Steuerhinterziehung: Ermittlungen gegen Sanochemia-Gründer Frantsits
Vorwurf der Abgabenhinterziehung wegen Lizenzzahlungen an
einstige Mutterfirma auf Malta - Staatsanwaltschaft ermittelt
gegen Ex-Chefs - Firma "kann Vorwürfe nicht nachvollziehen"
Aufregung bei der börsennotierten Wiener Pharmafirma
Sanochemia: Gegen den Firmengründer und Ex-Vorstandschef Werner
Frantsits ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Justiz hegt den
Verdacht der Abgabenhinterziehung. Werner Frantsits ist im März 2016
in den Aufsichtsrat gewechselt. Es wird auch gegen weitere
Aufsichtsräte ermittelt. Es geht um Lizenzzahlungen über eine
Malta-Firma.In einer auch auf der Firmenhomepage publizierten
Pflichtveröffentlichung teilte Sanochemia am Freitag mit, man sei
von der Staatsanwaltschaft Wien in Kenntnis gesetzt worden, dass
Ermittlungen gegen frühere Vorstandsmitglieder sowie auch gegen
einzelne Aufsichtsratsmitglieder des Unternehmens wegen des
"Verdachts des Vergehens nach §§ (11) 33, 38 Finanzstrafgesetz
(Abgabenhinterziehung) für die Geschäftsjahre 2007 bis 2015 geführt"
würden.
Nach dem so genannten "Verbandsverantwortlichkeitsgesetz" wird
außerdem gegen die börsennotierte Gesellschaft selbst ermittelt. Die
Vorwürfe stünden im Zusammenhang mit Lizenzzahlungen eines Dritten
an die Sanochemia Ltd mit dem Sitz in Malta. Patente "und damit
zusammenhängende Lizenzeinnahmen sollen steuerlich der Sanochemia
Pharmazeutika AG zuzurechnen sein".
Bei Sanochemia hieß es am Freitag, man könne "die Vorwürfe nicht
nachvollziehen", seitens der Gesellschaft habe es kein Fehlverhalten
gegeben. Man werde den Sachverhalt entsprechend darlegen, so
Sanochemia.
Gegen aktuelle Vorstände werde nicht ermittelt, betonte das
Unternehmen.
Dem Vernehmen nach laufen auch Ermittlungen auch gegen Herbert
Frantsits, der bis Herbst 2009 die Firma geleitet hatte und damals
von seinem Bruder Werner als Vorstandschef abgelöst worden war.
Damit wechselte damals der Gründer Werner wieder an die Spitze, bis
er im März 2016 den Vorstandsvorsitz aufgab und wieder Aufsichtsrat
wurde. Zu einer weiteren Person aus dem Kreis der Aufsichtsräte,
gegen die derzeit ebenfalls ermittelt wird, wurden keine näheren
Angaben gemacht.
Die "Sanochemia Malta Ltd." war bis vor einigen Jahren die
mehrheitlich Werner Frantsits zugerechnete Hauptaktionärin der
börsennotierten Wiener Gesellschaft gewesen.
Zuletzt habe sich die Malta-Gesellschaft in Liquidation befunden,
hieß es heute zur APA. Eine der letzten Erwähnungen datiert noch vom
vorigen Jahr: Damals haben österreichische und schweizerische
Familienstiftungen Aktienpakete von ihrer seit 24 Jahren in Malta
ansässigen "Sanochemia Ltd", Anfang 2016 noch mit knapp 35 Prozent
Hauptaktionärin der Börsefirma, auf zwei bestehende andere Firmen
übertragen. Als neue Kernaktionärsgesellschaften werden seither die
Inphasearch AG (früher Sanochemia AG Zug), Zug, mit 20,9 Prozent und
die Invesa AG, Unterägeri, mit 14 Prozent angegeben.
(Schluss) rf/gru
ISIN AT0000776307
WEB http://www.sanochemia.at