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Eurozone-Wachstum nähert sich der Stagnation an
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Composite PMI® Eurozone bei 50,2 (Finalwert April: 50,4), 3-Monatstief
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone bei 49,7 (Finalwert April: 50,1), 6-Monatstief
Anhaltender Auftragsrückgang sorgt für annähernde Stagnation des Eurozone-Wirtschaftswachstums
Das Eurozone-Wirtschaft blieb im Mai zwar auf Expansionskurs, das Wachstum hat jedoch abermals an Dynamik verloren. Die
Nachfrage nach Industrieerzeugnissen und Dienstleistungen ging erneut zurück, was den Beschäftigungsaufbau bremste und
einen weiteren Abbau der Auftragsbestände nach sich zog. Trotz leichter Verbesserung blieb der Ausblick relativ gedämpft.
Der Inflationsdruck nahm ab, was jedoch größtenteils auf die rückläufigen Einkaufs- und Verkaufspreise im Verarbeitenden
Gewerbe zurückzuführen war.
Der finale saisonbereinigte HCOB Composite PMI für die Eurozone - ein gewichteter Mittelwert aus dem HCOB Eurozone
Index Industrieproduktion und dem HCOB Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit – sank im Mai auf 50,2 Punkte von 50,4
im April und signalisierte damit, dass das fünfte Wachstum der Eurozone-Wirtschaft in Folge nach zwei stärkeren Monaten nur
noch äußerst schwach ausfiel.
Triebfeder war im Mai die Industrie, während die wirtschaftliche Aktivität im Servicesektor erstmals seit letztem November
wieder schrumpfte.
Von den vier größten von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern vermeldeten Italien und Spanien Wachstum. Italiens
Wirtschaft expandierte so kräftig wie zuletzt vor über einem Jahr, während Spaniens Wirtschaftsleistung so langsam wuchs wie
seit 17 Monaten nicht mehr. Frankreich schrumpfte mit der niedrigsten Rate seit neun Monaten und näherte sich damit der
Stagnation weiter an, während Deutschlands Wirtschaftskraft erstmal seit fünf Monaten wieder sank.
Bremsfaktor Nummer eins war der zwölfte Auftragsrückgang in Folge, wenngleich dieser nur noch schwach ausfiel. Die
Exportmärkte lieferten im Mai keinerlei Impulse, vielmehr schlug hier der 39. Rückgang in Folge zu Buche.
Um den Mangel an Neuaufträgen zu kompensieren, wurden die Auftragsbestände noch etwas stärker abgebaut als zuletzt. Die
Beschäftigung stieg insgesamt nur minimal. Im Servicesektor legte sie zu, in der Industrie nahm sie ab.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich im Mai erstmals seit Januar wieder, und zwar sowohl im
Verarbeiten Gewerbe als auch bei den Serviceanbietern. Im historischen Vergleich fiel der Ausblick jedoch weiter gedämpft
aus.
Der Inflationsdruck nahm im Mai ab. So stiegen die Einkaufspreise mit der niedrigsten Rate seit sechs Monaten, während die
Verkaufspreise so geringfügig wie seit letztem Oktober nicht mehr und damit nur noch moderat angehoben wurden. Auf
Sektorenebene liefen die Entwicklungen allerdings weit auseinander: Während die Einkaufs- und Verkaufspreise in der
Industrie sanken, legten sie im Servicesektor abermals überdurchschnittlich stark zu.
Rangliste der Composite PMIs im Mai 2025
Italien 52,5 13-Monatshoch
Spanien 51,4 17-Monatstief
Frankreich 49,3 (Flash: 48,0) 9-Monatshoch
Deutschland 48,5 (Flash: 48,6) 5-Monatstief
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone
Mit 49,7 Punkten nach 50,1 im Vormonat rutschte der finale HCOB Dienstleistungsindex Eurozone erstmals wieder unter die
neutrale Referenzmarke von 50 Punkten und signalisierte damit, dass die Serviceanbieter im Mai wieder geringfügige
Geschäftseinbußen zu verzeichnen hatten.
Der vierte Auftragsrückgang in Folge fiel zwar so stark aus wie zuletzt vor sechs Monaten, er war aber insgesamt nur leicht.
Gleichzeitig wiesen die Exporte das höchste Minus seit letztem November aus.
Die Auftragsbestände nahmen zum 13. Mal hintereinander ab, was nicht zuletzt auf den anhaltenden Stellenaufbau
zurückzuführen war. Dieser schwächte sich gegenüber den beiden Vormonaten allerdings ab.
Mit ein Grund hierfür war, dass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist trotz leichter Verbesserung weniger optimistisch
ausfielen als im langjährigen Mittel.
Der Inflationsdruck blieb im Mai weitgehend unverändert. So legten die Einkaufs- und Angebotspreise fast genauso deutlich zu
wie im April, als sie jeweils überdurchschnittlich stark gestiegen waren.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
„Die Eurozone wächst den fünften Monate in Folge, aber für diese Interpretation bedarf es eines gewissen Wohlwollens, denn
der Gesamtindex liegt mit 50,2 nur marginal über der Expansionsgrenze. Das Wachstumstempo hat sich zudem im Mai auch
noch leicht verlangsamt. Ursächlich für diese Entwicklung ist der geringfügige Rückgang der Aktivität im Dienstleistungssektor,
während die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe den gleichen moderaten Zuwachs aufzeigt wie im Vormonat. Für den
Verlauf des Jahres sind wir zuversichtlich, dass weitere Leitzinssenkungen durch die Europäische Zentralbank und fiskalische
Impulse vor allem aus Deutschland reichen, um die negativen Effekte von höheren Zölle und der gestiegenen Unsicherheit zu
kompensieren.
Die Europäische Zentralbank wird mit den PMI-Preisdaten nicht gänzlich zufrieden sein. Im aus Inflationssicht vielbeachteten
Dienstleistungssektor ist zwar die Teuerungsrate der Verkaufspreise erneut gefallen. Aber bei den Kostensteigerungen, die
ohnehin schon relativ hoch sind, hat sich die Lage etwas verschärft. Vermutlich wird das die EZB nicht davon abhalten, bei der
Sitzung am 5. Juni erneut die Leitzinsen zu senken, unter anderem weil die Güterpreise leicht und mit beschleunigter Rate
gefallen sind.
Der Süden Europas sorgt dafür, dass der Dienstleistungssektor insgesamt vor einem Einbruch bewahrt bleibt. Das solide
Service-Wachstum in Italien und die leicht abgeschwächte aber immer noch positive Expansionsrate in Spanien sind
maßgeblich dafür verantwortlich, dass der in Frankreich milde und in Deutschland relativ kräftige Rückgang der Aktivität
aufgefangen wird. Sollten die südeuropäischen Länder die Dynamik einigermaßen aufrecht erhalten, während die deutschen
Dienstleister von der expansiven Fiskalpolitik anfangen könnten zu profitieren, ist eine Erholung in diesem Sektor in diesem
Jahr gut möglich. Die Zuversicht, dass es so kommt, hat zwar leicht zugenommen, ist aber im historischen Vergleich noch nicht
besonders ausgeprägt.“
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