Banken halten trotz Krise an Mittelosteuropa fest

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Banken halten trotz Krise an Mittelosteuropa fest
Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der jüngsten Erhebung zum Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa

Der aktuelle Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa sieht zwar eine deutliche Verschlechterung des Geschäftsklimas, ein massiver Rückzug der Direktinvestoren, insbesondere der Banken, aus der Region steht allerdings nicht auf der Tagesordnung.

Rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region steuern, haben im Jänner 2009 an der mittlerweile achten Erhebung zum Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Geschäftsklima in Mittelosteuropa gegenüber Oktober 2008 besonders stark eingetrübt hat. Davon betroffen sind auch die Banken in der Region, obwohl sie derzeit noch mehrheitlich eine gute bzw. zufriedenstellende Geschäftslage melden. Ihre Geschäftserwartungen haben die Finanzinstitute allerdings deutlich nach unten korrigiert: 50% gehen von einer negativen Geschäftsentwicklung in MOE in den kommenden sechs Monaten aus. Angesichts ihrer Expansionspläne sind die Banken nun zwar merklich zurückhaltender, an ihren langfristigen Ost-Strategien rütteln sie aber vorerst nicht: Standortschließungen im großen Stil sind nicht geplant. 65% der Banken bleiben unverändert in der Region, 18% der Niederlassungen sollen weiter ausgebaut werden. Lediglich aus 17% der MOE-Bankentöchter soll in den kommenden zwölf Monaten Kapital abgezogen werden.

Mittelosteuropa in der Wirtschaftskrise

Bereits im Oktober 2008 signalisierten die Direktinvestoren den kommenden konjunkturellen Abschwung in der Region. Nun zeigen die aktuellen Ergebnisse einen Erdrutsch: 64% der Direktinvestoren erwarten für die kommenden zwölf Monate eine weitere Verschärfung der Wirtschaftskrise in Mittelosteuropa. Die Ukraine und Ungarn sind wirtschaftlich am stärksten betroffen, gefolgt von Russland.

Das Geschäftsklima verdüstert sich

Die Direktinvestoren beurteilen die aktuelle Geschäftslage der MOE-Betriebe im Jänner 2009 nun deutlich schlechter als noch im Oktober 2008: Meldeten im Herbst 2008 noch 58% gut gehende Geschäfte, so sind es zu Jahresbeginn 2009 nur noch 36%. Vor allem aber die zukünftige Performance wird alles andere als rosig gesehen: 44% erwarten für die kommenden sechs Monate eine Verschlechterung der Geschäftsentwicklung (im Vergleich zu 16% im Oktober). Versicherungen, Immobilien- und Transportunternehmen blicken dabei besonders pessimistisch in die Zukunft. Im Ländervergleich sind die Direktinvestoren in Slowenien noch am relativ zuversichtlichsten hinsichtlich ihrer Geschäftserwartungen, gefolgt von der Slowakei. Offensichtlich wirkt aus der Sicht der Direktinvestoren die Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion (EWU) - insbesondere in Zeiten des drastischen Wertverfalls vieler Ostwährungen - besonders stabilitäts- und vertrauensfördernd.

Die Ukraine: vom "Everybody´s Darling" zum Sorgenkind

Für die Ukraine zeichnet sich ein gravierender Stimmungswandel ab. Äußerten sich die Direktinvestoren bislang sowohl zur Konjunktur als auch zur Geschäftsperformance ihrer Betriebe vor Ort äußerst positiv, so überwiegen nun die pessimistischen Stimmen: 81% der Direktinvestoren erwarten eine weitere Verschlechterung der ohnehin sehr angespannten Wirtschaftssituation. Darüberhinaus wird in keinem anderen MOEL die aktuelle Geschäftslage so schlecht beurteilt wie in der Ukraine. Auch der Blick in die Zukunft lässt für die Betriebe vor Ort nichts Gutes erwarten: 60% der Direktinvestoren gehen für die kommenden sechs Monate von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftsentwicklung aus. Die Ukraine als Investitionsstandort hat erheblichen Schaden genommen. Ein Viertel der Direktinvestoren wird in den kommenden zwölf Monaten lokale Standorte verkleinern oder sogar schließen. Auch die Attraktivität als Top-Zielland für Neuinvestitionen ist vorerst verloren: Waren im Oktober 2008 noch 16 - und damit im MOEL-Vergleich am meisten - neue Standorterrichtungen in der Ukraine geplant, so stehen derzeit nur mehr zwei Projekte auf der Agenda.

Viele Investitionsprojekte liegen vorerst auf Eis

Angesichts der Wirtschaftskrise und des stark abgekühlten Geschäftsklimas in Mittelosteuropa sind die Unternehmen auch bei ihren Investitionsstrategien weitaus vorsichtiger geworden. Die Zahl der Neuinvestitionsprojekte in der Region ist von 110 (Oktober 2008) auf 73 (Jänner 2009) gesunken. Auch der Ausbau bestehender Standorte wird vielfach zurückgestellt, konkret verhalten sich 70% der Direktinvestoren vorerst abwartend. Dennoch stehen in allen Sektoren Erweiterungsinvestitionen auf der Tagesordnung, wenn auch in reduziertem und von Branche zu Branche unterschiedlichem Ausmaß. Am offensivsten zeigt sich die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft. Hingegen gehören der Immobiliensektor und die Sachgütererzeugung zu jenen Branchen, die ihre Expansionsstrategien der letzten Jahre einer Revision unterziehen: So wollen 43% der Immobilienunternehmen und 30% der Industriebetriebe in den kommenden zwölf Monaten Direktinvestitionskapital aus der Region wieder abziehen.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.




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