die Aktienkurse schlagen nun mal die Gegenrichtung ein
und auch bei den Spreads bzw. den Renditen bläst den Anlegern jetzt
der Wind ins Gesicht. Und bei so manchem Investor könnte das Umdenken
bzw. die Umorientierung bereits eingesetzt haben. Setzt sich die
Schwäche dieser Märkte fort, könnte es flächendeckend recht
ungemütlich werden. Denn nur allzu oft kommt es in solchen Phasen zu
folgendem Phänomen: Alle wollen zur gleichen Zeit mit dem Koffer
durch die Tür. Das wird dann bekanntlich recht eng.
Doch wo können die Anleger die freiwerdenden Mittel aus den Emerging
Markets im gegenwärtigen Marktumfeld im Fixed-Income-Universum noch
investieren? Ohne Frage ist jeder Investor an Rendite bzw.
Rendite-Pick-ups interessiert. Bei zehnjährigen Bundesanleihen dürfte
wohl kaum die laufende Rendite von 1,7% im Fokus stehen, sondern
vielmehr die Sicherheit. Und auch in anderen Fixed-Income-Segmenten
sind die Renditen bzw. Spreads im Zuge der mehrjährigen Krise bereits
ordentlich zusammengeschmolzen. Vor diesem Hintergrund könnte bei
Anlegern vermehrt auch der Wunsch nach Diversifikation im Bereich der
stabilen Assets auftauchen. Und damit könnte Skandinavien wieder
höher auf der Agenda stehen.
Auftrieb gedeckelt
In skandinavische Assets wurde im Zuge der Krise zwar ebenfalls
investiert. Jüngst ist aber zu registrieren, dass Anleger zum
Beispiel verstärkt nach dänischen Covered Bonds Ausschau halten und
auch zugreifen. Das könnte auch auf andere skandinavische Märkte
positiv ausstrahlen. Staatsanleihen oder Covered Bonds aus Norwegen
oder Schweden könnten somit ein höheres Interesse auf sich ziehen.
Unterstützt bleiben bei einer anhaltenden Schwäche der Emerging
Markets aber auch die sicheren Assets, also die Bundesanleihen. Ein
Renditeauftrieb dieser Papiere könnte dadurch recht schnell gedeckelt
werden.