Fondsbranche schlägt "Vorsorgedepot" für Pension und Pflege vor
Ergänzung zur Zukunftsvorsorge - Aber ohne Prämie und
verpflichtende Garantien - Fondsvolumina in Österreich Ende
März auf neuem Rekordhoch
Ein spezielles "Vorsorgedepot" für die dritte
private Säule der Pensions- und auch der Pflegevorsorge schlägt die
Investmentfondsbranche vor. Das Produkt soll die Zukunftsvorsorge
ergänzen, allerdings ohne staatliche Prämie. Investmentfonds
florieren weltweit. In Österreich gab es Ende März ein neues
Rekordhoch bei den Volumina, erklärten heute Vertreter der in- und
ausländischen Anbieter.Gesetzlich festgeschriebene Garantien soll es für das
Vorsorgedepot nicht geben, der Kunde könne sich aber für den Kauf
garantierter Produkte entscheiden, so Heinz Bednar, Präsident der
Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), am
Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Vereinigung
Ausländischer Investmentgesellschaften (VAIÖ) anlässlich des am 19.
April stattfindenden Weltfondstages.
Bei den übrigen Bedingungen soll es eine Gleichstellung mit der
Zukunftsvorsorge geben, wie etwa die Steuerfreiheit in der
Ansparphase und eine Nachversteuerung bei nicht-widmungsgemäßer
Verwendung. Eine staatliche Prämie sei für das Vorsorgedepot nicht
notwendig. Das Argument, es solle keine Prämie für Spekulanten
geben, falle bei dem Produkt daher weg. Die Zukunftsvorsorge wird
vor allem von Versicherungen angeboten: Bei den Assekuranzen waren
2013 rund 94 Prozent der mehr als 1,6 Millionen Verträge
abgeschlossen, der Rest bei den Kapitalanlagegesellschaften.
Über die genaue Ausgestaltung des Vorsorgedepots wie
beispielsweise mögliche Deckelungen könne man noch diskutieren, so
Bednar. Im Mai haben Branchenvertreter einen Termin beim
Finanzminister. Auch international seien solche Varianten üblich.
Große Volumina, die international veranlagt werden, seien im
Wesentlichen Pensionsgelder, wurde heute betont.
Bei den Investmentfonds in Österreich habe es in den vergangenen
zwölf Monaten in fast allen Asset-Klassen eine sehr gute Performance
gegeben. Das Umfeld habe sich in den vergangenen 12 bis 18 Monaten
sehr gut entwickelt, es deute einiges darauf hin, dass es in
gleicher Richtung weitergehe, eventuell nicht im gleichen Tempo. Die
gute Stimmung in Österreich komme von den internationalen Märkten,
so VAIÖ-Vorstandssprecher Berndt May.
Bei den Neuabsätzen orten die Branchenvertreter einen Trend zu
aktiv gemanagten Fonds sowie Mischfonds, was als leichtes
Herantasten an Aktien auch bei den Privatkunden gesehen wird.
Die Fondsvolumina in Österreich erreichten per Ende März 2015 mit
168,9 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert und übertrafen damit den Wert
von 2006 mit 167,3 Mio. Euro. Der gesamte Nettomittelzufluss lag im
ersten Quartal bei 2,9 Mrd. Euro. Der größte Teil der Fondsvolumina
entfiel mit rund 43,5 Prozent auf Rentenfonds. Dahinter lagen
gemischte Fonds mit rund 41 Prozent und Aktienfonds mit 15,4
Prozent. Zu möglichen Umschichtungen von Anleiheninvestments wies
Bednar darauf hin, dass es eher um eine Frage der Gewichtung bzw.
das Portfolio gehe.
Weltweit lag das von Fonds verwaltete Vermögen Ende 2014 bei 25,8
Billionen Euro (2013: 23,8 Billionen Euro), so May. Die
Nettoverkäufe erreichten mit 1,17 Billionen Euro den höchsten Wert
seit 2007, so May. Die bei europäischen Fondsgesellschaften
angelegten Gelder lagen bei 11,3 Billionen Euro. Weltweit gab es
79.699 Fonds, davon 55.595 in Europa. Auf Aktienfonds entfielen
weltweit rund 40 Prozent des weltweit verwalteten Volumens, auf
Anleihenfonds 22 Prozent. Die Dominanz der US-Aktien ebbe etwas ab,
so May. Europa rücke wieder ins Zentrum des Interesses.
Der Weltfondstag wird heuer in Österreich zum dritten Mal
begangenen. Als Vater der Investmentfonds gilt der niederländische
Kaufmann Adriaan van Ketwich, der am 19. April 1744 geboren wurde.
Er brachte 1774 das erste Gemeinschaftsvermögen namens "Eintracht
macht stark" auf den Weg.
(Schluss) itz/ivn