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Europäische Bauleistungen im Rückwärtsgang
München, 30. Januar 2013 – Für das Jahr 2012 ist in Europa von einer
Abnahme der Bauaktivitäten um gut 4½ % auszugehen, und auch für 2013 werden
nochmals leichte Einbußen erwartet. Laut den Experten des europäischen
Forschungs- und Beratungsnetzwerkes „EUROCONSTRUCT“ ist erst zum Ende des
Prognosehorizonts im Jahr 2015 mit einer Erholung zu rechnen. Doch nicht
überall leidet der Bausektor. So trotzen etwa Irland, Norwegen und
Deutschland dem negativen Trend.
Auf der Winterkonferenz 2012 in München präsentierte das
EUROCONSTRUCT-Netzwerk seine neuesten Einschätzungen zur Baukonjunktur in
Europa. Dabei dürfte den aktuellen Prognosen zufolge das Bauvolumen in den
19 Ländern, die dem Netzwerk angehören, im Zeitraum von 2008 bis 2013
insgesamt um rund ein Fünftel schrumpfen. Für das Jahr 2013 wird nur mit
einem Umfang von 1,27 Bill. Euro (in Preisen von 2011) gerechnet, wodurch
das europäische Bauvolumen dann voraussichtlich sogar das Niveau von Mitte
der 1990er Jahre knapp unterschritten haben wird.
„Die positive Entwicklung der Bauwirtschaft in Europa, die maßgeblich
durch die niedrigen Zinsen nach der Euroeinführung, steigenden Wohlstand
und die umfangreiche Förderung von Infrastrukturprojekten begünstigt wurde,
fand ihr Ende mit der Finanz- und Wirtschaftskrise“, erklärt Ludwig
Dorffmeister, ifo-Experte aus dem Bereich Industrieökonomik und neue
Technologien. „In etlichen der 19 EUROCONSTRUCT-Länder hält nun die
Eurokrise das Baugeschehen weiter in Atem, hinzu kommt die anhaltende
Schwäche der Weltwirtschaft“, ergänzt Dorffmeister.
Rückgänge in Großbritannien und Italien, robuste Bauwirtschaft in Norwegen
Im vergangenen Jahr wiesen insbesondere Großbritannien (-6,6%) und Italien
(-5,8%) einen deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen auf, und auch für
das Jahr 2013 werden in diesen beiden Ländern Einbußen erwartet (-2,1% und
-1,4%). Für Frankreich
(-0,9%) sieht es dieses Jahr nur wenig besser aus. Auch in Spanien dürften
die Bauleistungen weiter abnehmen; dabei wird der Nichtwohnbau
voraussichtlich sogar während des gesamten Prognosehorizonts bis 2015
Rückgänge verzeichnen. Für Portugal rechnen die EUROCONSTRUCT-Experten zwar
mit einer Verlangsamung des Abwärtstrends ab 2014, aber die Risiken für die
Bauwirtschaft bleiben vorerst weiter hoch.
Nach herben Verlusten dürfte das irische Bauvolumen in den Jahren 2014 und
2015 spürbar zulegen. Insbesondere das angekündigte staatliche
Konjunkturprogramm für den Bausektor dürfte dann seine größte Wirkung
entfalten. In Norwegen zeigt sich die Bauwirtschaft dagegen robust. War in
der Krisenzeit von 2008 bis 2010 noch ein geringer Rückgang der
Baumaßnahmen von durchschnittlich rund 1½% pro Jahr zu verzeichnen, so sind
die wirtschaftlichen Aussichten aktuell sehr günstig.
In Deutschland wirkt sich lediglich die öffentliche Baunachfrage bremsend
aus. Die Pipeline für gewerbliche Bauvorhaben ist gut gefüllt, und starke
Zuwächse sind in den nächsten Jahren vor allem im Wohnungsbau zu erwarten.
Günstige Zinsen, Sorgen um eine steigende Inflation und ein Anhalten der
Eurokrise sowie Wohnungsmangel in Ballungsgebieten sind einige Gründe für
die zuletzt gestiegene Neubaunachfrage.
Laut EUROCONSTRUCT bleiben die Rahmenbedingungen für die europäische
Bau-wirtschaft insgesamt jedoch weiter ungünstig. „Dennoch dürfte das
Baugeschehen in einzelnen Ländern lebhaft bleiben“, sagt Dorffmeister
abschließend.
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