Hotellerie/Gastronomie-KV - Streit setzt sich fort
Arbeitgeber bleiben bei Verhandlungen auf Pausenknopf
Der Streit zwischen Arbeitgeber- und
Arbeitnehmervertretern im Vorfeld der Kollektivvertragsverhandlungen
in der Hotellerie und Gastronomie setzt sich fort. Die Gewerkschaft
vida hat am Freitag in einem offenen Brief zu einer Aufnahme der
Verhandlungen aufgerufen und schlägt ein Gütesiegel vor, das
Betriebe mit fairen Arbeitsbedingungen sichtbar machen soll. Die
Arbeitgebervertreter bleiben dagegen bei ihrem Nein zu einem Start
der Verhandlungen.Der Chef der zuständigen Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit,
hatte vor wenigen Tagen die Branche als eine bezeichnet, "die
Rekordgewinne privatisiert, aber ihre Risiken zu 100 Prozent
sozialisiert" und damit für Unmut auf der Arbeitgeberseite gesorgt.
Er verwies im Zuge dessen auf ein "Zwischenparken" von
Arbeitnehmenden beim AMS, einen kürzlich aufgedeckten
Registrierkassenbetrug und einen Schwarzgeldfund bei einem Betrieb
in Salzburg. Die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie
hatten daraufhin eine Entschuldigung für die Aussagen gefordert und
die für den gestrigen Donnerstag geplanten KV-Verhandlungen
ausgesetzt.
In einem offenen Brief an die Wirtschaftskammer konterte
Hebenstein am Freitag, "dass die von uns transparent gemachten
Fakten medienöffentlich waren und bekanntermaßen den Tatsachen
entsprechen." "Wenn Betriebsmittel direkt in kriminelle Energie
investiert werden, um den Sozialstaat zu schädigen, muss man das
Kind beim Namen nennen dürfen", heißt es in dem Brief. Dass die
Verhandlungen wegen seinen Aussagen blockiert würden sei
befremdlich. Um die Betriebe, die redlich handeln und faire
Arbeitsbedingungen bieten, besser hervorzuheben, schlägt Hebenstreit
zudem die Einführung eines Gütesiegels vor.
Arbeitgeber bleiben bei Verhandlungen auf Pausenknopf
Die Arbeitgeberseite bleibt indessen auf dem Pausenknopf und will
die Verhandlungen nicht aufnehmen. "Bis zu einer Zurücknahme seiner
nachweislich fehlerhaften und untergriffigen pauschalen
Verunglimpfungen der Gastronomie und Hotellerie Österreichs" sollen
die Verhandlungen ausgesetzt bleiben, sagte Gastro-Obmann Alois
Rainer.
Auch Hotellerie-Obmann Georg Imlauer sprach in einer Aussendung
von "inakzeptablen und untragbaren Aussagen", die der Branche
schaden würden. "Unter diesen Voraussetzungen sind seriöse
Kollektivvertragsverhandlungen derzeit nicht möglich." Man bleibe
aber verhandlungsbereit - "unter klaren Bedingungen". Auch von dem
vorgeschlagenen Gütesiegel hält Imlauer wenig. "Es braucht
sicherlich keine neue Bürokratie in Form eines weiteren
Gütesiegels."
bel/ivn
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