ATB Spielberg GmbH: Höhere Überschuldung als erst angenommen
Passiva betragen laut AKV und KSV nach Liquidationswerten rund
43 Mio. Euro, Aktiva rund 6 Mio. Euro
Das von der steirischen ATB Spielberg GmbH
beantragte Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung dürfte am
Dienstagnachmittag oder Mittwochvormittag eröffnet werden.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Überschuldung des Unternehmens
höher sein dürfte als nach ersten Meldungen. Die Passiva betrugen
laut AKV und KSV nach Liquidationswerten rund 43 Mio. Euro, die
Aktiva rund 6 Mio. Euro.Die Überschuldung beläuft sich gemäß diesen Zahlen auf rund 37
Mio. Euro. Betroffen von der Insolvenz sind rund 300 Arbeiter und
rund 100 Angestellte, wie die beiden Kreditschützer am Dienstag
mitteilten. Die Finanzierung des Fortbetriebes soll über die
Gesellschafterseite erfolgen.
Laut AKV waren die Ergebnisse bei ATB bereits 2017 massiv
rückläufig, sodass sich der Bilanzgewinn von rund 1,11 Mio. Euro zum
Jahresende 2016 in einen Bilanzverlust von rund 7,35 Mio. Euro zum
Jahresende 2018 gedreht hatte.
Gründe waren laut KSV u.a. der steigende Kostendruck.
Restrukturierungsmaßnahmen führten zwar zu einer Straffung der
operativen Kosten, die Ertragslage wurde jedoch nicht nachhaltig
stabilisiert. Mitbewerber lagerten die Produktion zunehmend in
kostengünstigere Länder aus, und die Herstellung wurde zudem immer
spezialisierter, u.a. durch individuellere Kundenwünsche. Dazu kamen
zuletzt die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Ohne weitere
Gesellschafterzuschüsse würde sich in den nächsten Jahren kein
Turnaround bewerkstelligen lassen, hieß es. Die nachhaltige
Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit könne im Rahmen der
momentanen Geschäftstätigkeit nicht gewährleistet, keine
ausreichenden liquiden Mittel mehr gesellschafterseitig zur
Verfügung gestellt werden.
Im Insolvenzantrag wurden laut AKV die Aktiva zu
Liquidationswerten mit rund 6 Mio. Euro beziffert, wobei auf
Sachanlagen, Gesellschaftsanteile (die ATB Spielberg GmbH hält eine
100-prozentige Beteiligung an der Motorenwerke Subotica d.o.o. in
Serbien, Anm.) und Finanzanlagen rund 4,128 Mio. Euro entfallen.
Lagerbestände und Forderungen usw werden mit 1,872 Mio. Euro
beziffert. Die Passiva ebenfalls zu Liquidationswerten werden mit
rund 42,95 Mio. Euro angegeben, wobei insbesondere die
Verbindlichkeiten gegenüber Dienstnehmern inklusive Abfertigungs-
und Pensionsansprüchen zum Tragen kommen. Kreditinstituten schuldet
man rund 4,5 Mio. Euro. Aus Lieferungen und Leistungen bestehen
Verbindlichkeiten von rund 4,6 Mio. Euro. Eingepreist wurden auch
Verbindlichkeiten von rund 15 Mio. Euro, welche aus
Schadenersatzforderungen aus Vertragsauflösungen usw. erwartet
werden.
Produziert wird derzeit an zwölf Standorten, eben in Spielberg
sowie in den deutschen Niederlassungen Welzheim, Mönchengladbach und
Nordenham, im britischen Leeds und Norwich, im chinesischen Wuhan
und Shaoxing, im polnischen Tarnow, in Eindhoven (NL) sowie in
Subotica und Bor. Weltweit sind mehr als 3.500 Mitarbeiter
beschäftigt.
Laut Christian Jammerbund von der Gewerkschaft GPA-djp werden in
den nächsten Tagen in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat gemeinsam
mit der Geschäftsführung von ATB Lösungen gesucht, um die sozialen
Auswirkungen abzufedern. Heribert Grasser von der Gewerkschaft
PRO-GE zufolge war der Umgang mit den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern im Vorfeld inakzeptabel. Durch die laut Grasser nicht
erfolgte Kurzarbeits-Verlängerung seien falsche Hoffnungen geschürt
worden. Die steirische Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) sicherte
Unterstützung zu, dass mit Hochdruck an Maßnahmen für die
betroffenen Beschäftigten gearbeitet werde.
(Schluss) pek/ivn
ISIN AT0000617832
WEB http://www.atb-motors.com