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Expansive Geschäftsentwicklung der österreichischen Banken trotz schwieriger internationaler Finanzmarktverhältnisse
In einer Pressekonferenz präsentierte Mag. Dr. Peter
Zöllner, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen
Nationalbank, heute Daten zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit der
österreichischen Banken im Umfeld schwieriger internationaler
Finanzmarktverhältnisse.
Anstieg bei den Kundenzinssätzen im Einlagen- und Kreditbereich
Direktor Zöllner führte aus, dass in Folge der Finanzmarktturbulenzen
der Anstieg der Kundenzinssätze im Jahr 2007 deutlich höher ausfiel
als es den beiden Leitzinserhöhungen der EZB entsprechen würde. Dies
vor allem deshalb, da die Geldmarktzinssätze aufgrund der Spannungen
auf den Finanzmärkten stark erhöht wurden.
Als Folge des höheren variablen Anteils der Kreditzinssätze in
Österreich ging der Zinsvorteil in Österreich gegenüber dem Euroraum
in manchen Segmenten verloren. So lagen die Zinssätze für den
Gesamtbestand der Wohnbaukredite - der bedeutendsten Kreditkategorie
für Österreichs private Haushalte - deutlich über dem
Euroraumdurchschnitt. Dabei stieg die Zinsdifferenz im Jahresverlauf
von 0,2 Prozentpunkten im Jänner 2007 auf 0,5 Prozentpunkte im
Dezember 2007.
Die Einlagenzinssätze erhöhten sich sogar noch stärker, da die
höher verzinsten Termineinlagen -. 50% des Einlagenwachstums gingen
im Jahr 2007 auf diese Einlagenkategorie zurück - stark an Bedeutung
gewannen. Dadurch verringerte sich die Neugeschäftzinsspanne
österreichischer Kreditinstitute im Inland weiter. Sie war mit 0,77
Prozentpunkten die niedrigste im Euroraum.
Zinserträge aus dem Inlandsgeschäft verlieren an Bedeutung -
70% des Nettozinsertrags stammen aus dem Ausland
Die Erhöhung des Nettozinsertrages, die im Jahr 2007 deutlich höher
ausfiel als in den vorangegangenen Jahren, wurde laut Direktor
Zöllner hauptsächlich im Ausland erwirtschaftet. Mehr als die Hälfte
des Nettozinsertrages kam 2007 aus dem Ausland. Trotzdem ging der
Anteil des gesamten Nettozinsertrages am Betriebsergebnis um einen
weiteren Prozentpunkt auf rund 42% zurück; vor fünf Jahren war dieser
Anteil noch bei fast 52% gelegen.
Vor allem Dividendenerträge aus Unternehmensbeteiligungen bewirken
die günstige Entwicklung der Betriebserträge
Während die Provisionserträge ihren kontinuierlichen Anstieg des
Anteils am Betriebsergebnis von rund einem Prozentpunkt pro Jahr von
22% im Jahr 2002 auf 27% fortsetzten, stieg der Anteil der Erträge
aus Wertpapieren und Beteiligungen um fast 3 Prozentpunkte auf über
20%. "Maßgeblich für diese Entwicklung waren deutlich höhere
Dividendenausschüttungen aus den Unternehmensbeteiligungen", so
Direktor Zöllner. Aufgrund der guten Ertragslage der Unternehmen
angesichts der günstigen Konjunktur in Österreich konnten die Banken
erfolgreich Rückgänge beim Finanzgeschäft abfedern.
"Durch diese günstige Ertragsentwicklung und - vor allem - dank kaum
steigender Betriebsaufwendungen verbesserte sich die unkonsolidierte
Cost-Income-Ratio auf einen historischen Bestwert von rund 62%",
zeigte sich Direktor Zöllner zufrieden, merkte jedoch an, dass dies
im internationalen Vergleich kein Spitzenwert ist. Damit lag sie 2007
um 3 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau und um 2 Prozentpunkte
unter dem bisherigen Rekordniveau im Jahr 2005 (64,1%).
