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OeNB - Finanzmarktturbulenzen hinterlassen auch Spuren im Geldvermögen der Haushalte
Aktuelle Ergebnisse über das Finanzverhalten der privaten
Haushalte aus der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung
für das Jahr 2007
Private Haushalte erhöhten im abgelaufenen Jahr ihre
Finanzanlagen um 20% auf 18,6 Mrd EUR und richteten ihr Portfolio im
Zuge der Finanzmarktturbulenzen und der Zinsentwicklungen neu aus:
Mehr als 60% der Neuveranlagungen flossen in Bankeinlagen, während
deutlich weniger Wertpapiere als noch 2006 gekauft wurden. Das
Geldvermögen stieg um 5% auf 388 Mrd EUR. Allerdings wurde der
Zuwachs durch Rückgänge der Vermögenspreise um 1,7 Mrd EUR
geschmälert.
Die Kreditfinanzierungen der privaten Haushalte gingen 2007 gegenüber
2006 um rund 10% auf 5,3 Mrd EUR zurück. Treibende Kraft bei der
Neuverschuldung war - trotz stark gestiegener Finanzierungskosten -
die Wohnraumbeschaffung und -renovierung. Private Schuldner hatten
zum Ultimo des abgelaufenen Jahres ausstehende Verbindlichkeiten in
Höhe von 142 Mrd EUR, ein Zuwachs von rund 5% gegenüber 2006.
Höhere Ersparnisse ließen die Geldvermögensbildung der privaten
Haushalte 2007 gegenüber 2006 um rund 20% ansteigen; sie erreichte
einen Wert von 18,6 Mrd EUR. In Analogie zur letzten Finanzkrise 2001
/ 2002 erhöhten die Privatanleger ihre Finanzanlagen und veränderten
zum Teil die Portfolioausrichtung.
Der Löwenanteil entfiel auf die Dotierung von Einlagenkonten bei
Banken, die im abgelaufenen Jahr 11,6 Mrd EUR (62%) ausmachte und
damit einen ähnlich hohen Beitrag wie im Jahr 2002 zu den
Finanzinvestitionen leistete. Private Haushalte legten 2007 im
Vorjahresvergleich mehr als doppelt so viel auf ihre Konten; die
Einlagenposition wuchs somit von Ultimo 2006 auf Ultimo 2007 um 7%.
Innerhalb der Einlagenkategorien dominierten die Zuwächse bei Termin-
und Spareinlagen, wobei Direktbanken und Bausparkassen kaum von dem
Einlagenboom profitieren konnten. Nach Laufzeiten gegliedert wählten
Haushalte vor allem Produkte mit einer Bindungsfrist bis zu einem
Jahr. In Folge der zweimaligen Zinsanhebung der Leitzinsen durch die
EZB im Jahr 2007 erhöhten die Banken in diesem Laufzeitsegment ihre
Zinsen im Neugeschäft am stärksten. Die Zinssätze kletterten zwischen
Dezember 2006 und Dezember 2007 um einen Prozentpunkt auf 4,28%. In
diesem Segment erfolgte die Erhöhung im gleichen Ausmaß wie im
Durchschnitt des gesamten Euroraums.
Die aktuelle Vertrauenskrise auf den Finanzmärkten beeinflusste
die Entwicklung der Preisbildung für Aktien und Anleihen negativ. Zum
Jahresende 2007 fiel der ATX de facto auf seinen Ausgangswert Ende
2006 zurück und rutschte im Jänner 2008 nochmals deutlich ab. Sowohl
der EuroSTOXX 50 als auch der Dow Jones 30 stiegen im Jahr 2007 um
rund 6 Prozent, bevor sie zu Jahresanfang 2008 dramatisch an Wert
verloren. Die Kursverluste konnten im ersten Quartal 2008 nicht mehr
ausgeglichen werden.
In den Portefeuilles privater Anleger führte diese Entwicklung zu
Kursverlusten ab dem zweiten Quartal 2007. Über das ganze Jahr
kumulierten sich die Kursrückgänge auf 1,7 Mrd EUR (nach Kursgewinnen
im Jahr 2006 in Höhe von 6,3 Mrd EUR), wodurch sich der Marktwert der
Wertpapierportefeuilles der privaten Anleger um 2% verringerte.
Deutliche Verluste waren vor allem bei börsennotierten Aktien
festzustellen, wobei insbesondere der hohe Anteil von Finanztiteln
und Immobilienaktien in den Portefeuilles für Verluste bei privaten
Anlegern sorgte.
Die Investitionen in handelbare Wertpapiere gingen in Folge der
Marktentwicklungen zurück und erreichten im Jahr 2007 einen Wert von
2,5 Mrd EUR und damit nur mehr 13% der gesamten Geldvermögensbildung.
Im Jahr 2006 machten die Wertpapierkäufe noch 22% der
Finanzinvestitionen aus. Private Investoren erwarben dabei vor allem
Bankanleihen, während sowohl Aktien als auch Investmentzertifikate
per Saldo verkauft wurden.
Geringer als im Jahr 2006 stiegen die Ansprüche gegenüber
Lebensversicherungen und betrieblichen Pensionskassen. Sie erhöhten
sich nur um 3,4 Mrd EUR und machten 2007 damit nur
unterdurchschnittliche 18% der Geldvermögensbildung aus. Hintergrund
dieser Entwicklung war nicht zuletzt die schwächere Performance sowie
die hohen Auszahlungen von Versicherungsansprüchen im Jahr 2007
resultierend aus Einmalerlägen aus dem Jahr 1997.
Die Kreditfinanzierungen der privaten Haushalte gingen 2007
gegenüber 2006 etwas zurück. Die Neuverschuldung betrug im
abgelaufenen Jahr 5,3 Mrd EUR (nach 5,9 Mrd EUR im Jahr 2006). Auf
die Anhebung der Kreditzinsen im Neugeschäft der Banken dürften
Haushalte in ihrer Kreditnachfrage unterschiedlich reagiert haben.
Die Nettoschuldenaufnahme bei Wohnbaukrediten stieg von 2006 auf 2007
um 700 Mio EUR auf 5,0 Mrd EUR an, während Konsumkredite im Jahr
2007 netto sogar getilgt wurden (2006: Nettoschuldenaufnahme von
knapp 600 Mio EUR). Private Haushalte hatten zum Jahresende 2007
Schulden in Höhe von 142 Mrd EUR; dies bedeutet eine Zunahme
gegenüber 2006 um rund 5%.
Technische Anmerkung: Die Begriffe "private Haushalte", "Anleger",
"Privatinvestoren" und "Kreditnehmer" stehen für den
volkswirtschaftlichen Sektor "private Haushalte". Dieser umfasst in
Österreich Selbstständig Erwerbstätige (auch mit Angestellten) und
private Haushalte (im wesentlichen Konsumentenhaushalte).
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