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Österreichische Bankenentwicklung im Spiegel der Finanzmarktkrise
Pressekonferenz der OeNB über Entwicklungen im Bereich der
Zinssätze, Kredite und Einlagen im Jahr 2008
In einer Pressekonferenz präsentierte Andreas Ittner,
Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, heute
Daten zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit der österreichischen
Banken im Umfeld schwieriger internationaler Finanzmarktverhältnisse.
Österreichs Kunden profitierten stärker als im Euroraum von den
sinkenden Zinsen
"Die Zins- und Liquiditätspolitik der EZB hat sich in den vergangenen
Monaten maßgeblich auf das Zinssatzniveau in Österreich ausgewirkt",
erläuterte Direktor Ittner vor Journalisten. "Nach dem Anstieg der
Zinssätze am Interbankenmarkt bzw. der Kundenzinssätze im Verlauf des
Jahres 2008 sind diese ab Oktober 2008 deutlich gesunken." Vor allem
die nichtfinanziellen Unternehmen profitierten massiv von den
Zinssenkungen. Deren Zinssätze für Kredite gingen bis Jänner 2009 im
Durchschnitt um 226 Basispunkte auf 3,39% zurück. In diesem
Zusammenhang wies Direktor Ittner auch darauf hin, dass die sinkenden
Leitzinssätze aufgrund des höheren Anteils variabel verzinster
Kredite in Österreich rascher als im Euroraum an die Kunden mit
Alt-Krediten weitergegeben wurden. Damit sei ein willkommener
Konjunktur stabilisierender Einkommenseffekt für österreichische
Haushalte und Unternehmen verbunden, so Direktor Ittner.
Der Zinssatz für Unternehmenskredite unter 1 Mio EUR - also für
kleinere und mittlere Unternehmen - bewegte sich in Österreich im
Jahr 2008 nach wie vor nahe am Euroraum-Minimum. Der Zinsvorteil
Österreichs in diesem Segment lag im Durchschnitt bei über einem
halben Prozentpunkt. Im Jänner 2009 stieg der Zinsvorteil gegenüber
dem Euroraum-Durchschnitt sogar auf 78 Basispunkte. Bei
Konsumkrediten für Haushalte lag der Zinsvorteil der österreichischen
Kunden zuletzt sogar bei 188 Basispunkten. Die Neugeschäftsspanne -
die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinssätzen - lag in
Österreich mit 99 Basispunkten im Jänner 2009 ebenfalls nahe am
Minimum des Euroraums.
Steigender Beitrag der Zinserträge für das Betriebsergebnis
Der Nettozinsertrag bildete auch 2008 wieder einen verlässlichen und
stabilen Ertragsbestandteil, ergänzte Direktor Ittner. Verglichen mit
dem Jahr 2007 stieg er um 0,85 Mrd EUR bzw. 11,5% auf einen Betrag
von 8,25 Mrd EUR. Seit 1996 konnte weder relativ noch absolut
betrachtet ein solch großes Wachstum festgestellt werden.
Hohe Wertberichtigungen reduzieren erwarteten Jahresüberschuss
Auf der anderen Seite erwarten die Kreditinstitute, dass sich der
unkonsolidierte Jahres-überschuss insbesondere aufgrund des erhöhten
Wertberichtigungsbedarfs von 4,8 Mrd EUR (2007) auf 2,2 Mrd EUR im
Jahr 2008 mehr als halbieren wird. Der Wertberichtigungs-bedarf stieg
von 1,6 Mrd EUR im Jahr 2007 auf 6,7 Mrd EUR. Dieser konnte
allerdings, so Direktor Ittner, aus eigener Kraft bilanziell
dargestellt werden.
Kapitalisierung steigt wieder, trotz starker Reduktion des
Konzernergebnisses
Weiters präsentierte Direktor Ittner die eben eingelangten
Jahresergebnisse des österreichischen Bankensektors auf Konzernbasis.
Trotzdem stehen österreichische Banken summa summarum im
internationalen Vergleich besser da als viele ihre Mitbewerber, die
hohe Verluste ausweisen mussten, betonte Direktor Ittner. Zu erkennen
sei dies auch an der konsolidierten Kernkapitalquote. Diese stieg im
4. Quartal 2008 auf 7,81%. Keine der systemrelevanten Banken wies
eine Eigenkapitalquote von unter 6% auf.
