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Deutsche Wirtschaft verzeichnet im August leicht
beschleunigtes Wachstum
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Flash Deutschland Composite PMI bei 50,9 (Juli: 50,6). 5-Monatshoch.
HCOB Flash Deutschland Services PMI bei 50,1 (Juli: 50,6). 2-Monatstief.
HCOB Flash Deutschland Industrie Index Produktion bei 52,6 (Juli: 50,6). 41-Monatshoch.
HCOB Flash Deutschland Industrie PMI bei 49,9 (Juli: 49,1). 38-Monatshoch.
Die deutsche Wirtschaft ist im August den dritten Monat in Folge und so kräftig gewachsen wie zuletzt im März, die
Steigerungsrate fiel insgesamt jedoch nur moderat aus. Wie die aktuelle PMI-Vorabschätzung weiter zeigt, blieb das
Verarbeitende Gewerbe Zugpferd, hier wurde die Produktion so stark hochgefahren wie seit knapp dreieinhalb Jahren nicht
mehr. Die Beschäftigung sank hingegen wegen des mangelnden Kapazitätsdrucks erneut moderat, und die
Geschäftserwartungen gaben etwas nach. Gleichzeitig beschleunigte sich der Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise
gegenüber Juli leicht.
Mit 50,9 Punkten nach 50,6 im Juli kletterte der HCOB Flash Deutschland Composite PMI im August zwar auf den höchsten
Wert seit März, er kennzeichnete jedoch erneut nur leichtes Wachstum. Zudem blieb er einmal mehr unter dem Langzeit-Durchschnittswert von 52,6 Punkten. Im Verarbeitenden Gewerbe trug der verstärkte Auftragszuwachs zur beschleunigten
Produktionsausweitung bei (Index bei 52,6), im Servicesektor stagnierte die Geschäftstätigkeit hingegen nahezu (Index bei
50,1).
Der Auftragseingang wies - wie bereits seit Juni - ein geringfügiges Plus aus, das jedoch einzig und allein auf den stärksten
Zuwachs im Verarbeitenden Gewerbe seit März 2022 zurückzuführen war – und dies, obwohl die Exporte hier erstmals seit fünf
Monaten wieder leicht zurückgegangen sind. Bei den Serviceanbietern schlug hingegen ein leichter Auftragsrückgang zu
Buche, nachdem die Unternehmen hier im Juli mehr Aufträge eingesammelt hatten als im Monat davor.
Die Beschäftigung sank in der größten Volkswirtschaft des Euroraums den fünfzehnten Monat in Folge, wobei sich der
Jobabbau wegen verstärkter Stellenstreichungen in der Industrie gegenüber Juli leicht beschleunigte. Im Servicesektor setzte
sich der seit Jahresbeginn anhaltende Personalaufbau hingegen fort, hier wurden per Saldo sogar etwas mehr neue
Arbeitsplätze geschaffen als zuletzt.
Die Auftragsbestände wurden erneut auf breiter Front abgebaut und nahmen zügiger ab als in den beiden Vormonaten. Bei
den Dienstleistern beschleunigte sich der Rückgang der unerledigten Aufträge, in der Industrie sanken sie hingegen so
langsam wie seit Beginn des Abbaus Mitte 2022 nicht mehr.
Nach dem Sechs-Monatshoch im Juli gaben die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im August leicht nach. Zwar fiel der
Ausblick erneut etwas optimistischer aus als im langjährigen Mittel, die Zuversicht sank jedoch erstmals seit vier Monaten
wieder auf den tiefsten Wert seit Mai. Ausschlaggebend hierfür waren jedoch einzig und allein die Serviceanbieter, während der
Ausblick im Verarbeitenden Gewerbe positiver ausfiel als zuletzt.
Nachdem die Einkaufs- und Verkaufspreise im Juli mit den niedrigsten Raten seit zehn bzw. neun Monaten gestiegen waren,
zogen diese im August wieder etwas stärker an. Der Anstieg der Einkaufspreise war der kräftigste seit März, er fiel aber im historischen Vergleich relativ moderat aus und war hauptsächlich auf den erhöhten Kostendruck im Servicesektor
zurückzuführen. Der Anstieg der Verkaufspreise erreichte zwar ein Drei-Monatshoch, er blieb jedoch unter seinem langfristigen
Durchschnittswert.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
“Den gesamten Sommer über ist Deutschlands Wirtschaft gewachsen und die Expansionsrate hat sich sogar leicht
beschleunigt. Auch wenn wir hier nur von moderaten Zuwächsen sprechen, sehen wir diese Entwicklung als ein Zeichen von
Resilienz, denn an widrigen Umständen wie den US-Zöllen, der geopolitischen Unsicherheit und relativ hohen Langfristzinsen
mangelt es nicht.
Die Erholung der Wirtschaft geht in erster Linie vom Verarbeitenden Gewerbe aus, wo die Produktion bereits den sechsten
Monat in Folge ausgeweitet wurde und jetzt sogar einen kräftigen Anstieg verzeichnete. Besonders erfreulich ist, dass die
Auftragseingänge den höchsten Zuwachs seit März 2022 erfahren haben. Eine gewisse Skepsis ist bei den Unternehmen
aber dennoch zu spüren, denn die Lagerbestände an Vormaterialien schrumpfen weiterhin deutlich, was auch zur rückläufigen
Einkaufsmenge passt.
In der Industrie haben die Unternehmen ihren Personalbestand beschleunigt reduziert. Man kann dies als schlechtes
Konjunktursignal sehen und für die betroffenen Menschen ist es allemal eine schlechte Nachricht. Der Rückgang der
Beschäftigung ist aber vermutlich das Ergebnis der Bemühungen, die Produktivität wieder zu erhöhen und wettbewerbsfähiger
zu werden. Bei den Herstellern lässt sich feststellen, dass dies zumindest kurzfristig gelingt, denn hier ist der Output deutlich
gestiegen.
Im Verarbeitenden Gewerbe sind die Einkaufspreise vor dem Hintergrund sinkender Ölpreise und eines weiterhin relativ
starken Euros gefallen. Einige Hersteller haben die Einsparungen in Form von niedrigeren Verkaufspreisen teilweise an ihre
Kunden weitergegeben. Im Dienstleistungssektor war es im August genau umgekehrt. Hier sind die Kosten stärker
gestiegen – das spricht dafür, dass höhere Lohnkosten weiterhin ein Belastungsfaktor sind – und die Unternehmen hatten
offensichtlich etwas Spielraum, diese Kostensteigerungen an die Abnehmer ihrer Dienstleistungen weiterzugeben.“
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