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Eurozone Composite PMI erreicht im Januar 5-Monatshoch und signalisiert positiven Jahresauftakt
Die Eurozone verzeichnete im Januar das kräftigste Wirtschaftswachstum seit fünf Monaten. Dies signalisiert der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der binnen Monatsfrist um 0.8 Punkte auf 52.2 stieg. Die aktuelle Schnellschätzung beruht auf etwa 85% der regulären Umfragerückmeldungen.
Nach der Wachstumsverlangsamung im Oktober und November letzten Jahres hat die Konjunktur jetzt zum zweiten Mal hintereinander wieder an Dynamik gewonnen, wenngleich der aktuelle Index abermals unter dem Vorjahresdurchschnitt von 52.7 notiert.
Dank der anziehenden Nachfrage fiel der Zuwachs beim Auftragseingang im Januar so hoch aus wie zuletzt vor fünf Monaten. Im November hatte hier hoch ein geringfügiges Minus zu Buche geschlagen.
Die Auftragsbestände nahmen zwar erneut ab, der Rückgang fiel jedoch so geringfügig aus wie seit fünf Monaten nicht mehr.
Angesichts dessen und infolge der jüngsten Auftragsgewinne beschleunigte sich auch der Beschäftigungsaufbau. Der entsprechende Index verzeichnete den größten monatlichen Zuwachs seit Juli, insgesamt fiel der Jobaufbau jedoch ein weiteres Mal enttäuschend aus.
In nahezu identischem Tempo ging es sowohl mit der Industrieproduktion als auch mit den Geschäften im Servicesektor aufwärts, und auch die jeweiligen Jobindizes verzeichneten annähernd gleiche Zuwachsraten. Allerdings blieben die Steigerungsraten unter ihren Langzeit-Durch-schnittswerten, vor allem beim Auftragseingang in der Industrie, wo die Unternehmen nur ein mageres Plus verbuchten.
Der Preiseinbruch bei Öl war einer der Haupt-gründe dafür, dass die Einkaufspreise erstmals seit Mai 2013 insgesamt wieder zurückgingen, und zwar so zügig wie seit September 2009 nicht mehr. Zu spüren war dies hauptsächlich in der Industrie, wo die Einkaufspreise so rasant sanken wie zuletzt im Juli 2009. Im Servicesektor setzte sich der Kostenauftrieb wegen der höheren Löhne und Gehälter hingegen fort, gleichwohl fiel der Anstieg hier so schwach aus wie zuletzt im Februar 2010.
Der überwiegende Preisrückgang hatte mit zur Folge, dass auch die Verkaufspreise so kräftig reduziert wurden wie seit Februar 2010 nicht mehr. In der Industrie sank der entsprechende Index auf den tiefsten Wert seit Juni 2013, im Servicesektor erreichte er zum zweiten Mal den tiefsten Wert seit fünf Jahren.
Am stärksten fiel der Aufschwung im Januar erneut in den Ländern außerhalb Deutschlands und Frankreichs aus. Hier legte die Wirtschaftsleistung dank der Wachstumsbeschleunigung sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor im Durchschnitt so kräftig zu seit Juli 2014 nicht mehr. Im Dezember war der Durchschnittswert der Indizes für diese Länder auf ein 13-Monatstief gesunken.
Frankreich schnitt im Januar erneut am schlechtesten ab. Hier schrumpfte die Wirtschafts-leistung den neunten Monat in Folge und mit beschleunigter Rate. Insgesamt fielen die Geschäftseinbußen hier allerdings nur geringfügig aus. Der Servicesektor vermeldete einen neuerlichen Geschäftsrückgang, während sich die Talfahrt in der Industrie verlangsamte. Ganz erfreulich fiel der Auftragseingang aus, hier verbuchten die Firmen das höchste Plus seit März letzten Jahres. Infolgedessen stabilisierte sich die Beschäftigung weitgehend. Die Einkaufspreise sanken erstmals seit Mai 2013, die Verkaufspreise wurden mit der zweithöchsten Rate seit 2009 reduziert.
In Deutschland beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum im Januar zum zweiten Mal hintereinander wieder, wenngleich die jeweiligen Steigerungsraten in der Industrie und im Servicesektor deutlich niedriger ausfielen als während der jüngsten Hochs letzten Sommer. Der Auftragseingang legte minimal zu, nachdem es im November und Dezember zu Einbußen gekommen war, weshalb sich der moderate Jobaufbau fortsetzte. Ungeachtet der Einführung des Mindestlohns sackten die Einkaufspreise so stark ab wie zuletzt im September 2009, woraufhin die Verkaufspreise so kräftig reduziert wurden wie zuletzt im Februar 2010.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Die Eurozone hat einen guten Start ins neue Jahr erwischt, was der Anstieg des Composite-PMI auf ein Fünf-Monatshoch signalisiert. Allerdings ist die Wachstumsrate nach wie vor Besorgnis erregend niedrig. So deutet der Index lediglich auf ein BIP-Wachstum von mageren 0.2% auf Quartalsbasis hin, womit die Konjunktur nicht nur weiter auf wackligen Beinen steht, sondern auch anfällig für Risiken und Rückschläge bleibt. Ungeachtet dessen sprechen zahlreiche Gründe dafür, dass das Wirtschafts-wachstum in den kommenden Monaten weiter anzieht.
Die Geschäftsaussichten im Servicesektor haben sich bereits verbessert und sind momentan so gut wie seit März letzten Jahres nicht mehr. Und die zusätzlichen Anreize, die von der ganzen Bandbreite der Maßnahmen der Quantitativen Lockerung seitens der EZB ausgehen, sollten der Stimmung unter den Unternehmen und privaten Haushalten ebenfalls auf die Sprünge helfen.
Der jüngste Preiseinbruch bei Öl wirkt sich schon auf das Preisniveau aus und die Verkaufspreise der Unternehmen sinken so rasant wie seit nahezu fünf Jahren nicht mehr. Für die privaten Haushalte sind die niedrigen Ölpreise ein Segen, wenngleich dies unweigerlich die Sorgen vor einer drohenden Deflation vergrößert. Angesichts der stärksten Auftragszuwächse in der Industrie und im Servicesektor seit fünf Monaten dürften die niedrigeren Einkaufspreise jedoch wohl eher die Verbraucherausgaben steigen lassen als dazu führen, dass die privaten Haushalte Anschaffungen in Erwartung niedrigerer Preise auf die lange Bank schieben.”
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