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Bank Austria Konjunkturindikator: Österreich in der Rezession
• Bank Austria Konjunkturindikator im Februar erneut klar im Minus, wenn auch leicht
verbessert gegenüber Jänner
• Wirtschaft schrumpft im ersten Quartal 2009 deutlich stärker als zum Jahresende 2008
• Steuerentlastung und Konjunkturpaket stützen Wirtschaft 2009 um bis zu 1,2 Prozent
• Dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit dämpft Konsumaussichten
• BIP sinkt 2009 um 2,2 Prozent – Auch 2010 kein Wachstum in Österreich
„Der Bank Austria Konjunkturindikator hat sich im Februar erstmals seit einem Jahr verbessert. Der
marginale Anstieg um 0,1 Punkte auf den weiterhin sehr tiefen Wert von minus 1,7 ist jedoch kein
Signal einer wirtschaftlichen Trendwende“, kommentiert Stefan Bruckbauer, der stellvertretende
Chefökonom der Bank Austria den aktuellen Wert. Zwar haben die heimischen Konsumenten das
historische Stimmungstief des Vormonats überwunden und sind angesichts der jüngst niedrigen Inflationswerte und der bevorstehenden Lohn- und Einkommenssteuerentlastung etwas
zuversichtlicher geworden. Allerdings hat sich die wirtschaftliche Lage in der österreichischen
Industrie weiter verschärft. Die Auftragspolster und die Produktionserwartungen sinken rapide, weil
vor allem die Nachfrage aus dem Ausland dramatisch nachlässt. Eine Besserung ist kurzfristig
nicht in Sicht, denn die Geschäftserwartungen der europäischen Industrie, aus der fast ¾ der
Exportnachfrage in Österreich kommt, haben im Februar einen Rekordtiefstwert erreicht.
Insbesondere im wichtigsten Abnehmerland heimischer Industrieerzeugnisse, Deutschland, ist die
Stimmung in den Keller gefallen. „Der aktuelle Bank Austria Konjunkturindikator zeigt zwar, dass
sich die Geschwindigkeit der Talfahrt in den nächsten Monaten etwas stabilisieren wird, trotzdem
schrumpft die österreichische Wirtschaft in einem bisher nicht gekanntem Tempo“, meint
Bruckbauer.
Wirtschaft schrumpft bis zum Jahresende
Die Ökonomen der Bank Austria erwarten daher für das erste Quartal 2009 auch den stärksten
Rückgang des BIP im laufenden Konjunkturzyklus und gehen davon aus, dass die Wirtschaft um
über 1 Prozent zum Vorquartal sinken wird. Bereits im Schlussviertel 2008 war die
Wirtschaftsleistung aufgrund der schwächelnden Exportnachfrage um 0,2 Prozent unter dem
Vorquartal gelegen. „Die heimische Wirtschaft schrumpft nun bereits das zweite Quartal in Folge.
Damit ist Österreich definitionsgemäß in einer Rezession“, meint Bank Austria Ökonom Walter
Pudschedl.
Angesichts fehlender Signale für eine Aufhellung des globalen Umfelds wird die rezessive Phase
längere Zeit dauern. Die Ökonomen der Bank Austria gehen davon aus, dass die österreichische
Wirtschaft bis zum Jahresende 2009, mit abnehmender Tendenz ab dem Frühsommer, aber
ununterbrochen, schrumpfen wird. „Die kürzlich beschlossene Steuerentlastung und die weiteren
Fiskalmaßnahmen werden nach unseren Berechnungen 2009 einen Wachstumseffekt von fast 1,2
Prozent im Vergleich zu einem Szenario ohne Stützungsaktionen auslösen und damit den
wirtschaftlichen Einbruch zumindest etwas begrenzen“, zitiert Pudschedl aus der aktuellen Studie
der Bank Austria Ökonomen „Was kann das österreichische Konjunkturpaket?“. Zudem wird die
geldpolitische Lockerung durch die EZB im späteren Jahresverlauf beginnen Wirkung zu zeigen.
Privater Konsum verliert an Kraft –Spürbare Wachstumsimpulse fehlen auch 2010
Je länger die Konjunkturflaute anhält, umso schlimmer werden die Konsequenzen für den
österreichischen Arbeitsmarkt sein. Die Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Monaten nicht nur
im exportorientierten Industriesektor, sondern zunehmend auch im Dienstleistungsbereich massiv
ansteigen. Die Ökonomen der Bank Austria erwarten 2009 eine durchschnittliche Zunahme um
55.000 auf fast 270.000 arbeitsuchende Personen. Erstmals seit mehr als zehn Jahren wird die
Beschäftigung in Österreich sinken und damit die Arbeitslosenquote innerhalb eines Jahres um 1,5
Prozentpunkte auf 7,3 Prozent steigen. Die massive Verschärfung der Lage am Arbeitsmarkt wird
zunehmend die Entwicklung des privaten Konsums beeinträchtigen, der bisher den vom Ausland
ausgehenden wirtschaftlichen Einbruch abgefedert hat. Trotz der Steuerentlastung wird der private
Konsum nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria 2009 daher bestenfalls stagnieren,
zumal aus Vorsichtsgründen mit einem anhaltenden Anstieg der Sparquote zu rechnen sein wird.
„Aufgrund der anhaltend negativen internationalen Rahmenbedingungen, die keine Anzeichen
einer Trendwende zeigen, und der, mit zunehmender Dauer der Konjunkturschwäche
ansteigenden, krisenbedingten Konsumzurückhaltung haben wir unsere BIP-Prognose für 2009
weiter auf minus 2,2 Prozent gesenkt“, so Bruckbauer und ergänzt: „Die Chance auf eine echte
Erholung, die diesen Namen auch verdient, verschiebt sich im derzeitigen Umfeld immer weiter
nach hinten. Wir gehen daher nunmehr auch für 2010 von einem leichten Minus des BIP um real
0,2 Prozent aus.“
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