Steirische ATB - Ehemaliger Eigentümer Kovats übt scharfe Kritik
"Geschichte eines Misserfolges und verschleuderten
österreichischen Technologieunternehmens"
Der Industrielle Mirko Kovats, früherer
Eigentümer der ATB in Spielberg, hat am Montag in einer Aussendung
die "völlig unnötige Schließung eines wettbewerbsfähigen
österreichischen Industriestandortes durch den chinesischen
Eigentümer" kritisiert. Vergangene Woche wurde bekannt, dass in dem
Werk im steirischen Murtal rund 360 von 400 Mitarbeitern gekündigt
werden sollen.Kovats ortet hinter dem damaligen Verkauf an die chinesische
Wolong-Gruppe und den nun angekündigten Kündigungen eine
"offensichtlich langfristig geplante Schließungsstrategie nach
erfolgtem Technologietransfer". Das sei seiner Meinung nach
"wahrnehmbar".
Kovats kritisierte auch den seiner Ansicht nach damals zu
niedrigen Verkaufspreis: Um 60 Mio. Euro sei die ATB vom
Insolvenzverwalter "quasi verschenkt" worden, so der Industrielle.
Dabei habe er selbst bereits einen Kaufpreis von 110 Mio. Euro
ausverhandelt gehabt. "Hat Wolong die Gunst der Stunde im
Sanierungsverfahren genutzt und ATB mit Versprechungen einerseits
die österreichischen Arbeitsplätze zu erhalten, andererseits ein
österreichisches Traditionsunternehmen für den Weltmarkt zu rüsten,
deutlich zu günstig erworben? Ist man hier - trotz mahnender Stimmen
- der chinesischen Eroberungstaktik erlegen? Hat man, um einen
schnellen Erfolg zu erzielen, für den Industriestandort Österreich
wichtige, langfristige Überlegungen außer Acht gelassen? Waren die
Gläubiger tatsächlich über alle Umstände informiert?", stellte
Kovats Fragen in den Raum.
Er bedauerte einen "nicht umkehrbaren Technologietransfer von zum
Beispiel geräuschlosen Großgeneratoren für Atom-U-Boote, Großmotoren
für die Petrochemie und Offshore-Ölgewinnung, explosionsgeschützte
Motoren für den Kohlebergbau, und nun umweltfreundliche effiziente
Kleinmotoren nach China." "Die Geschichte eines Misserfolges und
verschleuderten österreichischen Technologieunternehmens."
Kovats selbst hatte allerdings 2010 die Überlebenschancen des
Motorenwerks in seinem Buch "Die Sowjets hatten recht" als gering
angesehen und den mittelfristigen Abzug der Produktion vorausgesagt.
Damals bezeichnete er die dortigen Lohnkosten als um wenigstens 50
Prozent zu hoch. Davor hatte es ein jahrelanges Ringen um einen
Lohnverzicht der Belegschaft gegeben. 2005 hatte er eine geplante
Investition über 50 Mio. Euro nicht in Spielberg getätigt, sondern
in die Slowakei verlegt. Kovats stieg 2001 bei der ATB ein. 2011
wurde das Unternehmen von der Wolong-Gruppe übernommen.
(Forts. mögl.) kor/pek/ivn
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