Rekordwachstum der Bilanzsumme dank stark steigender
Auslandsaktiva
Die unkonsolidierte Bilanzsumme aller österreichischen Banken
erreichte Ende 2007 knapp 900 Mrd EUR. Treibende Kraft für das
höchste Bilanzsummenwachstum der letzten 10 Jahre von nahezu 13% war
- wie auch bereits in den Vorjahren - das sehr dynamische Wachstum
der Auslandsaktiva von fast 20%. Der Anteil der Auslandsaktiva an der
Bilanzsumme der heimischen Banken stieg 2007 um über 2 Prozentpunkte
auf rund 39%. Im Jahr 2004 war ihr Anteil erst bei knapp 31% gelegen.
Kreditvergaben vornehmlich in Euro, Fremdwährungskredite stark
rückläufig
Einer Verdoppelung der Wachstumsrate der Eurokreditvergabe seit 2005
von 3,1% auf 6,8% im Jahr 2007 stand ein sich stark beschleunigender
Rückgang der Fremdwährungskredite von 2,4% im Jahr 2006 auf 10,3% im
Jahr 2007 gegenüber.
Trotz eines Rückgangs der CHF-Kredite um 5,9 Mrd EUR blieb der
Schweizer Franken mit Abstand die bedeutendste Fremdwährung bei den
Krediten mit einem Anteil von fast 90%. In diesem Zusammenhang wies
Direktor Zöllner auf das Wechselkursrisiko bei Fremdwährungskrediten
hin. Da diese zum überwiegenden Teil endfällig sind, kennt man erst
am Tag der Tilgung den in Euro zurück zu zahlenden Betrag. Allein die
Aufwertung des CHF im Jänner 2008 um 3% bedeutet, dass die
Kreditnehmer bei diesem Wechselkurs eine um rund eine Milliarde EUR
höhere Rückzahlung leisten müssten. "Da rund 75% aller
Fremdwährungskredite von privaten Haushalten endfällig mit
Tilgungsträgern sind, haben diese zusätzlich ein beträchtliches
Veranlagungsrisiko über die Entwicklung des Tilgungsträgers", warnte
Direktor Zöllner.
Einlagengeschäft von Termineinlagen geprägt - entwickelt sich
dynamischer als Investmentfonds
Die Gesamteinlagen bei allen in Österreich meldepflichtigen
Kreditinstituten nahmen gegenüber dem Jahresende 2006 um 11,7%
(+27,06 Mrd EUR) kräftig zu. Diese Entwicklung war von einem rasanten
Wachstum der Termineinlagen geprägt. Sie stiegen um fast 51% oder
13,7 Mrd EUR auf 40,7 Mrd EUR. Die erhöhte Unsicherheit auf den
internationalen Finanzmärkten könnte auch zu dieser Entwicklung
beigetragen haben. Die höheren Kosten der Refinanzierung auf dem
Geldmarkt veranlassten die Banken die Termineinlagenzinssätze zum
Teil kräftig anzuheben. Angesichts der Unsicherheiten auf den
Finanzmärkten schien es daher für viele Marktteilnehmer attraktiv,
einen Teil ihres Kapitals in Form von Termineinlagen zwischen zu
parken.
Das bei Investmentfonds veranlagte Vermögen ging dagegen um 3,7
Mrd EUR zurück. Kursgewinnen von rund 3,2 Mrd EUR stand ein
Nettokapitalabfluss in Höhe von 6,9 Mrd EUR gegenüber.
Anstieg bei Mitarbeitern und Zunahme der Bankstellen
Die ohnehin nicht rasche Strukturbereinigung des Bankstellennetzes
kam 2007 zum Stillstand. Ende 2007 waren in Österreich um 6
Bankstellen mehr vorhanden als 2006. Die Mitarbeiterzahl
österreichischer Banken unter Einbeziehung der Auslandsfilialen stieg
ebenfalls um 1.519 auf 79.180. Direktor Zöllner wies darauf hin, dass
im Vergleich dazu erstmals die Mitarbeiterzahl der von
österreichischen Banken im Ausland betriebenen vollkonsolidierten
Tochterbanken mit 87.390 höher war.
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