Chefwechsel in AUA - Lange nicht sicher, dass es was zu übergeben gab
Albrecht: Airline weiter am Weg der Sanierung und
Restrukturierung - Langstreckenexpansion um ein Jahr
verschoben - Flottenfragen warten schon auf den neuen Chef
Kratky
In weniger als vier Wochen
übernimmt der deutsche Lufthansa-Passagierspartenvorstand Kay Kratky
(57) das Ruder bei der österreichischen Lufthansa-Tochter AUA
(Austrian Airlines). Von AUA und Lufthansa gab es dazu vorerst noch
beredtes Schweigen. Der bisherige AUA-Boss Jaan Albrecht (60) geht
zu SunExpress. Er sieht die AUA weiter am Weg der Sanierung und
Restrukturierung.Albrecht wurde am Dienstag in einem Conference Call mit den
Medien nicht nur zu seinem Nachfolger gelöchert. Sondern auch
danach, in welchem Zustand er die AUA dem Neuen übergibt. "Ich
übergebe ihm eine Airline. Vor dreieinhalb Jahren war nicht
selbstverständlich, dass wir hier (überhaupt) eine Airline
weitergeben können".
Die AUA sei heute eine Airline, die aufs Jahr gesehen schwarze
Zahlen schreibe und wesentliche Sanierungsschritte gemacht habe. Es
sei aber nicht so, dass man sich zurück lehnen dürfe. "Ich übergebe
eine Firma, die eine gute Liquidität hat, die die wichtige
Flottenweiterentwicklung stemmen kann". Die Eigenkapitalquote sei
"nicht herausragend", stimme aber zuversichtlich. Finanzvorstand
Heinz Lachinger nannte sie "ausreichend", beziffern wollte er sie
aber nicht. "In Summe alles, was es vor dreieinhalb Jahren nicht
gegeben hat", resümierte Albrecht
Der neue AUA-Chef muss sich um die weitere Flottenentwicklung und
-Finanzierung kümmern. Kratky, der nach Insiderinformationen von der
Lufthansa als AUA-Chef schon nominiert ist, war bei der Lufthansa
Flottenchef für Boeing-Jumbos (747).
Albrecht sagte heute, dass die AUA-Langstreckenexpansion um ein
Jahr verschoben werden musste. Einer der Gründe ist nach AUA-Angaben
ein mit der Umflottung auf der Mittelstrecke einsetzendes
"Umschulungskarussell". In den nächsten zwei Jahren werden die alten
Fokker-Flugzeuge durch 17 (gebrauchte) Embraer-Jets ersetzt. Die
sind derzeit bei der Lufthansa CityLine im Einsatz. Mit der
Umflottung werden in der AUA rund 400 Schulungen bzw.
Piloten-Umschulungen ausgelöst.
Deshalb habe man "entschieden, dass wir für 2016 keine
Langstreckenerweiterung vornehmen. Das trauen wir uns nicht, das
hätte uns überfordert", sagte Albrecht. Mit der bestehenden
Langstreckenflotte sei die Aufnahme neuer Fernziele vorgezogen
worden: Miami, Mauritius, Colombo/Sri Lanka sind ab Herbst im
Flugplan.
In der nächsten tourlichen Aufsichtsratssitzung am 3. Juni legt
die AUA fest, ob sie die Embraer kauft oder nur least. In der
AUA-Telefonkonferenz heute war eine klare Präferenz für einen Kauf -
mit teilweiser Fremdfinanzierung - festzumachen. "Wir wollen die
Flugzeuge nicht nur selbst fliegen, sondern auch auf unseren Büchern
haben", sagte Lachinger. "Wir reden von rund 350 Mio. Dollar
Gebrauchtwert." Zum Vergleich: Der Neupreis läge nach früheren
AUA-Angaben bei mehr als 800 Millionen Dollar.
Im Sommer will die AUA ihr Flugprogramm nochmals leicht
aufstocken. Um der "Saisonalität" gegenzusteuern, sollen Wartungen
ab heuer in den aufkommensschwachen Wintermonaten gemacht werden.
Albrecht: "In den Sommermonaten wollen wir alles, was zwei Flügel
und Triebwerke hat, in der Luft haben."
Ab Herbst 2015 werden zwei Airbus A320 der "Eurowings", der neuen
Lufthansa-Billigmarke, am Flughafen Wien stationiert. Geplant ist,
eine größere Basis des Low-Cost-Angebots auch aus Wien anzubieten,
hieß es heute. Es handelt sich laut Albrecht aber um keine
Inhouse-Konkurrenz, denn es werde sich um zusätzliche Ziele zur AUA
handeln.
(Schluss) rf/tsk
ISIN DE0008232125
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