Zusätzliche 100 Mio. Euro für Vorarlberger Energienetz bis 2030
Dekarbonisierung der Gesellschaft bringe besondere
Herausforderungen mit sich - Energienetz soll stärker und
intelligenter werden
Der Vorarlberger Energieversorger illwerke vkw
plant bis 2030 Investitionen von zusätzlichen 100 Mio. Euro in sein
Energienetz. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energie bekomme man
es mit besonderen Herausforderungen zu tun, erklärte am Freitag
illwerke vkw-Vorstand Christof Germann. Das Netz soll stärker und
intelligenter werden, um den Ansprüchen auch 2030 genügen zu können.
Germann verschwieg nicht, dass damit auch ein Anstieg der Netztarife
verbunden sein dürfte.Schon jetzt würden pro Jahr etwa 30 bis 35 Mio. Euro in den
Ausbau und die Ertüchtigung der Energienetze investiert, so Johannes
Türtscher, Geschäftsführer der Tochtergesellschaft vorarlberg netz.
Die zusätzlichen Investitionen basierten auf einem Projekt, das man
gemeinsam mit der Fachhochschule Vorarlberg und der Forschungsstelle
für Energiewirtschaft (FfE) in München durchgeführt habe. Dabei
wurden der Energieverbrauch und die Netzbelastung im Jahr 2030
simuliert. Annahmen waren etwa eine Verdreifachung des erzeugten
Photovoltaik-Stroms gegenüber heute, ein Anstieg des Verbrauchs
durch vermehrten Einsatz von Wärmepumpen sowie die fortgeschrittene
Elektrifizierung des Verkehrs - gerechnet wurde mit 60.000
Elektrofahrzeugen, das würde etwa einem Viertel des
Fahrzeugsbestands entsprechen.
Aus dem Projekt ließen sich mehrere Maßnahmen für das Energienetz
der Zukunft ableiten, unterstrich Türtscher. So gelte es nicht nur
den klassischen Netzausbau voranzutreiben, sondern auch 20 Prozent
der herkömmlichen 1.600 Trafostationen zu intelligenten
Trafostationen umzubauen. Mit dieser Umrüstung könnten die
Trafostationen in Belastungssituationen selbst "reagieren", wie es
Türtscher nannte. Germann nannte als Lastschwerpunkte im
Vorarlberger Stromnetz das nördliche Rheintal zwischen Bregenz und
Hohenems, wo die Industrie fortwährend wachse, die Walgau-Region und
das Arlberggebiet mit seinem starken Tourismus. "Im Winter-Tourismus
werden wir das Thema E-Mobilität spüren", stellte Germann fest.
Sowohl Germann als auch Türtscher betonten, dass in die Modelle
eine Netzauslastungs-Reserve von mindestens 20 Prozent eingerechnet
worden sei - das entspreche dem aktuellen Stand von vorarlberg netz.
Mit einer durchschnittlichen Nichtverfügbarkeit von 2,3 Minuten pro
Kunde und Jahr erreiche man aktuell einen absoluten Spitzenwert.
Germann beruhigte auch in Sachen Tarifentwicklung: Der Netztarif in
Vorarlberg gehöre zu den günstigsten in Österreich, das werde auch
so bleiben.
Markus Preißinger von der Fachhochschule Vorarlberg betonte die
Validität der erarbeiteten Studien-Ergebnisse. In der Simulation sei
es gelungen, den Netzzustand von 80 Prozent der Vorarlberger
Ortsnetzstationen unter unterschiedlichen Bedingungen zu berechnen.
Auch Wolfgang Mauch, Vorsitzender der EfE-Geschäftsführung,
unterstrich die Seriosität der Simulationsmodelle.
jh/ivn
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