Ex-ÖVAG-Bond-Rückkauf - VKI droht Ergo Versicherung mit Klage
Konsumentenschützer: "Leute sind nicht bereit, Kapitalverlust
hinzunehmen" - Kolba sieht Schadenersatzansprüche gegen Ergo -
Zweites Rückkaufprogramm für Private kommt
Für VKI-Konsumentenschützer Peter Kolba ist es nicht
verwunderlich, dass nur 14 Prozent der Ergo-Versicherungskunden das
Rückkaufangebot der ÖVAG-Bad-Bank Immigon angenommen haben. "Die
Leute sind nicht bereit, einen Kapitalverlust hinzunehmen. Wer
angenommen hat, hat auch die garantierten Zinsen verloren", sagte
Kolba zur APA. Der VKI droht der Versicherung mit einer Klage.Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat bisher rund 2.000
Anfragen von Ergo-Kunden, die eine "Rocket"-Lebensversicherung
abgeschlossen haben. Das Produkt ist an ÖVAG-Anleihen gebunden und
wurde zum Großteil von Volksbanken verkauft. Im Gefolge der
Notverstaatlichung der ÖVAG - die maroden Teile wurden in die
Immigon ausgelagert, die bis Ende 2017 abgewickelt werden soll -
fürchten die Ergo-Kunden Verluste.
Ob die Immigon am Ende alle ihre Anleihegläubiger bedienen kann,
vermag Kolba nicht einzuschätzen. Der VKI hat dazu ein Gutachten in
Auftrag gegeben.
Schon jetzt sehen die Verbraucherschützer aber "völlig klare
Ansätze für Fehlberatung, die vor allem der Versicherung zuzurechnen
sind", so Kolba. Die Kunden hätten also gegenüber Ergo Anspruch auf
Schadenersatz.
Wären die Kunden über die Risiken des Produkts aufgeklärt worden,
hätten sie es nicht gekauft, sondern "vielleicht eine fondsgebundene
Lebensversicherung gezeichnet oder eine andere Lebensversicherung."
In dem Fall hätten sie aber auch weniger Zinsen bekommen, schränkte
der VKI-Rechtschef ein.
Betroffene Ergo-Kunden können sich noch immer an den VKI wenden.
"Ich gehe davon aus, das wir Anfang September 2.500 Geschädigte
haben werden, deren Interessen wir gegen Ergo vertreten", so Kolba.
Der VKI will erwirken, dass die Kunden ihr eingezahltes Geld
zurückbekommen, also Ergo die "Rocket"-Lebensversicherungen
zurücknimmt (Naturalrestitution). Sollte man außergerichtlich auf
keinen grünen Zweig kommen, "ist klar, dass wir uns einen
Prozessfinanzierer suchen und Sammelklagen einbringen werden",
bekräftigte der VKI-Chefjurist. Einklagen würde der VKI den
Einmalerlag, angefallene Kosten sowie die Verzinsung eines
alternativen Produkts.
Sowohl Ergo-Kunden, die am nunmehr abgeschlossenen ersten
ÖVAG-Rückkaufprogramm teilgenommen und daher wahrscheinlich einen
Verlust realisiert haben, als auch jene, die vorerst noch nichts
getan haben, können aus der Sicht von Kolba Ergo auf Schadenersatz
klagen. "Sie erkennen jetzt, dass sie das falsche Produkt bekommen
haben." Freilich bleibe auch die Möglichkeit, "weiterzuzocken", also
abzuwarten, ob die Immigon am Ende ohnehin imstande ist zu zahlen.
Bei der "Rocket"-Lebensversicherung waren laut Kolba sowohl das
Kapital als auch die Zinsen garantiert. Aus diesem Grund war auch
das erste Rückkaufprogramm der Immigon für Privatkunden nicht sehr
attraktiv. "Das Angebot hat gelautet: ein Großteil des Kapitals. Von
den Zinsen ist aber keine Rede gewesen", so Kolba.
Die Immigon indes hat bereits ein zweites Rückkaufprogramm in
Aussicht gestellt, das sich an Privatanleger richten soll. "Das ist
für den Spätsommer/Frühherbst angedacht", sagte Sprecher Thomas
Heimhofer zur APA. "Das erste Rückkaufprogramm war auf
institutionelle Investoren ausgelegt, da sind die Gepflogenheiten
anders als bei Privatkunden." Details zum neuen Programm gebe es
noch nicht.
Wieviele Privatanleger Anleihen der ehemaligen ÖVAG halten, sei
nicht genau bekannt. "Wenn eine Versicherung die Anleihen gekauft
hat, kann es sein, dass sie sie im Deckungsstock oder in ein Produkt
gepackt oder in der eigenen Bilanz hat", so Heimhofer. Neben den
14.000 Ergo-Kunden hatten auch etwa 700 Merkur-Kunden ein
Lebensversicherungsprodukt, dem ÖVAG-Anleihen zugrunde lagen. Der
Großteil der Merkur-Kunden ist zwischenzeitlich aber zu einer
klassischen Lebensversicherung gewechselt bzw. hat ein
entsprechendes Konvertierungsangebot der Assekuranz angenommen.
(Schluss) snu/itz
ISIN AT0000755665
WEB http://www.ergo-austria.at
http://www.oevag.com
http://www.konsument.at