VW-Krisengespräch in Salzburg laut Insidern beendet
Aufsichtsräte kamen zusammen - Gespräch am Sitz von
VW-Patriarch Piech - Zunächst keine Angaben zum Ergebnis des
Treffens
Im Machtkampf bei VW
zwischen Firmenpatriarch Ferdinand Piech und Konzernchef Martin
Winterkorn droht eine Zitterpartie. Zwar suchten wichtige
Aufsichtsräte am Donnerstag im kleinen Kreis einen Ausweg aus der
Krise. Nach einem Gespräch am Sitz von Piech in Salzburg wurde am
Abend jedoch zunächst nicht bekannt, ob das sechsköpfige
Aufsichtsratspräsidium eine Lösung gefunden hat.Eine mit den Beratungen vertraute Person bestätigte lediglich,
dass das Krisentreffen zu Ende gegangen sei. Piech hatte Winterkorn
vergangene Woche überraschend das Vertrauen entzogen.
Der bei VW einflussreiche Betriebsrat und das Land Niedersachsen
als zweitgrößter Aktionär hatten sich darauf hinter den
erfolgreichen Konzernboss gestellt. Das ebenfalls an VW beteiligte
Emirat Katar hatte sich skeptisch über den Verbleib von Winterkorn
an der Konzernspitze geäußert. Der Staatsfonds des erdölreichen
Landes machte sein Verhalten einem Medienbericht zufolge davon
abhängig, wen Piech als neuen Vorstandschef und als seinen
Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats präsentiert.
Das Londoner Analysehaus Evercore ISI ermittelte bei einer
Blitzumfrage unter mehr als 50 Anlegern, dass 80 Prozent von ihnen
einen Chefwechsel bei VW als positiv für die Aktie des größten
europäischen Autokonzerns einschätzen. Drei von vier Befragten
nannten Porsche-Chef Matthias Müller als bevorzugten Kandidaten. Die
große Mehrheit habe sich für ein schnelles Ende der Krise
ausgesprochen, rechnen aber mit einem monatelangen schädlichen
Hickhack bei Volkswagen.
Marktanalyst Heiko Ruland erwartet einer Übergangslösung. So
könne Müller oder VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch für zwei Jahre
den VW-Vorstandsvorsitz übernehmen, während sich die Neuzugänge im
Vorstand Herbert Diess und Andreas Renschler für den Chefposten
bewähren könnten.
Die Diskussion über die künftige Spitze von Volkswagen schwelt
schon länger wegen des fortgeschrittenen Alters der beiden
Hauptakteure. Porsche-Enkel Piech wird am Freitag 78 Jahre alt und
ist noch bis 2017 gewählt. Der Vertrag des 67-jährigen Winterkorn
wäre Ende 2016 ausgelaufen. Winterkorn hatte zunächst mit einer
Verlängerung seiner Amtszeit um ein, zwei Jahre geliebäugelt, um
Piech danach an der Spitze des Aufsichtsrats abzulösen. Ein
Nachfolger für Winterkorn in der Unternehmensführung war bisher
nicht in Sicht, galt der promovierte Metallkundler doch als
unersetzlich. Unter seiner Ägide hat Volkswagen seine Auslieferungen
auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge gesteigert und steht kurz
davor, Toyota als Weltmarktführer abzulösen.
In dem weltumspannenden Autoreich mit mehr als 100 Fahrzeugwerken
und beinahe 600.000 Beschäftigten haben sich allerdings in letzter
Zeit Probleme angehäuft - so schwächelt beispielsweise die Rendite
der Hauptmarke VW, was Piech schon länger ein Dorn im Auge ist. Der
Chefkontrolleur ist Insidern zufolge zudem über lahmende Geschäft in
den USA erbost, wo die Wolfsburger mangels attraktiver Modelle mit
schrumpfenden Verkaufszahlen kämpfen.
(Schluss) gru
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