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Eurozone-Wachstum schwächt sich im April auf niedriges Niveau ab
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Composite PMI® Eurozone bei 50,4 (Finalwert März: 50,9), 2-Monatstief
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone bei 50,1 (Finalwert März: 51,0), 5-Monatstief
Beschleunigter Nachfragerückgang sorgt für anhaltend schwaches Eurozone-Wirtschaftswachstum
Die Eurozone-Wirtschaft hat zu Beginn des zweiten Quartals 2025 an Dynamik verloren und ist nur noch minimal gewachsen.
Seit Jahresbeginn hat sich Wirtschaftsaktivität im gesamten Währungsgebiet zwar nachhaltig belebt, der Trend blieb jedoch
gedämpft und deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Bremsfaktor Nummer 1 war erneut die schwache Nachfrage, womit
den Unternehmen nichts anderes übrigblieb, als sich auf die Abarbeitung der Auftragsbestände zu konzentrieren, um überhaupt
noch Wachstum zu generieren. Ungeachtet dessen stieg die Beschäftigung zum zweiten Mal hintereinander leicht, während die
Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den tiefsten Wert seit 18 Monaten absackten.
Gleichzeitig schwächte sich der Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise ab.
Der finale saisonbereinigte HCOB Composite PMI für die Eurozone - ein gewichteter Mittelwert aus dem HCOB Eurozone
Index Industrieproduktion und dem HCOB Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit – notierte im April zwar den vierten Monat
in Folge über der neutralen Referenzmarke von 50 Punkten, mit aktuell 50,4 Punkten nach 50,9 im Vormonat signalisierte er
jedoch nur noch geringfügiges Wirtschaftswachstum.
Dass die Wirtschaft überhaupt noch wuchs, war fast ausschließlich der Industrie zu verdanken, wo die Produktion so stark
gesteigert wurde wie zuletzt im März 2022. Im Gegensatz dazu stagnierten die Geschäfte im Servicesektor im April nahezu,
nachdem sie in den vier Vormonaten moderat zugelegt hatten.
Vier der fünf Eurozone-Länder, für die Composite-Indizes ermittelt werden, vermeldeten im April Wachstum. Irland blieb
Spitzenreiter, wenngleich sich die Dynamik hier abschwächte. Dahinter rangierte Spanien, allerdings mit dem schwächsten
Wachstum seit 15 Monaten. Mit Italiens Wirtschaft ging es hingegen so stark bergauf wie seit elf Monaten nicht mehr, während
die Wirtschaftsleistung in Deutschland kaum zulegte. Frankreich blieb der Außenseiter, hier schrumpfte die Wirtschaft zum
achten Mal hintereinander.
Die hartnäckige Nachfrageflaute sorgte dafür, dass sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch bei den Serviceanbietern
weniger Neuaufträge eingingen als im Vormonat und der elfte Auftragsrückgang in Folge insgesamt noch etwas stärker ausfiel
als im März. Mit dazu beigetragen haben auch die abermals rückläufigen Exporte, wenngleich das Minus hier so niedrig ausfiel
wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.
Um überhaupt noch Wachstum zu generieren, blieb den Unternehmen im April nichts anderes übrig, als die Auftragsbestände
abzubauen, weshalb diese – wie bereits seit über zwei Jahren – erneut abnahmen.
Ungeachtet dessen stiegen die
Beschäftigtenzahlen zum zweiten Mal hintereinander geringfügig, was jedoch einzig und allein auf den Jobaufbau bei den
Dienstleistern zurückzuführen war. Im Verarbeitenden Gewerbe setzte sich der Stellenabbau hingegen zum 23. Mal
hintereinander fort.
Da der Ausblick sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor deutlich weniger positiv ausfiel als zuletzt, sanken die
Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist insgesamt auf den tiefsten Wert seit 18 Monaten.
Der Inflationsdruck nahm in der Eurozone im April ab. Die Einkaufspreise legten mit der niedrigsten Rate seit fünf Monaten zu,
die Verkaufspreise mit der niedrigsten Rate seit Jahresbeginn.
Rangliste der Composite PMIs im April 2025
Irland 54,0 2-Monatstief
Spanien 52,5 15-Monatstief
Italien 52,1 11-Monatshoch
Deutschland 50,1 (Flash: 49,7) 4-Monatstief
Frankreich 47,8 (Flash: 47,3) 2-Monatstief
HCOB Dienstleistungsindex Eurozone
Mit 50,1 Punkten nach 51,0 im Vormonat signalisierte der finale HCOB Dienstleistungsindex Eurozone, dass die Geschäfte
der Serviceanbieter im April nahezu stagnierten. Im 1. Quartal 2025 lag der Indexdurchschnitt bei 51,0 Punkten.
Der dritte Auftragsrückgang in Folge fiel zwar so stark aus wie zuletzt im November 2024, er war aber insgesamt nur leicht. Die
Exporte sanken nur noch geringfügig.
Die Auftragsbestände nahmen zum zwölften Mal hintereinander ab. Ungeachtet dessen und trotz des abgeschwächten
Kapazitätsdruck stiegen die Beschäftigtenzahlen leicht.
Die Einkaufspreise legten erneut stark zu, die Rate sank jedoch auf ein Fünf-Monatstief. Und die Angebotspreise wurden mit
der niedrigsten Rate seit Oktober 2024 angehoben.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken im April zum vierten Mal hintereinander und landeten auf dem tiefsten Wert
seit knapp zweieinhalb Jahren.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
„Die Eurozone hat zu Beginn des zweiten Quartals abgebremst, nachdem die Region in den ersten drei Monaten des Jahres
relativ ordentlich gewachsen ist. Im schwergewichtigen Dienstleistungssektor kann man von Stagnation sprechen und der
überraschende Produktionsanstieg im verarbeitenden Gewerbe reicht nicht aus, um eine deutliche Abschwächung des
Wachstums zu verhindern.
Im Dienstleistungssektor bleibt der Kostenauftrieb immer noch relativ hoch, hat sich aber in den vergangenen beiden Monaten
etwas abgeschwächt. Bei den Verkaufspreisen ist die Inflation niedriger und im Abwärtsmodus. Die meisten EZB-Mitglieder
hatten sich in ihren letzten Reden mehr oder weniger explizit für eine weitere Zinssenkung im Juni ausgesprochen und dürften
sich durch diese Daten bestätigt fühlen.
Die Beschäftigung hat sich in den vergangenen beiden Monaten stabilisiert. Der rückläufige Personalbestand im verarbeitenden
Gewerbe konnte durch eine Ausweitung der Beschäftigung im Dienstleistungsbereich etwas überkompensiert werden.
Insgesamt ist aber die Zurückhaltung bei Neueinstellungen nicht zu übersehen, was angesichts der vielen Unsicherheiten
wenig verwunderlich ist.
Beim Wachstumstempo ist Spanien ganz vorne, gefolgt von Italien, dann kommt Deutschland mit einem marginalen Plus und
die rote Laterne trägt Frankreich. Dies zeigen die Composite PMI-Daten für die ersten vier Monaten des Jahres und deckt sich
auch mit den BIP-Daten von Eurostat für das erste Quartal. Wir gehen davon aus, dass Deutschland perspektivisch durch eine
expansive Fiskalpaket in der Lage sein dürfte, bald stärker zu wachsen als Italien, während Frankreich vermutlich bis auf
Weiteres aufgrund der unsicheren politischen Lage Schlusslicht bleiben dürfte.“
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