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Wachstum der Eurozone gewinnt im Juli wieder an Schwung trotz anhaltender Krise in Frankreich
- Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 54.0 (Juni 52.8); 3-Monatshoch
- Flash Eurozone Service-Index Geschäfts-tätigkeit bei 54.4 (Juni 52.8); 38-Monatshoch
- Flash Eurozone EMIâ„¢ Industrie bei 51.9 (Juni 51.8); 2-Monatshoch
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 53.0 (Juni 52.8); 2-Monatshoch
Das Wirtschaftswachstum der Eurozone hat im Juli wieder an Dynamik gewonnen und fiel stärker aus als im Durchschnitt des ersten Halbjahrs 2014. Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der gegenüber dem Sechs-Monatstief im Juni um 1.2 Punkte auf 54.0 zulegte. Der Index spiegelt die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor in einem Wert wider.
Den Umfrageteilnehmern zufolge war der Knick in den Vormonaten zum einen auf die höhere Anzahl an Feiertagen und häufiger als sonst genutzte Brückentage, aber auch auf die ins Stocken geratene Wirtschaft im Nachgang des milden Winters zurückzuführen.
Der Auftragseingang fiel insgesamt etwas schwächer aus als im Vormonat. So scheint vor allem der Industriesektor unter der eskalierenden Krise in der Ukraine zu leiden, was daran zu erkennen war, dass die Produktion und das Neugeschäft hier nur minimal zulegten und die Zuwachsraten von Anfang des Jahres deutlich unterschritten wurden. Im Servicesektor liefen die Geschäfte hingegen so gut wie seit über drei Jahren nicht mehr.
Wegen der unsicheren Wachstumsperspektiven sowie dem anhaltenden Kosten- und Wettbewerbsdruck blieb der Jobaufbau in beiden Sektoren äußert schwach. Im Vergleich zum kräftigen Stellenabbau im Vorjahreszeitraum stellt der viermonatige minimale Zuwachs jedoch zumindest eine kleine Verbesserung dar.
Die Verkaufspreise wurden insgesamt etwas stärker reduziert als im Juni. Der seit April 2012 anhaltende Rückgang fällt jedoch nach wie vor deutlich schwächer aus als zum Höhepunkt der Finanzkrise. In der Industrie wurden die Verkaufspreise minimal erhöht, im Servicesektor reduziert.
Der Kostendruck legte leicht zu. So fiel der zweite Anstieg der Einkaufspreise in der Industrie in Folge stärker aus als in den zurückliegenden sechs Monaten, während der Kostenauftrieb im Servicesektor etwas nachließ.
Auf Länderebene klaffte weiter ein großer Unterschied zwischen einem kriselnden Frankreich und dem beschleunigten Aufschwung in den anderen Ländern.
In Frankreich schrumpfte die Wirtschaftsleistung den dritten Monat in Folge, nachdem es im Frühjahr kurzzeitig bergauf gegangen war. Während die Geschäfte der französischen Dienstleister minimal anzogen, sank die Industrieproduktion so zügig wie seit April 2013 nicht mehr.
In Deutschland expandierte die Wirtschaft im Juli nach dem Knick im Vormonat wieder so stark wie zuletzt im April, im Servicesektor liefen die Geschäfte sogar so gut wie seit über drei Jahren nicht mehr. Und auch die Industrieproduktion wurde wieder deutlich stärker ausgeweitet als im Juni, wenngleich die Steigerungsrate nicht an die Werte vom Jahresanfang heranreichte.
In den übrigen von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern stieg die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt so stark wie zuletzt im August 2007, und der Auftragseingang legte so zügig zu wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die Industrieproduktion wurde zwar mit leicht verminderter Rate gesteigert, der Index Geschäftstätigkeit im Servicesektor erreichte hingegen ein Sieben-Jahreshoch.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Die Eurozone hat sich im Juli wieder berappelt und dürfte mit einer der höchsten Wachstumsraten der letzten drei Jahre aufwarten. Allerdings deutet der aktuelle Composite Flash PMI lediglich auf ein Wachstum von 0,4% auf Quartalsbasis hin – zu wenig, um die Unternehmen zu einem nennenswerten Jobaufbau zu ermutigen. Unterm Strich blieb der Stellenaufbau auch im Juli äußerst verhalten, was die Arbeitslosigkeit nicht nachhaltig senken wird.
Die Schwächephase dürfte teilweise auf geopolitische Faktoren, insbesondere auf die Sorgen vor möglichen negativen Folgen einer weiter eskalierenden Lage in der Ukraine zurückzuführen sein. So ist nicht ausgeschlossen, dass die Unternehmen vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unsicherheit wichtige einkaufs-, investitions- und beschäftigungsrelevante Entscheidungen immer weiter aufschieben, was das Wachstum weiter dämpfen könnte.
Erfreulich, dass die Peripherieländer – trotz der politischen belasteten Stimmung – weiter so stark wachsen wie seit 2007 nicht mehr. Und auch in Deutschland geht es kräftig aufwärts, hier macht der boomende Servicesektor das schwächelnde Industriegeschäft weitgehend wett.
Trotz des beschleunigten Aufschwungs in der Peripherie und eines 0,7-0,8-prozentigen Wachstums in Deutschland tritt die französische Wirtschaft bestenfalls auf der Stelle. Sorgenkind bleibt der stagnierende Servicesektor, der auf eine schwache Binnennachfrage und eine sich verschlechternde Stimmung unter den Unternehmen und privaten Haushalten hindeutet. Immer alarmierender ist die Nachricht vom schrumpfenden Industriesektor.“
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