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Polnischer Immobilienmarkt für Investoren sehr attraktiv - wie lange noch?"
Polens Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren als relativ krisensicher und robust erwiesen.
So erzielte die polnische Wirtschaft im Jahr 2009 als einziges EU-Land ein reales Wachstum – in
der Höhe von 1,6 Prozent. In den letzten beiden Jahren der Erholung schnellte die Wachstumsrate
auf jeweils 4 Prozent empor. Trotz Einbremsung der wirtschaftlichen Dynamik, bedingt durch die
Verschuldenskrise in der Eurozone und die damit einhergehende, gedämpfte Investitionstätigkeit,
ist für 2012 mit einem stabilen Wachstum von 3 Prozent zu rechnen. Das solide Wirtschaftswachstum
in Kombination mit einer ansprechenden Größe und einem bereits gut entwickelten Markt sind
auch die bestimmenden Faktoren, welche die Attraktivität des polnischen Immobilienmarktes für
internationale Investoren ausmachen.
Polen attraktivster Immobilienstandort in CEE – aber Höhepunkt scheint erreicht
Reinhard Madlencnik, Head of Real Estate Bank Austria: „Der polnische Immobilienmarkt hat 2011
seine Attraktivität unter Beweis gestellt. Von den 11,2 Milliarden Euro an kommerziellen
Immobilieninvestitionen, die 2011 insgesamt in CEE getätigt wurden, entfielen auf Polen rund
30 Prozent. Damit war Polen für internationale Investoren der attraktivste Investitionsmarkt
innerhalb der CEE-Region.“ Auch im europäischen Vergleich punktet Polen: Laut einer vor kurzem
veröffentlichten Umfrage von Ernst & Young nach der Attraktivität von Immobilien-
Investitionsstandorten in Europa erreicht Polen nach Deutschland und der Schweiz den
ausgezeichneten dritten Platz. Österreich muss sich im selben Ranking mit dem achten Platz
begnügen. Diese Vorliebe der Investoren für den polnischen Immobilienmarkt führte zu einer
starken Renditekompression. „Bedingt durch das starke Käuferinteresse sind die zu erzielenden
Renditen im Spitzenbereich bereits stark zurückgegangen. Mit 6,25 Prozent an zu erzielenden
Spitzenrenditen am Warschauer Büromarkt reiht sich Polen Ende des vergangenen Jahres mit
seiner Hauptstadt ganz oben im CEE-Ranking ein. Aus unserer Sicht ist das ein Anzeichen, dass
der polnische Büroimmobilienmarkt sehr nahe am Höhepunkt sein könnte“, analysiert Madlencnik
weiter.
Büromarkt hat sich im letzten Jahrzehnt stark entwickelt – Zweitstädte werden interessanter
Polens Büromarkt ist sehr stark auf den „Hot Spot“ Warschau konzentriert. Langsam, aber stetig
entwickelt sich jedoch auch in einigen der zahlreichen bevölkerungsstarken Zweitstädte ein
wachsender Büromarkt. „Für internationale Entwickler und Investoren liegt – was den Büromarkt
betrifft – die Hauptstadt im Fokus. In den Regionen sind eher heimische Entwickler aktiv, die
besser in der Lage sind, den vorhandenen Bedarf zu beurteilen und die Projekte daran
anzupassen“, fasst Karla Schestauber, Immobilienanalystin der Bank Austria, die Gegebenheiten
zusammen. Es gibt in Polens Hauptstadt derzeit einen Bestand von 3,6 Millionen Quadratmeter
moderner Bürofläche. Das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 in etwa eine Verdreifachung. „2012
werden voraussichtlich nochmals rund 250.000 bis 300.000 Quadratmeter dazukommen. Auch die
Projektpipeline ist gut gefüllt“, so Madlencnik über die Entwicklungen am Warschauer Büromarkt.
Was die Mietpreise für Büroflächen angeht, kam es hier aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise
zu deutlichen Korrekturen. „Lag 2007 die Spitzenmiete am Warschauer Büromarkt noch bei 30 Euro pro Quadratmeter, so hat sich diese mit Ende 2011 bei 25 Euro pro Quadratmeter
eingependelt“, ergänzt Schestauber.
Polnischer Einzelhandelsmarkt gut entwickelt – Ausbaupotenzial in kleineren Städten
Mit einer Handelsflächendichte von rund 225 Quadratmetern auf 1.000 Einwohner liegt Polen, mit
38 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste östliche EU-Staat, unter dem Durchschnitt
westeuropäischer Länder. Aber auch die durchschnittliche Kaufkraft von rund 6.000 Euro pro Kopf
rangiert in Polen um ganze 5.500 Euro unter dem europäischen Querschnittswert. „Der polnische
Markt ist zwar bereits gut mit Einkaufszentren versorgt – alleine im vergangenen Jahr kamen
500.000 Quadratmeter an Handelsflächen hinzu. In kleineren Städten unter 200.000 Einwohnern
gibt es aber teilweise noch Bedarf. Hier entstehen derzeit fast zwei Drittel der in Bau befindlichen
Flächen“, so Madlencnik über die Entwicklungen am polnischen Einzelhandelsmarkt. Und er
ergänzt: „Wegen der demografischen Struktur und der geringeren Kaufkraft in kleineren Städten
erweisen sich zumeist Fachmarktzentren und kleinere Nachbarschaftszentren als erfolgreiche
Handelsformen.“
Polen bleibt ein attraktives Expansionsziel für internationale Einzelhändler. Dennoch gilt: Da rund
ein Drittel aller Shoppingcenter älter als zehn Jahre ist, bedeutet der hier entstehende hohe
Sanierungsbedarf eine große Herausforderung für die Betreiber. „Um weiterhin konkurrenzfähig zu
bleiben, stehen daher bei vielen Einkaufszentren der ersten und zweiten Generation Umbauten
und Modernisierungen an“, stellt Schestauber fest.
Preise am polnischen Wohnungsmarkt nach Boom im Gefolge des EU-Beitritts rückläufig
Der Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004 löste einen wahren Boom bei den
Wohnungspreisen aus. Die internationale Finanzkrise der Jahre 2008/09 hat auch hier ihre Spuren
hinterlassen und den Preisauftrieb gestoppt. Im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 fielen die Preise
um rund 13 Prozent, zusätzlich kam es zu versteckten Preiskorrekturen in Form von Rabatten oder
inkludierten Extra-Ausstattungen. Eine Umfrage unter potenziellen Wohnungskäufern hat ergeben,
dass die meisten Interessenten bei ihren Erwartungen mehr oder weniger gravierende Abstriche
machen mussten. „Entweder werden kleinere Wohnungen als ursprünglich geplant gekauft oder Wohnungskäufer weichen auf weniger renommierte Wohngegenden aus und schränken sich bei
der Ausstattung ein“, so Schestauber abschließend.
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