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Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Februar: Talfahrt der Industrie verliert
etwas an Tempo
• Bank Austria EinkaufsManagerIndex steigt erstmals seit sechs Monaten, aber
weiterhin klarer Schrumpfungsprozess
• Schlechte Auftragslage prolongiert Rückgang der Produktion
• Erholung in der Industrie frühestens Ende 2009
Das Tempo der Talfahrt der österreichischen Industrie beginnt sich zu stabilisieren. Erstmals seit
einem halben Jahr zeigt der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) sogar
wieder leicht nach oben. Der Indikator erreichte jedoch nach dem Rekordtiefstwert des Vormonats
von 33,1 im Februar nur den zweitniedrigsten Wert seit dem Beginn der Datenerfassung vor mehr
als zehn Jahren. „Der Anstieg des aktuellen Bank Austria EinkaufsManagerIndex auf 34,6 Punkte
zeigt ausschließlich, dass sich die Geschwindigkeit des Einbruchs in der österreichischen Industrie
eingebremst hat. Die Talfahrt des produzierenden Sektors geht aber rasant weiter“, stellt der
stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer fest. Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex liegt somit im Februar bereits das elfte Monat in Folge im Wertebereich
unter der Neutralitätsmarke von 50 Punkten, der auf Schrumpfungstendenzen hinweist.
„Trotz eines kleinen Silberstreifens am Horizont ist vorerst keine Entspannung der schwierigen
Lage der Industrie in Sicht“, betont Bruckbauer weiter und ergänzt: „Die befragten Unternehmen
haben die Produktionsleistung im Februar deutlich eingeschränkt, wenn auch nicht mehr ganz so
stark, wie um den Jahreswechsel herum.“ Hinter der andauernden Verringerung der Produktion
steht die ungebrochen schwache Nachfrage. Seit April 2008 registrieren die heimischen Betriebe
ein rückläufiges Neugeschäft. Vor allem in den Auftragsbüchern der österreichischen Exporteure
hinterlässt der globale Konjunktureinbruch ein dickes Minus. Nur 14 Prozent der befragten
Unternehmen konnten Zuwächse verzeichnen, hingegen gingen bei 48 Prozent die
Auslandsbestellungen zurück.
Kleinere Lager, dennoch raschere Lieferung
Die heimische Industrie reagiert auf die schwierigen Marktbedingungen und beginnt sich auf eine
länger andauernde Schwächephase einzurichten. Die Unternehmen haben im Februar die
Bestände an Vormaterialien trotz eines weiteren starken Rückgangs der Einkaufspreise -
insbesondere bei Rohöl, Stahl und Energie - mit einer neuen Rekordrate abgebaut. Auch die
Verkleinerung der Fertigwarenlager hat sich im Februar fortgesetzt. „Die Lager werden derzeit
bedingt durch die schwachen Umsätze verringert. Aber auch in Hinblick auf Kosteneinsparungen
und eine Steigerung der Liquidität werden sie so klein wie möglich gehalten“, meint Bank Austria
Ökonom Walter Pudschedl. Trotzdem ist aufgrund der derzeit äußerst schwachen Auftragslage eine Verringerung der Lieferzeiten in der heimischen Industrie zu beobachten. Im Februar nahm
die Zeitspanne zwischen Bestellung und Auslieferung sogar so stark wie noch nie zuvor in der
bisherigen Umfragegeschichte ab.
Industrie baut noch mehr Beschäftigte ab
Die heimische Industrie passt die Personalkapazitäten den niedrigen Produktionsanforderungen
weiter an. Bereits seit zehn Monaten wird die Personaldecke nun ununterbrochen ausgedünnt. Der
aktuelle Beschäftigungsindex sank auf einen Wert von nur noch 31,4. Damit erfolgte der
Beschäftigungsabbau in neuem Rekordtempo. In über 40 Prozent der befragten Unternehmen
wurden im Februar Stellen gestrichen, während nur 3 Prozent Neueinstellungen vornahmen. Die
Beschäftigung im gesamten Sektor liegt mittlerweile um rund 2 Prozent unter dem
Vorjahresniveau. Die Anzahl an Arbeitslosen aus der Sachgütererzeugung ist im Jahresabstand
bereits um 8.000 bzw. fast 30 Prozent gestiegen. Basierend auf den aktuellen Umfrageergebnissen
ist in den kommenden Monaten, insbesondere ab Frühsommer, wenn in vielen Unternehmen
Kurzarbeitsregelungen auslaufen werden und sich die Auftragslage nicht verbessert hat, mit einer
weiteren drastischen Verschlechterung der Beschäftigungslage in der Industrie zu rechnen. Die
negative Entwicklung wird immer stärker auf den Gesamtarbeitsmarkt durchschlagen. „Auch die
Anzahl der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft wird 2009 sinken. Die Arbeitslosigkeit steigt
deutlich von 5,8 Prozent im abgelaufenen Jahr auf 7,0 Prozent heuer“, meint Pudschedl.
Insgesamt werden über 40.000 Personen ihre Arbeit verlieren.
Keine Anzeichen für Erholung der Industrie
Nach dem rasanten Einbruch ab Herbst 2008 tendiert der EinkaufsManagerIndex der Bank Austria
aktuell leicht aufwärts. Damit hat sich die Geschwindigkeit des Sturzflugs der österreichischen
Industrie allerdings nur etwas verlangsamt. Weiterhin sehen sich die heimischen Manager jedoch
einer gegenüber dem Vormonat deutlich verschlechterten Geschäftslage gegenüber. Angesichts
der ungebrochen düsteren internationalen Rahmenbedingungen und der mageren (Export-)
Auftragslage fehlen bisher jegliche Anzeichen für eine Stabilisierung oder gar Erholung der
Industriekonjunktur in Österreich. Allerdings erwarten die Ökonomen der Bank Austria, dass die fortgesetzte geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank und die Umsetzung der
staatlichen Konjunkturpakete sowohl auf internationaler als auch österreichischer Ebene zumindest
gegen Jahresende 2009 erste positive Spuren hinterlassen. „Nach dem moderaten Anstieg um fast
2 Prozent im Jahr 2008 wird die Produktion der österreichische Industrie 2009 um durchschnittlich
über 6 Prozent einbrechen“, prognostiziert Bruckbauer. Im schwierigen globalen Umfeld sind die
Risiken zudem eindeutig nach unten gerichtet. Die Industrie wird jedenfalls der mit Abstand größte
Verlierer der aktuellen Wirtschaftsflaute sein. Die exportabhängigen Branchen werden am
stärksten betroffen.
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