Österreichische Sanochemia denkt an Produktion auch in USA
Für mehr als 20 Mio. Euro teure Investition in
Krebs-Diagnostikpräparat für Joint Venture in Gesprächen -
Gründerfamilien ordnen Aktionärspakete neu - Umsatzverdopplung
als Ziel
Die in Wien und Frankfurt börsennotierte Pharmafirma
Sanochemia will im Laufe des heurigen Jahres den größeren
Markteintritt in den USA schaffen. Es geht um das firmeneigene
Blasentumor-Diagnose- und -Therapiemedikament "Vidon". Um das
Präparat nach klinischen Studien marktreif zu machen, sind mehr als
20 Mio. Euro Investitionen nötig. Die will die Firma mithilfe eines
US-Partners stemmen.Gespräche für eine Joint Venture-Partnerschaft für die
onkologische Forschung und Entwicklung in den USA laufen bereits,
sagte Vorstandschef Werner Frantsits am Montag zur APA. "Wir planen,
dass wir das heuer noch in die Linien bringen". Denkbar ist, dass
sich ein strategischer Partner auch an der bestehenden US-Tochter
Sanochemia Corp (Stamford) beteiligt. Die wurde vor 12 Jahren
gegründet, bisher verkaufte sie HIV-Tests für den amerikanischen
Markt.
Laufen die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für das
Tumor-Diagnosemittel wie von Sanochemia erhofft, könnte das Mittel
in größerem Stil im burgenländischen Werk Neufeld erzeugt werden.
Reichen die Kapazitäten hier nicht aus, kann laut Frantsits ein
zweiter Produktionsstandort auch in den USA liegen. Dort spiele
weltweit die Hauptmusik in der Pharmaforschung und -Entwicklung. Es
wäre für Sanochemia die erste Fabrik außerhalb Österreichs.
Als Vorteil in Verhandlungen und im Informationsaustausch mit
multinationalen Konzernen und strategischen Partnern wertet
Frantsits indes auch die Börsenotiz in Wien und Frankfurt, wenn auch
in den weniger regulierten Segmenten. Eine Kapitalbeschaffung über
die Börse stehe indes aktuell nicht an.
Zur Zeit machen Umsätze in den USA nur rund 2 Prozent des
Konzernumsatzes der Sanochemia (35,6 Mio. Euro) aus. Mittelfristig,
wenn die Hoffnungen für das Tumordiagnosepräparat Vidon aufgehen,
sollen es 20 bis 50 Prozent werden. In fünf bis zehn Jahren will
Sanochemia den Gesamtumsatz verdoppeln. Das wird aber operativ der
Job des Vorstands unter dem ab März amtierenden neuen CEO Franco
Merckling werden. Frantsits selbst, der heuer 70 wird, zieht in den
Aufsichtsrat um.
Sanochemia hat derzeit rund 160 Mitarbeiter, davon 140 in
Österreich. An der Eigentümerstruktur - Kernaktionäre sind im
wesentlichen die Gründerfamilien in Österreich und der Schweiz - hat
sich zuletzt wenig geändert. Die Aktienmehrheit ist in Streubesitz.
Am Montag hat die Gesellschaft eine Neuordnung der Aktienpakete
unterhalb der österreichischen und schweizerischen
Familienstiftungen bekannt gemacht. Die Stiftungen haben
Aktienpakete von ihrer seit 24 Jahren in Malta ansässigen
"Sanochemia Ltd", mit knapp 35 Prozent Hauptaktionärin der
Börsefirma, auf zwei bestehende andere Gesellschaften übertragen.
Neue Inhaber dieser Aktien sind nun die Inphasearch AG (früher
Sanochemia AG Zug), Zug, mit 20,9 Prozent und die Invesa AG,
Unterägeri, mit 14 Prozent. Deren Anteile sind syndiziert.
Frantsits spricht von einer "Strukturvereinfachung" und
"Flexibilisierung", "dahinter ändert sich nichts". Die alte
Malta-Gesellschaft wird liquidiert. Die Kernaktionärsgesellschaften
könnten gegebenenfalls institutionelle Aktienpakete vom Streubesitz
aufgreifen, hieß es heute.
(Schluss) rf/stf
ISIN AT0000776307
WEB http://www.sanochemia.at