Sanierungsverfahren für HTI-Tochter Gruber & Kaja eröffnet
Überschuldung 17,7 Mio. Euro - 201 Mitarbeiter betroffen -
Weitere Entwicklung bei der Mutter laut Gläubigervertretung
abzuwarten
Für die HTI-Tochter
Gruber & Kaja in St. Marien im Bezirk Linz-Land ist am Dienstag beim
Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverantwortung
eröffnet worden. Das berichteten die Gläubigerschutzverbände und die
Arbeiterkammer in Presseaussendungen. Die Überschuldung beträgt 17,7
Mio. Euro. 201 Mitarbeiter sind betroffen. Die weitere Entwicklung
bei der Mutter bleibe abzuwarten.Die Anfänge von Gruber & Kaja reichen zurück bis ins Jahr 1950.
Die Firma erlangte Bekanntheit vor allem durch Druckkochtöpfe der
Marke "Kelomat". Ab Mitte der Sechzigerjahre spezialisierte man sich
als Produzent von einbaufertigen Druckgusskomponenten aus Aluminium
vornehmlich für die Autoindustrie. Gruber & Kaja gehört seit 2007
zur HTI-Gruppe. Der Antrag auf Insolvenzeröffnung wird mit einem
anstehenden erhöhten Investitionsbedarf sowie einem zuletzt
merklichen Auftragsrückgang durch die sogenannte "Dieselkrise"
begründet.
Gemeldet werden Passiva von 27,1 Mio. Euro, denen Aktiva von 9,4
Mio. Euro zu Buchwerten gegenüberstehen. 201 Dienstnehmer - 65
Angestellte, 127 Arbeiter und 9 Lehrlinge - sind von der
Zahlungsunfähigkeit betroffen, ebenso rund 242 Gläubiger. Laut
Arbeiterkammer Oberösterreich haben die Arbeiter den Lohn für Juli
nicht mehr bekommen. Sie wird am kommenden Donnerstag eine
Betriebsversammlung abhalten, in der das Team des
Insolvenz-Rechtsschutzes die Belegschaft informieren und beraten
wird.
Im Insolvenzantrag wurde den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent
zahlbar innerhalb von 2 Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes
geboten. Zum Insolvenzverwalter wurde der Linzer Rechtsanwalt
Gerhard Rothner bestellt. Er wird unverzüglich die wirtschaftliche
Lage des Unternehmens analysieren und prüfen, ob eine Fortführung
des Unternehmens ohne weitere Schädigung der Gläubiger möglich ist,
kündigte der Gläubigerschützerverband KSV1870 an.
Die erste Gläubigerversammlung und Allgemeine Prüfungstagsatzung
wurde mit 29. Oktober festgelegt. Die Tagsatzung und
Beschlussfassung über den Sanierungsplanantrag wurde für 29.
November anberaumt. Der KSV vermutet, dass das nunmehr eröffnete
Insolvenzverfahren auch Auswirkungen auf die Liquidität des
Mutterunternehmens HTI haben dürfte. Er verweist auf Medienberichte,
wonach von der Konzernspitzengesellschaft angekündigt wurde,
zeitversetzt ebenfalls einen Antrag auf Eröffnung eines
Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung zu stellen. Die weitere
Entwicklung bleibe aus heutiger Sicht abzuwarten.
Die Insolvenz ist die heuer bisher zweitgrößte in Oberösterreich.
Die größte war jene der Brüder Bernhard und Thomas Braunsberger mit
Gesamtpassiva von 31 Mio. Euro.
(Schluss) zie/bel
ISIN AT0000764626
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