ÖVAG ab jetzt Geschichte - Koren sieht 7 Jahre Dauerkrise beendet
Europäischer Stresstest hat ÖVAG-Ende beschleunigt -
Ursachen-Suche: Zu späte und zu waghalsige Expansion, früher
in die Krise geraten - Nachfrist bis September für "Rebellen"
Mit der Aufspaltung der bisherigen teilstaatlichen
Krisenbank ÖVAG (Volksbanken AG) ist dieses Institut ab Mitternacht
Geschichte, die neue Bad Bank hat keine Banklizenz mehr. Neues
Spitzeninstitut für die Volksbanken, die selber von 41 auf acht
zusammenschmelzen müssen, ist die Volksbank Wien-Baden. Im
Europa-Bankenstresstest war die ÖVAG 2014 durchgefallen. Das hat ihr
Ende beschleunigt.Der seit drei Jahren amtierende ÖVAG-Chef Stephan Koren ist ab
morgen, Samstag, zumindest für die nächsten Monate Chef der Bad Bank
Immigon. Koren sieht mit dem Totalumbau die Voraussetzungen
geschaffen, dass die Dauerkrise, die diesen Sektor die letzten
sechs, sieben Jahre begleitet habe, nachhaltig überwunden ist.
Dass sich eine signifikante Bank "freiwillig selbst abwickelt"
und ihre Lizenz abgibt, ist für Koren "beispiellos". Damit habe man
Neuland betreten. Koren sieht die ÖVAG-Abwicklung auch
beispielgebend: Demnach würden solche Abwicklungen für alle
Beteiligten billiger, wenn frühzeitig gehandelt werde.
Sechs Jahre nach der ersten Staatshilfe (2009) und etwas mehr als
drei Jahre nach der rettenden Teilverstaatlichung (2012) hat die
Bank ihr Volumen schon drastisch reduziert, durch Verkäufe und den
Rückzug aus dem Eigengeschäft ist die Bilanz auf mittlerweile rund
15 Mrd. Euro geschrumpft. In der Bad Bank sind es nun noch 7,1 Mrd.
Euro, die bis Ende 2017 abgebaut sein sollen.
Begleitet war dies alles mit einem Kahlschlag beim Personal. In
der Abbaufirma sind gerade noch 75 Leute tätig, gestern waren es in
der ÖVAG noch 770 und Anfang 2012 noch mehr als 2.000. Nur ein Teil
der Mitarbeiter (350) wechselt zur Volksbank Wien-Baden. In der ÖVAG
hatten schon am 30. Juni viele ihren letzten Arbeitstag gehabt.
Dass der Bund, der in der ÖVAG schon viel Geld verloren hat,
nichts mehr nachschießen wollte, kann der Vorstand nachvollziehen.
Es hatte sich schon lang abgezeichnet, dass die Bank wohl nie mehr
selber "verlusttragend" sein würde. Zudem wurden die
Kapitalanforderungen durch die Aufseher immer strenger.
Schuld am Niedergang der ÖVAG hatte, wie Koren vor Journalisten
berichtete, die sehr spät begonnene starke Expansion. Das betraf
sowohl den Kauf der Investkredit/Kommunalkredit als auch die Zukäufe
im Osten. Die Systeme und Prozesse in der Bank hätten mit dem
Expansionstempo nicht Schritt gehalten. Die schon vorher nicht sehr
robuste Bank sei sehr spät gestartet und sie sei in einer sehr
frühen Phase in die Krise gekommen. Eine "explosive" Mischung, wie
Koren befand.
Rund 1,3 Mrd. Euro an Steuergeld (Partizipationskapital,
Aktienkapital) sind Kapitalschnitten zum Opfer gefallen. Für ein
Äquivalent von 300 Mio. Euro - der zuletzt noch offenen
Staats-PS-Tranche entsprechend - gibt es eine explizite
Rückzahlungsverpflichtung. EU und Aufseher haben den Volksbankern
nun aber erlaubt, die Tilgung bis 2023 zu strecken.
Koren und seine Vorstandskollegen Michael Mendel und Rainer Borns
werden zumindest vorerst die Bad Bank Immigon leiten. Korens alter
ÖVAG-Vertrag läuft noch zwei Jahre, der von Mendel eineinhalb Jahre
und Borns Vertrag ginge noch ein Jahr. "Von der Vertragslaufzeit her
muss Koren das Licht ausmachen", sagte Mendel. Dass die Banker in
der Bad Bank nicht ihre berufliche Zukunft beenden wollen, ist
offenkundig. "Für die nächsten Monate gibt es für einen
Dreiervorstand genug zu tun", sagte Koren dazu nur. "Bis Jahresende"
werde das Vorstandstrio an Bord bleiben.
Auch wenn Ende 2017 die letzten Beteiligungen (Inlandsleasing,
Start-Gruppe, Factoring, Fondsgesellschaft) verkauft oder zur Not
auch selber abgewickelt sind, dürfte die Immigon noch eine Weile
bestehen bleiben. Denn sie trägt auch die Prozessrisiken aus
Verfahren gegen die alte ÖVAG.
Anders als bei anderen Ostbankenverkäufen - etwa bei der
Hypo/Heta - hat die ÖVAG nach dem Verkauf ihrer Rumänien-Bank an die
Bank Transilvania dort keine Verpflichtungen mehr offen, auch keine
Refinanzierungslinien. Alles in allem war die Rumänien-Expansion ein
teures Verlustgeschäft gewesen, dem Vernehmen nach kostete das
Abenteuer dort die ÖVAG einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.
Dass beim weiteren Beteiligungs- und Assetabbau in der Immigon
noch Staatsgeld nötig wird, sieht der Vorstand nicht. Alles sei
bereits zu Zerschlagungswerten bilanziert worden. Man sei
ausfinanziert, auch um allfällige "Shortfalls" zu tragen. Das
Schlimmste, was passieren könne, sei, dass am Schluss nichts
überbleibt, meint man im Management. Der "Kampfauftrag" lautete
schließlich: Keine frischen Staatsmillionen mehr.
Für die drei "Rebellen" unter den Volksbanken, die gegen die
regionalen Fusionen und gegen den neuen Verbund sind, gibt es nun
doch noch eine allerletzte Frist bis Ende September. Bis dahin soll
eine Lösung gefunden werden, und bis dahin werden sie vom neuen
Spitzeninstitut Volksbank Wien-Baden versorgt.
(Schluss) rf/pro
ISIN AT0000755665
WEB http://www.oevag.com