Wiener Privatbank-Chef beruhigt rund um Kredit-Ausfallsrisiken
Raninger teilt Sorge des Erste-Group-Chefs um vermehrte
Insolvenzen - Bei Wiener Privatbank aber nur Einzelfälle
erwartet
Trotz eines allgemein steigenden Kreditrisikos für
Banken bleibt der Chef der Wiener Privatbank, Christoph Raninger,
weiterhin optimistisch für sein Institut. Die Nachfrage nach
Wohnimmobilien sei ungebrochen stark und auch die Kapitalmärkte
hätten sich vor allem im zweiten Halbjahr wieder gut entwickelt. Das
Risiko für vermehrte Insolvenzen nähme heuer jedoch zu.Im Dezember hatte die Bank eine Gewinnwarnung für das
Geschäftsjahr 2020 auf Konzernebene ausgesprochen und auch diese mit
Auswirkungen auf ein bestehendes Kreditgeschäft begründet. Bisher
seien das noch reine Ausfallserwartungen, man habe aber ins Kalkül
ziehen müssen, dass es "auch den ein oder anderen Kreditnehmer gibt,
der von Covid betroffen ist", so Raninger im Gespräch mit der APA.
Die jüngst ausgesprochene Befürchtung des Erste-Group-Chef Bernd
Spalt, dass es heuer zu vermehrten Insolvenzen kommen werde, teile
Raninger. Insbesondere, wenn man berücksichtige, dass es 2020
aufgrund der massiven staatlichen Stützungsmaßnahmen zu einem
Rückgang der Pleiten gekommen war, gebe es heuer umso mehr
"Aufholpotenzial".
Die Wiener Privatbank selbst, die sich als Nischenbank vor allem
im Bereich Wohnimmobilien als auch im Kapitalmarktbereich
positioniert, und keine klassischen Häuselbauer-Kredite vergibt,
werde von einer solchen Entwicklung allerdings weniger betroffen
sein, so der Bank-CEO. Er rechnet damit, dass es in der Wiener
Privatbank "höchstens Einzelfälle" geben werde, eine "pauschale
überbordende Risikosituation" wie bei einer Bank mit einer sehr
großen Zahl an Privatkunden sieht er aber nicht. Das Gros der
Kredite der Wiener Privatbank sei gesund und auch die
Kapitalausstattung sei weiterhin solide.
Was die Strategie der Bank betrifft, sei das Jahr 2020 ein "guter
Test für unsere Positionierung" gewesen, so Raninger. Der Fokus auf
Wohnimmobilien, die sich im Krisenjahr als "sehr immun gegen exogene
Schocks" erwiesen hätten, und auf den Kapitalmarktbereich habe sich
bewährt. Die Aussicht auf weiter steigende Wohnimmobilienpreise -
insbesondere in Wien, wo die Bank sehr aktiv ist - und auch der
wieder aufholende Wiener Aktienmarkt lassen den Bankchef auch
optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr blicken.
Auch neue Projekte seien bereits in der Pipeline. So will die
Bank auf das Nachhaltigkeits-Thema aufspringen und einen
Mezzaninkapitalfonds auflegen, der den Nachhaltigkeitskriterium
entspricht und auch das Umweltzeichen (UZ49) bekommen soll. Darüber
hinaus soll gemeinsam mit einem Partner der Fokus stärker auf
Neubauprojekte gerichtet werden. Die Themen Zweitwohnsitz und Time
Sharing hätten auch im Zuge der Coronakrise wieder mehr Schwung
bekommen. Hier bereite man neue Projekte vor, die auch heuer noch
starten sollen, so Raninger.
Nicht umgesetzt wird vorerst die im Vorjahr noch geplante
CEE-Strategie. Ursprünglich geplant war ein Ausbau des Filialnetzes
in Tschechien und der Slowakei, die Coronakrise machte diesen Plänen
allerdings einen Strich durch die Rechnung.
(Schluss) bel/phs
ISIN AT0000741301
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