Kreditwachstum an Unternehmen stieg 2008 wieder
Das wechselkursbereinigte Kreditwachstum an Unternehmen war 2008 mit
10,6 Mrd EUR um mehr als eineinhalb Mrd EUR höher als 2007.
Während die privaten Haushalte ihr Kreditvolumen im Jahr 2006 noch um
5,2 Mrd EUR bzw. 2007 um 3,8 Mrd EUR ausweiteten, waren es im Jahr
2008 nur 2,2 Mrd EUR. Dabei ging der Zuwachs für Euro-Kredite von 4,5
Mrd EUR (2007) auf 0,5 Mrd EUR zurück. Die Fremdwährungskredite
stiegen insgesamt im gesamten Jahr 2008 an, sind aber seit Oktober
2008 rückläufig.
Einlagenboom ermöglicht stabile Refinanzierung der Banken
Die Refinanzierung der österreichischen Banken wurde vor allem auch
durch den Einlagenboom im Jahr 2008 sicher gestellt. Die
Gesamteinlagen bei allen in Österreich meldepflichtigen
Kreditinstituten nahmen gegenüber dem Jahresende 2007 deutlich um
6,8% (+17,5 Mrd EUR) auf 275,7 Mrd EUR zu. Private Haushalte setzen
in Krisenzeiten auf die sicheren Veranlagungen, wodurch sich das
Spareinlagenwachstum im Jahr 2008 auf 6,3 % beschleunigte. Damit
haben die österreichischen Banken weiterhin eine stabile
Refinanzierungsbasis.
Durch diese dynamische Einlagenentwicklung der letzten zwei Jahre
konnten die österreichischen Banken ihre unkonsolidierte
Loan-Deposit-Ratio verbessern. Sie lag im langjährigen Durchschnitt
(1995 bis Mitte 2007 zu Beginn der Finanzmarktturbulenzen) bei über
120% und erreichte Ende Dezember 2008 111,9%. Die Loan-Deposit-Ratio
der vollkonsolidierten Auslandstochterbanken ist nicht wesentlich
höher als die unkonsolidierte. In den Ländern Zentral-, Ost- und
Südosteuropa (CESEE) liegt die Loan-Deposit-Ratio der
österreichischen Auslandstochterbanken bei rund 115%. Diese
refinanzieren demnach die Kredite dieser Region zu über 80% durch
Einlagen vor Ort.
Auslandsaktiva in "Osteuropa" im 4. Quartal leicht rückläufig
Im letzten Quartal 2008 waren die Auslandsforderungen gegenüber
Zentral-, Ost- und Südosteuropa leicht rückläufig. In dieser Region
halten österreichische Banken 200 Mrd EUR an Forderungen. Rund zwei
Drittel dieser Forderungen bestehen gegenüber den ost-europäischen
EU-Mitgliedstaaten. Überdies sind die Aktiva Österreichs in dieser
Region stärker regional diversifiziert als die anderer ausländischer
Investoren, resümierte Direktor Ittner.
Mehr Bankangestellte trotz Rückgang der Bankstellen
Der Bankensektor beschäftigte Ende 2008 in Österreich knapp 80.000
Personen. Das Wachstum der Beschäftigten lag damit in den letzten
fünf Jahren bei rund 5.000 oder knapp 7%. Damit ist das Bankwesen in
Österreich, so Direktor Ittner, auch ein wichtiger und stabiler
Arbeitgeber. Zusätzlich sind inzwischen schon 140.000 Personen bei
den (vollkonsolidierungspflichtigen) Auslandstochterbanken
österreichischer Institute beschäftigt.
Im Jahr 2008 setzte sich die Reduktion bei den Bankstellen mit einem
Rückgang um 35 fort. Die Bankstellendichte ist in Österreich aber
weiterhin größer als in den Nachbarländern. So liegt die
durchschnittliche Anzahl an Einwohnern pro Bankstelle in Österreich
per Ende 2008 mit rund 1.630 allerdings immer noch unter den Werten
von Deutschland (1.950) bzw. der Schweiz (2.160).
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