Finanzkrise vernichtet 5,5 Billionen US-Dollar an Börsenwert im Bankensektor

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Boston Consulting Group: Finanzkrise vernichtet 5,5 Billionen US-Dollar an Börsenwert im Bankensektor

BCG-Studie: Neue Realität im Finanzsektor wird durch Rückkehr zu traditionellem Bankgeschäft, stärkere Spezialisierung und regionale Fokussierung der Banken bestimmt - Kundenbeziehungen rücken ins Zentrum der Geschäftsstrategie

Im vergangenen Jahr haben Banken infolge der Finanzkrise zunehmend an Boden verloren: Allein im vierten Quartal 2008 fiel die Marktkapitalisierung des weltweiten Bankensektors um 30 Prozent auf rund 4 Billionen US-Dollar. Auch zu Jahresbeginn zeichnet sich noch kein Ende der Krise ab - in den ersten drei Jännerwochen sank der Marktwert börsennotierter Banken um weitere 700 Milliarden US-Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt die Boston Consulting Group (BCG) in ihrer Studie Living with New Realities. Darin analysiert BCG die Wertschaffung im Bankensektor anhand einer Stichprobe von Banken, die zusammen mehr als 77 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen.

Seit die ersten Anzeichen einer globalen Vertrauens- und Liquiditätskrise im dritten Quartal 2007 sichtbar wurden, ist der Marktwert des Bankensektors stetig - und mit zunehmender Stärke - eingebrochen. "Infolge der Krise haben Banken rund 5,5 Billionen US-Dollar ihres Börsenwertes verloren - das entspricht zehn Prozent des weltweiten BIP", erklärt Lars-Uwe Luther, BCG-Partner und Mitautor der Studie. "Im vergangenen Jahr büßten sie rund die Hälfte ihres Marktwertes ein, sodass der Börsenwert nun wieder das Niveau von 2003 erreicht hat."

Finanzkrise ordnet Rangliste der größten Banken neu

Alle führenden Finanzinstitute haben seit Ausbruch der Krise deutlich an Börsenwert verloren. Die Marktkapitalisierung der weltweit 30 größten Banken fiel im vergangenen Jahr um rund 47 Prozent auf 1,7 Billionen US-Dollar. Dennoch haben einige Banken die Turbulenzen besser überstanden als andere: Während Wells Fargo nur drei Prozent des Börsenwertes einbüßte - und damit Platz sechs in der weltweiten Bankenrangliste erreichte -, verzeichnete die Citigroup einen Wertverlust von 75 Prozent. Nach der BCG-Studie hat es global agierende Großbanken besonders hart getroffen: Erzielten 2007 noch elf Banken einen Börsenwert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar, so waren es Ende 2008 nur noch vier: ICBC, China Construction Bank, JPMorgan Chase und HSBC. Unter den Top Ten verbesserte sich JPMorgan Chase um vier Plätze, während Wells Fargo und BBVA jeweils fünf Plätze aufholten. Die australische Bank Westpac Banking verbesserte ihre Position um 28 Plätze - und schafft es damit als einer von sechs Neuzugängen auf die Rangliste der 30 größten Banken. Unter den Börsenschwergewichten befindet sich kein deutsches Finanzinstitut.

Im Jahr 2008 sank die durchschnittliche Aktienrendite (Total Shareholder Return [TSR]) im weltweiten Bankensektor auf -53,6 Prozent - und lag damit rund 80 Prozentpunkte unter dem Wert, der vor dem Einsetzen der Krise im Jahr 2006 erreicht wurde. Dabei spiegelt sich das globale Ausmaß der Finanzkrise in den durchschnittlichen Aktienrenditen wider, die 2008 in allen Regionen stark negativ ausfielen. In Westeuropa sank der TSR von Banken um rund 58 Prozent auf -60,5 Prozent, während er in BRIC-Ländern - die 2007 noch weitgehend von den Turbulenzen an den Finanzmärkten verschont worden waren - sogar um mehr als 100 Prozentpunkte auf -54,4 Prozent fiel.

In den zehn größten Märkten ging die durchschnittliche Aktienrendite um bis zu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Dabei verzeichnete der deutsche Bankensektor mit -61,9 Prozent den niedrigsten Wert, nachdem er 2007 noch an der Spitze des Länderrankings gelegen hatte. Kanada erzielte mit -31,9 Prozent den höchsten Wert, während der US-amerikanische Bankenmarkt mit einer durchschnittlichen Aktienrendite von -43,8 Prozent im Mittelfeld der untersuchten Länder lag. 2008 wurde auch die Realwirtschaft von der Krise erfasst: So fiel die durchschnittliche Aktienrendite aller Branchen (einschließlich des Finanzsektors) auf -43,3 Prozent und blieb damit weit unter dem Vorjahreswert von 15,2 Prozent zurück.

Neuer Status quo im Bankenmarkt

Die massiven Wertverluste sowie ein Umbruch der Bankenbranche erfordern ein Umdenken der Banken. "Die Krise wird den Bankenmarkt nachhaltig verändern. Dennoch werden Banken, die ihr Geschäft an die 'neue Normalität' anpassen, zukünftig erfolgreich sein", erklärt Lars-Uwe Luther. In der neuen Bankenrealität werden Universalbanken - so prognostiziert die BCG-Studie - wieder eine Vorrangstellung einnehmen - dank starker Kundenbeziehungen und einer auf Einlagengeschäft basierten Finanzierung. Großbanken werden auch zukünftig erfolgreich sein, indem sie sich auf ertragreiche Geschäftsbereiche und ausgewählte Länder spezialisieren. An die Stelle der globalen Finanzsupermärkte, die "alles überall" anbieten, treten Banken mit einem schlankeren, standardisierten Geschäftsmodell, die sich auf wenige Produkte und ausgesuchte Märkte fokussieren. Traditionelle Produkte und Geschäftsmodelle werden in einem stark regulierten und weniger risikobezogenen Umfeld wieder an Bedeutung gewinnen. Dabei werden auch die Kundenbeziehungen verstärkt in den Fokus der Geschäftsstrategie rücken. Anstelle innovativer und risikoreicher Produkte wird das Einlagengeschäft wieder höchste Priorität für Banken besitzen.




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