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Österreichs Industrie hält Erholungskurs trotz schwierigem Umfeld
- Bank Austria EinkaufsManagerIndex signalisiert trotz leichtem
Rückgang im April auf 51,2 Punkte weiterhin moderates
Industriewachstum in Österreich
- Einerseits: starker Jobaufbau im ersten Quartal – Schaffung von
mehr als 8.000 neuen Arbeitsplätzen im Sektor dank steigender
Produktionsleistung
- Andererseits: Auftragsrückgänge und sinkende Auftragspolster
deuten auf zähe Industrieentwicklung in den kommenden Monaten
hin
- Europäisches Umfeld bleibt herausfordernd; dennoch Zuwachsrate
von zumindest 2 Prozent für Industrie 2012 erwartet
Die österreichische Industrie setzt ihren moderaten Wachstumskurs fort, spürt jedoch Gegenwind aus
dem europäischen Umfeld. Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex liegt im April mit einem Wert von
51,2 weiterhin über der Wachstumsmarke von 50 Punkten. Der Indikator hat allerdings gegenüber dem
Vormonat ganz leicht an Boden verloren und ist damit bereits das dritte Mal in Folge gesunken. Der
holprige Wachstumskurs der heimischen Industrie zeigt zu Beginn des zweiten Quartals 2012 leichte
Erschöpfungsanzeichen. Positiv steht der Verschlechterung der Auftragslage aktuell ein Anstieg der
Produktionsleistung gegenüber. Dieser hat sogar zu einem weiteren Beschäftigungsaufbau im April
geführt. Allerdings weisen auch die Lagertrends auf eine im April weniger schwungvolle
Nachfrageentwicklung hin.
Erstmals im laufenden Jahr hat sich im April die Nachfrage nach Erzeugnissen der österreichischen
Industrie gegenüber dem Vormonat verringert. Während der Zuspruch für „Made in Austria“ aus dem
Ausland nahezu unverändert geblieben ist, hat das Volumen an Neuaufträgen aus dem Inland hingegen
spürbar nachgelassen. Auf Basis eines weiterhin hohen Auftragsbestands hat die österreichische
Industrie im April ihre Produktionsleistung erhöht, trotz einer Verschlechterung der Auftragslage. Mit 52
Punkten blieb der Produktionsindex allerdings hinter dem Vormonatsergebnis zurück, die Expansion hat
an Tempo eingebüßt.
Nach der Delle in der zweiten Jahreshälfte 2011 zeigt der Produktionsindex mittlerweile seit vier Monaten
einen Wert über der Neutralitätslinie an. Als Folge der Ausweitung der Produktion im April mussten die
österreichischen Industriebetriebe ihre Personalkapazitäten weiter erhöhen, um die
Produktionsanforderungen erfüllen zu können. Der Beschäftigungsindex stieg sogar auf den höchsten
Wert seit zehn Monaten. In der österreichischen Sachgüterindustrie sind im ersten Quartal 2012 im
Vergleich zum Vorjahr bereits mehr als 8.000 neue Jobs entstanden. Das entspricht einem Anstieg um
rund 1,5 Prozent. Nach unserer Einschätzung dürfte das wahre Ausmaß der Beschäftigungsdynamik im
Sektor durch die fehlende Erfassung von Leiharbeitern sogar noch höher liegen.
Die etwas uneinheitlichen Konjunktursignale im April spiegeln sich auch in den Lagertrends wider. Die
Verkaufslager haben sich nachfragebedingt spürbar aufgebaut. Die Lagerbestände an Vormaterialien
haben hingegen trotz deutlich erhöhter Einkaufsmengen aufgrund der Produktionsausweitung im April nur
wenig zugenommen. Die kaum gestiegenen Lagerbestände im Einkauf und die verhaltene Anpassung der
Produktion im April lassen darauf schließen, dass die österreichischen Industriebetriebe die im April
aufgetretene Nachfrageschwankung als vorübergehend einschätzen und auf eine Fortsetzung der
Industrieerholung setzen.
Die Balance in der Branchenentwicklung verschiebt sich dabei weg von der Stahlindustrie und dem
Fahrzeugbau hin zum Maschinenbau und der Elektroindustrie. So bestehen im Jahr 2012 für den
Maschinenbau und die Elektroindustrie mit einem Produktionsplus von 5 bzw. 4 Prozent die besten
Wachstumsaussichten. Auch der Fahrzeugbau – im Vorjahr die wachstumsstärkste Branche der
österreichischen Industrie – wird 2012 abermals ein Plus, diesmal allerdings von nur rund 3 Prozent,
einfahren können.
Im internationalen Vergleich zeigt sich der österreichische Produktionssektor trotz des leichten Rückgangs
des Einkaufsmanagerindex vom April robust und befindet sich auf einem – wenngleich auch etwas
holprigen – Wachstumskurs. In vielen europäischen Staaten, darunter mittlerweile auch Deutschland, ist
der Einkaufsmanagerindex aktuell dagegen sogar unter die Wachstumsgrenze gesunken. Diese negativen
europäischen Rahmenbedingungen sowie die Verschlechterung des Auftragsumfelds im April machen
deutlich, dass sich die heimische Industrie in den kommenden Monaten auf schwierigem Terrain
bewegen wird. Nach der durchwachsenen Entwicklung der Sachgütererzeugung im ersten Quartal 2012
ist bis zum Sommer weiterhin nur ein lauer Aufwind im Sektor zu erwarten. Die europäische
Wirtschaftspolitik bleibt gefordert, den richtigen Mix aus wachstumshemmenden und expansiven
Maßnahmen zu finden. Trotzdem erwarten wir, dass Österreichs Industrie im späteren Jahresverlauf
wieder mehr internationale Unterstützung erhalten sollte und damit wieder besser in Fahrt kommt. In
diesem Fall wird die österreichische Industrie mit einer Zuwachsrate von zumindest 2 Prozent wieder der
bestimmende Wachstumsträger der österreichischen Wirtschaft im Jahr 2012 sein. Wir halten daher an
unserer BIP-Prognose von 0,8 Prozent fest.
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