KSV-Experte zweifelt an Sinnhaftigkeit der Lehrlingsförderung
Kantner: "Ohne Lehrlingsförderung müssten Firmen nur 0,25
statt 0,45 Prozent der Lohnsumme einzahlen" - Zumindest sei
Nutzung des Insolvenzentgeltfonds für diese Förderung zu
hinterfragen
Der Leiter der Insolvenzabteilung im KSV 1870,
Hans-Georg Kantner, hat am Dienstag mit Zweifeln am Sinn der
Lehrlingsförderung aufhorchen lassen. Diese fließt aus dem
Insolvenzentgeltfonds, "was ein rotes Tuch für mich ist", sagte er
im Club der Wirtschaftspublizisten. Denn das erhöhe die
Lohnnebenkosten, die praktisch alle Player eigentlich senken
wollten.Würde eine Lehrlingsförderung aus der Arbeitsmarktförderung
fließen, ginge das in Ordnung, sagte Kantner erst auf Nachfragen von
Journalisten. "Ohne Lehrlingsförderung müssten Firmen nur 0,25 statt
0,45 Prozent der Lohnsumme in den Insolvenzentgeltfonds einzahlen."
Kantner geht prinzipiell davon aus, dass so gut wie kein Lehrling
wegen der Lehrlingsförderung in einem Unternehmen unterkomme. Es
gehöre hinterfragt, "wie sinnvoll ist die Lehrlingsförderung?".
Kantner appellierte "an die Wirtschaft und Politik", die Förderung
abzuschaffen - zumindest eben über den Insolvenzentgeltfonds.
Die Wirtschaftskammer habe zum Jahresstart "gefeiert", dass der
Beitragssatz für den Fonds von 0,55 auf 0,45 Prozent der Lohnsumme
gesenkt wurde, "aber nach gegenwertigem Firmen-Insolvenzniveau
brauchen wir eben nur 0,25 Prozent".
Der Insolvenzentgeltfonds habe 2014 490 Mio. Euro eingenommen.
Davon seien 236 Mio. Euro "im ureigenen Sinn für Insolvenzen"- bzw.
für betroffene Mitarbeiter - ausbezahlt worden. 166 Mio. Euro seien
für die Lehrlingsförderung geflossen. Um eben diese 166 Mio. Euro
könne man den Dienstgeberanteil an den Lohnnebenkosten senken, so
Kantners Überzeugung. Mit den 166 Mio. Euro würden "Lehrherren
grosso modo ohnehin sich selbst fördern".
Im Übrigen ortet der Gläubigerschützer in der Förderung ein
Signal an die Lehrlinge, das ebenso zu hinterfragen sei: "Ihr seid
jemand, den man subventionieren muss." Andererseits sei es natürlich
für einen Politiker wie den Sozial- und Arbeitsminister schön, zu
sagen, "wir fördern die Lehrlinge".
Auch merkte Kantner kritisch an, dass der Wirtschaftskammer jene
Stelle gehöre (Inhouse GmbH), die die Abwicklung von Förderungen für
Lehrbetriebe erledigt - also habe auch die Kammer etwas von den
Lohnnebenkosten für die Lehrlingsförderung, die sie eigentlich
senken solle, sagte Kantner.
( S E R V I C E - Hier findet man die Auflistung der Ausgaben des
Insolvenzentgeltfonds im Internet: http://go.apa.at/nYfRedie )
(Schluss) phs/tsk
WEB http://www.ksv.at