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US Einzelhandel in der Kältekammer
Nicht nur bei uns sorgt das Ausbleiben des Frühlings für frostige
Stimmung. Auch die USA leiden unter einem überlangen Winter, der die
Konsumenten vor dem Kauf von Frühlingsartikeln wie Sonnenbrillen oder
Sommerbekleidung zurückschrecken lässt. Auch Baumärkte und Gartencenter
haben unter dem schlechten Wetter massiv zu leiden. Das Interesse an
Gartenprodukten ist in Amerika gegenüber dem März des Vorjahres um
beachtliche 21 Prozent geringer. Da für die Kaufentscheidung das
tatsächliche Wetter ausschlaggebend ist, erweist sich der späte
Saisonstart für die Branche als fatal. Immerhin ist der Frühling die
Hauptumsatzzeit für Baumärkte. In den letzten Jahren gab es tendenziell
einen eher zeitigen Frühlingsbeginn, der das Geschäft in Schwung brachte.
Problematisch sind die kalten Temperaturen auch für die
Bekleidungsbranche, deren Lager gut gefüllt sind, die jedoch für die
Produkte keine Abnehmer findet. Je länger der Winter andauert, desto
kleiner wird das Zeitfenster zum Verkauf der Frühlingsware. Es sind daher
starke Preisnachlässe zu erwarten, welche die Kunden zum Kauf bewegen
sollen, jedoch die Margen der Einzelhändler spürbar unter Druck bringen.
Übrigens, nicht die ganzen Vereinigten Staaten leiden unter einem langen,
späten Winter. Die westlichen Bundesstaaten haben wesentlich besseres
Wetter und wärmere Temperaturen, dort ist der Handel entsprechend
optimistischer. Damit sind amerikanische Einzelhändler an der Ostküste
gegenüber jenen im Westen erneut wetterbedingt im Nachteil, nachdem im
Vorjahr bereits Hurrikan Sandy das Weihnachtsgeschäft an der Ostküste
stark behindert hat. Doch nicht jeder ist über das Wetter unglücklich.
Die kalten Temperaturen kommen beispielsweise Drogeriemärkten (die in den
USA auch Medikamente verkaufen) zu Gute, da die Erkältungssaison länger
dauert als sonst.
Der US Einzelhandel ist ein wichtiger Seismograph für den Gesamtzustand
der Wirtschaft, da 70 Prozent der Konjunktur vom privaten Verbraucher
getragen wird. Zuletzt gab es für den US Konsumenten einiges zu verdauen,
von höheren Steuern bis zu gestiegenen Energiekosten. Angesichts dieser
Faktoren zeigte sich der US Handel ohnedies einigermaßen robust. Das
Wetter hat zwar keinen langfristigen Einfluss auf das Konsumverhalten,
könnte die Quartalsergebnisse der Einzelhändler, die Ende April zum
Bericht anstehen, aber überschatten.
Mag. Monika Rosen
Chefanalystin im Bank Austria Private Banking
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