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Deutschland: Servicesektor rutscht im April wieder in die Kontraktionszone
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Dienstleistungsindex Deutschland bei 49,0 (Finalwert März: 50,9), 14-Monatstief
HCOB Composite PMI Deutschland bei 50,1 (Finalwert März: 51,3), 4-Monatstief
Zuversicht lässt nach
Wie die aktuellen Daten zum HCOB Dienstleistungsindex zeigen, sackte der deutsche Servicesektor zu Beginn des zweiten
Quartals wieder in den roten Bereich ab, nachdem die Geschäftstätigkeit hier in den vier Monaten zuvor ununterbrochen
zugelegt hatte. Gleichzeitig äußerten sich die Branchenakteure besorgt über Zölle und die damit einhergehende Unsicherheit
und daher deutlich weniger optimistisch als zuletzt.
Entgegen dem Trend bei den Geschäftsbedingungen und der Erwartungshaltung stieg die Beschäftigung so signifikant wie seit
knapp einem Jahr nicht mehr. Steigende Löhne waren indes ausschlaggebend dafür, dass die Kosten sektorweit kräftiger
anzogen. Der Wettbewerbsdruck veranlasste viele Firmen allerdings dazu, ihre Angebotspreise weniger stark anzuheben.
Der finale und saisonbereinigte HCOB Index Geschäftstätigkeit notierte mit 49,0 Punkten im April unter den 50,9 von März
und wies damit erstmals seit November letzten Jahres wieder einen Rückgang aus.
Dieser fiel zwar moderat aus, war aber
nichtsdestotrotz der deutlichste seit Februar 2024, was viele Umfrageteilnehmer auf die schwache Nachfrage und das
abwägende Ausgabeverhalten der Kunden angesichts der konjunkturellen und politischen Unsicherheit zurückführten.
Die Neuaufträge gingen zum Quartalsstart das achte Mal in Folge zurück. Ursächlich dafür waren insbesondere die
herausfordernden Wirtschaftsbedingungen im Allgemeinen sowie die Sorge über Zölle und die daraus resultierende
Verunsicherung. Immerhin, dank der geringeren Verluste beim Exportgeschäft verlangsamte sich die Kontraktionsrate beim
Gesamt-Auftragseingang im Vormonatvergleich.
Derweil ließ die Zuversicht unter den Serviceanbietern spürbar nach. So sackte der zukunftsgerichtete Index auf ein SiebenMonatstief ab und rangierte merklich unter seinem langjährigen Durchschnitt. Tatsächlich übertraf der Anteil der Unternehmen,
die optimistisch blieben mit 25% nur knapp den derer, die sich pessimistisch zeigten (22%).
Trotz des schwierigen Umfelds und des Stimmungsdämpfers wurden auch im April neue Mitarbeiter eingestellt. Der Jobaufbau
beschleunigte sich sogar den zweiten Monat hintereinander und so sehr wie zuletzt im Mai 2024.
Folglich wurden auch die unerledigten Projekte und Aufträge erneut und damit zum zwölften Mal in Folge abgearbeitet. Die
Abbaurate blieb hier zwar solide, sie fiel jedoch so schwach aus wie seit Juni 2024 nicht mehr.
Die Kosten im Dienstleistungssektor Deutschlands sind kräftiger angestiegen als im Vormonat, als die Teuerungsrate auf ein
Fünf-Monatstief gefallen war. Das überdurchschnittliche Plus war den Befragten zufolge oftmals den wachsenden Löhnen
sowie der generell hohen Inflation geschuldet.
Demgegenüber wurden die Angebotspreise zum Start ins zweite Quartal nicht mehr ganz so deutlich angehoben. Zwar war
man weiterhin bemüht, die höheren Ausgaben an die Kundschaft weiterzugeben, aber viele Branchenakteure gaben an, dass
ihre Preismacht angesichts des massiven Konkurrenzdrucks eingeschränkt sei. So verlangsamte sich die Steigerungsrate hier
zum wiederholten Mal und sackte auf das schwächste Niveau seit Oktober vergangenen Jahres ab.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert die aktuellen Umfrageergebnisse:
"Die deutschen Dienstleister treten auf die Bremse. Im April ging die Geschäftstätigkeit etwas zurück, wodurch eine
viermonatige Wachstumsphase ihr Ende fand. Dass der Composite PMI nicht in rezessives Territorium abgerutscht ist, ist
wiederum den Industrieunternehmen zu verdanken. Diese haben ihre Produktion ausgeweitet, was ihnen auch im Vormonat
nach einer knapp zwei Jahre dauernden Durststrecke bereits gelungen war.
Die Gewinnmargen der Serviceanbieter dürften zum Start ins zweite Quartal etwas unter Druck geraten sein. So sind die
Kosten stärker gestiegen als zuletzt, aber bei den Verkaufspreisen mussten die Preisaufschläge reduziert werden. Vor
diesem Hintergrund hat die Zuversicht im Hinblick auf die künftige Geschäftstätigkeit nachgelassen, der entsprechende
Index ist gefallen und liegt mittlerweile deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt.
Auf den ersten Blick sehen die Aussichten für künftiges Wachstum nicht sonderlich vielversprechend aus. Das Neugeschäft
ist den achten Monat in Folge geschrumpft, der Auftragsbestand geht seit zwei Jahren fast ununterbrochen zurück und beim
Exportgeschäft sind keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung erkennbar.
Dennoch stellen die Unternehmen weiterhin
neues Personal ein. Tatsächlich hat sich der Stellenaufbau sogar den zweiten Monat hintereinander beschleunigt. Die
Branchenakteure sind offensichtlich weit davon entfernt, das Handtuch zu werfen.
Und das aus gutem Grund, denn die neue
Regierung, die diese Woche ihre Arbeit aufnehmen soll, könnte die Wirtschaft mit ihrem Konjunkturprogramm für
Infrastruktur und Verteidigung sowie höheren Sozialausgaben durchaus ankurbeln. All dies dürfte sich auch auf den
Dienstleistungssektor positiv auswirken."
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