Visa will durch "Tokenisierung" Kreditkartenzahlungen sicherer machen
Pseudo-Kartennummern sollen besser vor Datenmissbrauch
schützen - Bargeldanteil im Handel noch immer bei 70 Prozent -
90,7 Euro pro Kauf mit Visakarte in Österreich
Die Kreditkartenfirma Visa
hat ein neues System zur Verbesserung der Sicherheit von
Kreditkartenzahlungen entwickelt. Durch den Ersatz der tatsächlichen
Kartennummer durch einen Platzhalter - "Tokenisierung" genannt -
soll Hackern der Betrug erschwert werden. Noch 2015 werde dieser
Service zur Verfügung stehen, sagte Ottmar Bloching, Managing
Director für Zentraleuropa, am Donnerstag in Wien.Der Einsatz eines "Token" als Platzhalter der tatsächlichen
Kartennummer sei der Schlüssel, um "Sicherheit und Regulierbarkeit"
unter einen Hut zu bringen. "Wir machen nicht den Safe noch
sicherer, sondern den Inhalt des Safes für Verbrecher
uninteressanter", sagte Bloching. Das System funktioniere so, dass
etwa beim Einchecken in ein Hotel dort nicht die tatsächliche
sondern eine Pseudo-Kartennummer abgespeichert werde. Die
tatsächliche Kartennummer werde in einem Datensicherheitszentrum bei
Visa gespeichert. Im Falle eines Diebstahles der Kreditkartennummern
des Hotels könnten die Hacker damit nicht wahllos im Internet
bezahlen, sondern wären beispielsweise nur auf die Bezahlung von
Hotelrechnungen beschränkt.
Bloching sieht die Kreditkartenbranche in einem generellen
Wandel. Die Bezahlsysteme veränderten sich in Richtung kontaktloses
Bezahlen mittels Handys, Smartphones oder Online. "Einfachheit und
Sicherheit" seien für die erfolgreiche Verbreitung des kontaktlosen
und mobilen Bezahlens entscheidend.
Bloching rechnet damit, dass die EU-weite Regulierung der
Interbankenentgelte den Händlern 6 Mrd. Euro an Einsparungen bringen
wird. Alle Spieler in diesem System sollten davon Vorteile haben -
Konsumenten, Händler, Banken, Dienstleister, Regulatoren, Betreiber
und die digitalen Player. Das Bezahlen mit Karte dürfe nicht teurer
als barzahlen sein. Visa Europe selbst werde heuer mehr als 200 Mio.
Euro in neue Zahlungstechnologien investieren.
Großes Potenzial sieht Bloching im Umstand, dass
Bargeld-Transaktionen in Europa noch immer einen Anteil von 70
Prozent haben. Gerade durch das mobile Bezahlen sollten Zahlungen
einfacher, schneller aber auch sicherer werden. "Der Konsument ist
experimentierfreudiger geworden", meinte Bloching.
Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, mittels einer Smartphone-App
weltweit in jeder Währung Zahlungen zwischen Privatpersonen
abzuwickeln, etwa um Geld an Verwandte oder Freunde zu überweisen.
"In maximal 20 Minuten ist das Geld beim Empfänger", so Bloching.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr - per Ende September 2014 - lag der
Gesamtumsatz mit Visa-Karten in Europa bei über 2 Billionen Euro. Im
Handel wurden über 1,5 Billionen Euro abgerechnet, Online-Käufe
stiegen um 17 Prozent auf 280 Mrd. Euro. "Von 6 Euro in Europa
bezahlten Euro entfällt ein Euro auf Visa", so Bloching. 514
Millionen Karten sind im Umlauf, davon 100 Mio. kontaktlose Karten.
Es wurden 37 Mrd. Transaktionen abgewickelt. In Spitzenzeiten - zu
Weihnachten - waren es pro Sekunde 1.622. Die Betrugsquote machte
0,045 Prozent aus. An Gebühren wurden 1,9 Mrd. Euro eingenommen, ein
Plus von 9 Prozent. Der Gewinn stieg um 30 Prozent auf 343 Mio.
Euro.
Die Kontaktlos-Technologie steht auch in Österreich im
Mittelpunkt. Mehr als 30 Prozent der Terminals wurden bereits
umgestellt, bis spätestens 2019 sollen alle Terminals ausgetauscht
werden, sagte Österreich-Manager Kurt Tojner.
In Österreich sind 1,7 Millionen Visa-Karten in Gebrauch, davon
1,5 Millionen bei Privatkunden. Der Marktanteil betrage rund 40 bis
45 Prozent. Ein Drittel der Karten sind bereits mit
Kontaktlosfunktion ausgestattet. Durchschnittlich wurde eine
Visa-Karte 39 Mal pro Jahr eingesetzt. Der durchschnittliche Betrag
pro Einkauf ging von 108 auf 90,7 Euro zurück, bei Firmenkarten
liegt der Schnitt bei 130 Euro. Die Transaktionen nahmen um 14,4
Prozent zu.
(Schluss) ggr/itz
ISIN US92826C8394
WEB www.visa.com