Sanochemia: Politische Krisen durchkreuzen Geschäftsstrategie
CEO Frantsits: Aus arabischem Frühling wurde arabisches Chaos,
Rubel-Verfall schwächt Kaufkraft russischer Spitäler - Künftig
stärkerer Fokus auf US-Markt
"Wir haben leider im letzten Geschäftsjahr leider
keine brauchbare Performance entwickelt", kommentierte
Sanochemia-Chef Werner Frantsits die Ausweitung des Konzernverlusts
von 1,2 auf 3,4 Mio. Euro. Vor allem geopolitische Entwicklungen
hätten die Strategie der Sanochemia durchkreuzt, sich auf Emerging
Markets mit meist zweistelligen Wachstumsraten im Pharmabereich zu
konzentrieren.Dabei habe sich die Ausrichtung auf Emerging Markets anfangs gut
entwickelt, "bis die ersten Probleme mit dem sogenannten Arabischen
Frühling kamen. Vom Frühling ist nichts mehr zu sehen - im
Gegenteil, es ist das arabische Chaos daraus entstanden", sagte
Frantsits am Donnerstag in Wien bei der Präsentation der
Ergebniszahlen. "Unsere starken nordafrikanischen Abnahmeländer sind
heute eine latente Katastrophe." So gebe es z.B. aus Libyen große
Bestellungen, "aber niemand weiß, wer genau die Regierung ist, und
wenn es um die Zahlungen geht, weiß auch niemand, wer die Zahlungen
durchführen würde".
Auch die Märkte in Syrien und Jordanien habe man praktisch
verloren, sagte Frantsits. In Jordanien werde zwar nicht gekämpft,
aber dort warte man ein Jahr lang darauf, dass die Spitäler ihre
Rechnungen bezahlen. " Was haben wir vom Umsatz, wenn wir dann ewig
auf das Geld warten", erklärte der für den Vekauf zuständige
Vorstand Klaus Gerdes das Dilemma.
"Das, was uns im letzten Jahr besonders getroffen hat, ist, was
der Herr Putin aufführt", sagte Frantsits. Die Entwicklung am
russischen Markt habe anfangs sehr gut ausgesehen, aber "im April,
Mai des Vorjahres hat alles angefangen niederzubrechen". Durch den
Wertverfall des Rubels hätten die russischen Spitäler nicht mehr
genug Geld für notwendige Einkäufe. Alle diese Krisenfolgen zusammen
hätten die Sanochemia vier oder fünf Mio. Euro Umsatz gekostet. Dazu
komme noch, dass sich seit dem Atomunfall in Fukushima das für
Sanochemia wichtige Jod sehr stark verteuert habe.
Derzeit gebe es auf der Welt nur drei stabile Pharma-Märkte,
sagte Frantsits - Europa, die USA und Japan. "Diese drei machen
zusammen 75 Prozent des weltweiten Pharmamarktes aus." Wobei in
Europa zunehmend versucht werde, die Gesundheitskosten zu drücken.
Künftig werde man sich daher wieder verstärkt den USA zuwenden, die
der stabilste und ertragreichste Markt im Pharmabereich seien.
53 Prozent ihres Umsatzes macht Sanochemia mit
Humanpharmazeutika, 18 Prozent mit Veterinärmedikamenten, 28 Prozent
stammen aus der Produktion und 1 Prozent aus Forschung und
Entwicklung. Das einzige positive Segment waren im Vorjahr die
Humanpharmazeutika, wo der Umsatz um mehr als 3 Mio. Euro gesteigert
und ein EBIT von 1,4 Mio. Euro erzielt wurde.
Dass die Sanochemia seit nunmehr 15 Jahren an der Börse ist,
könnte ein Grund zum Feiern sein, allerdings sei die aktuelle
Entwicklung des Aktienkurses "kein Ruhmesblatt", räumte
Sales-Vorstand Gerdes ein. Die Sanochemia-Aktie ist heute 0,95 Euro
wert, vor einem Jahr notierte sie noch bei 1,92 Euro.
Primäres Ziel sei es jetzt, "erst einmal eine schwarz Null" zu
haben, sagte Gerdes. Darum habe man seit Mitte des vergangenen
Jahres ein Sparprogramm initiiert. Die kurzfristigen Schulden des
Unternehmens belaufen sich auf 12,89 Mio. Euro.
(Schluss) ivn/itz
ISIN AT0000776307
WEB http://www.sanochemia.at