wiiw-Studie: Ukraine richtet Wirtschaft stark auf EU aus

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wiiw-Studie: Ukraine richtet Wirtschaft stark auf EU aus


EU-Exportanteil gestiegen - Österreich als Investitionsdrehscheibe - Großes Potenzial bei Energie, Rohstoffen und Drohnen - Europa droht Rückstand



Seit dem russischen Angriff 2022 hat sich die ukrainische Wirtschaft massiv in Richtung der Europäischen Union umorientiert. Laut einer Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) gehen mittlerweile 57 Prozent der Exporte in die EU. Europa droht jedoch, das strategische Potenzial des Landes bei Rohstoffen, Energie und Rüstung ungenutzt zu lassen und gegenüber den USA ins Hintertreffen zu geraten.

Der Anteil der EU an den ukrainischen Ausfuhren stieg laut wiiw von 36 Prozent im Jahr 2021 auf 57 Prozent im Jahr 2024. Die Landwirtschaft erwies sich als stabilster Exportbereich, während die Schwerindustrie durch Kriegszerstörungen schwere Verluste erlitt. Die Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen verharren auf einem niedrigen Niveau von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dabei spielt Österreich eine besondere Rolle: Es zählt laut der ukrainischen Nationalbank neben Zypern, den Niederlanden und der Schweiz zu den vier Hauptdrehscheiben für sogenanntes "Round-Tripping". Hierbei wird lokales ukrainisches Kapital ins Ausland transferiert und fließt formal als ausländische Direktinvestition wieder in die Ukraine zurück.

Empfehlung: Zugang zu kritischen Rohstoffen sichern

Die wiiw-Studie identifiziert drei strategische Schlüsselbereiche, in denen Europa laut Studienautorin Olga Pindyuk deutlich schneller und koordinierter aktiv werden müsse. Erstens verfügt die Ukraine über kritische Rohstoffe wie Lithium, Titan und Seltene Erden, die für die Digitalisierung und die grüne Wende essenziell sind. Während eine EU-Partnerschaft in diesem Bereich bei der Umsetzung hinterherhinkt, haben sich die USA bereits im April 2025 mit einem Abkommen und später mit einem ersten Investitionsfonds in Höhe von 75 Millionen US-Dollar vorrangigen Zugang zu ukrainischen Rohstoffprojekten gesichert.

Zweitens birgt der Sektor für erneuerbare Energien und Wasserstoff großes Potenzial. Die Ukraine hat im Juni 2024 einen Nationalen Energie- und Klimaplan verabschiedet, der den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 27 Prozent erhöhen soll. Um die massiven kriegsbedingten Zerstörungen der Infrastruktur für einen nachhaltigen Wiederaufbau zu nutzen, empfiehlt die Studie der EU, private Investitionen durch stärkere Risikoabsicherungen zu unterstützen.

Rüstungsindustrie von chinesischen Hightech-Komponenten abhängig

Drittens hat die ukrainische Drohnenproduktion rasant expandiert, von 5.000 Stück im Jahr 2022 auf 1,5 Millionen Einheiten im Jahr 2024. Die Rüstungsindustrie ist dabei jedoch hochgradig von chinesischen Importen bei Hightech-Komponenten und Maschinen abhängig, was erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Da die europäische Drohnenindustrie aufgrund mangelnder Einsatzerfahrung und hoher Kosten gegenüber der Ukraine im Rückstand ist, rät das wiiw der EU zu einer raschen Integration ukrainischer Firmen in europäische Lieferketten. Durch gemeinsame Produktionen und Technologietransfers ließe sich die Abhängigkeit von China reduzieren und die europäische Sicherheit stärken.

ivn/pat

ISIN WEB http://www.wiiw.ac.at/

 ISIN  AT0000937503
 WEB   http://www.voestalpine.com




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