"trend": bwin klagt Lotterien und Deutschland
Die Internet-Sportwettenanbieter bwin und bet-at-home begehren
bei EuGH ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland
Norbert Teufelberger, Vorstand des börsenotierten
Internet-Sportwettenanbieters bwin rüstet zum Angriff auf
Deutschland. Er will den Europäischen Gerichtshof (EuGH) dazu
bringen, den am 1. Jänner in Kraft getretenen Deutschen
Glücksspiel-Staatsvertrag wieder auszuhebeln. "Die europäische
Vereinigung der privaten Anbieter hat auf unser Betreiben bei der
EU-Kommission eine Beschwerde dagegen eingelegt und wir rechnen mit
einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland", erklärt der
bwin-Chef in der am Montag erscheinenden Ausgabe des
Wirtschaftsmagazins "trend".
Trotz drohender Strafen von bis zu 500.000 Euro will bwin den
Glücksspiel-Staatsvertrag auch dann ignorieren, wenn der Deutsche
Bundesgerichtshof (BGH) in seiner für Mitte Februar angekündigten
Entscheidung ein generelles Verbot über ausländische
Sportwettenanbieter verhängen würde. "Der Staatsvertrag ist mit
wesentlichen Grundsätzen des Gemeinschaftsrechts nicht vereinbar. Er
verstößt gegen die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit und
gegen EuGH-Urteile, nach denen Monopole nur eingeschränkt zulässig
sind", argumentiert Teufelberger.
Jochen Dickinger, Chef des Welser Internet-Sportwettenanbieters
bet-at-home, will die Staatsvertrags- und BGH-Entscheidungen
ebenfalls ignorieren und beruft sich im Gespräch mit dem "trend" auf
die dem Unternehmen erteilte Lizenz aus Malta: "Wir werden
stattdessen weiterhin grade auch in Deutschland Aktionen setzen, um
vermehrt Neukunden zu gewinnen."
bwin zieht derzeit auch in Österreich vor Gericht. Anlass dafür
ist eine Inseratenkampagne der Österreichischen Lotterien, die ihre
Internetplattform win2day.at als das einzige legale Spielangebot im
Internet bewerben. Teufelberger: "Wir klagen dagegen ein und werden
falls nötig bis zum OGH gehen. Wir lassen uns diese Diffamierungen
nicht mehr gefallen."