Niedrigzinsumfeld drückt 2013 OeNB-Gewinn
Bund erhält inklusive Körperschaftsteuer 256 Mio EUR
"Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) konnte im
Geschäftsjahr 2013 wieder ein gutes Ergebnis erreichen", merkte
Präsident Dr. Claus J. Raidl einleitend bei der Pressekonferenz zur
Generalversammlung, zum Geschäftsbericht und zur Jahresbilanz der
OeNB an. "Das erwirtschaftete Ergebnis lag mit 662 Mio EUR allerdings
um ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Nach der Zuführung zur
Risikorückstellung in Höhe von 300 Mio EUR, den Abschreibungen auf
Fremdwährungen und Wertpapiere von insgesamt 73 Mio EUR und der
kompletten Auflösung der Rückstellung im Zusammenhang mit
geldpolitischen Geschäften des Eurosystems von 9 Mio EUR ergibt sich
für 2013 ein geschäftliches Ergebnis von 298 Mio EUR, das um 21 %
unter dem Vorjahresergebnis (2012: 377 Mio EUR) blieb", so Präsident
Raidl.
Gouverneur Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny führt den Rückgang beim
erwirtschafteten Ergebnis im Wesentlichen darauf zurück, dass das
Nettozinsergebnis - die traditionell wichtigste Ertragskomponente
einer Zentralbank - sich gegenüber 2012 bedingt durch die
Niedrigzinspolitik der EZB um 18 % auf 834 Mio EUR reduzierte.
Die OeNB hat seit 2006 2,9 Mrd EUR an Risikorückstellungen
aufgebaut. Die gesamten Risikovorsorgen (inklusive Mittel zur
Verlustabdeckung) liegen bei 6,4 Mrd EUR.
Der Bund erhält vom geschäftlichen Ergebnis 256 Mio EUR (2012: 349
Mio EUR), wovon 75 Mio EUR auf die Körperschaftsteuer und 181 Mio EUR
auf den 90%igen Gewinnanteil des Bundes entfallen.
Der Bilanzgewinn betrug im Jahr 2012 28,3 Mio EUR, 2013 waren es
20,1 Mio EUR. Laut heutigem Beschluss der Generalversammlung werden
davon 1,2 Mio EUR für die Ausschüttung einer 10%igen Höchstdividende
auf das Grundkapital von 12 Mio EUR an den Alleineigentümer Bund und
10 Mio EUR als Zuweisung von Förderungsmitteln an den
OeNB-Jubiläumsfonds zur Förderung der Forschungs- und Lehraufgaben
der Wissenschaft verwendet. Die verbleibenden 8,9 Mio EUR werden der
Gewinnglättungsrücklage zugeführt.
Die Personalaufwendungen für Mitarbeiter im Aktivstand stiegen im
Jahr 2013 auf 136 Mio EUR (2012: 131 Mio EUR). Die Zunahme resultiert
aus den kollektivvertraglichen Valorisierungen und Erhöhungen der
gesetzlichen Sozialaufwendungen. Bedingt durch neue Aufgaben im
Rahmen der europäischen Bankenaufsicht (Single Supervisory Mechanism
- SSM) wurde das Personal in diesem Bereich weiter aufgestockt. Die
gesamten Mitarbeiterressourcen (Teilzeitkräfte sind anteilsmäßig
inkludiert) für die OeNB beliefen sich Ende 2013 auf 1.089 (2012:
1.072).
Die für den Bereich der Bankenaufsicht entstandenen Kosten
beliefen sich für die OeNB im Geschäftsjahr 2013 auf 24,5 Mio EUR
(2012: 21,2 Mio EUR). Die Finanzmarktaufsichtsbehörde refundiert
davon den gesetzlichen Maximalbetrag von 8 Mio EUR.
Die Sachaufwendungen lagen mit knapp 82 Mio EUR um 3,2 % unter dem
Vorjahreswert. Deutlich geringere Aufwendungen für Dienstleistungen
sowie erheblich reduzierte Kosten für Fremdpersonal waren dafür
ausschlaggebend.
Die Nettowährungsposition der OeNB verringerte sich auf 13,4 Mrd
EUR. Der Rückgang um 4,7 Mrd EUR gegenüber dem Bilanzstichtag 2012
ist im Wesentlichen auf verminderte buchmäßige Kursgewinne bei Gold
aus der Bewertung zum 31. Dezember 2013 zurückzuführen. Von der
Nettowährungsposition entfallen 7,8 Mrd EUR auf Goldbestände.
Veränderungen des Goldkurses schlagen bei der OeNB nicht auf die
Gewinn- und Verlustrechnung durch.
Die von der OeNB gehaltenen Goldreserven betragen 280 Tonnen.
Dieser Bestand ist seit 2007 unverändert. Die Goldreserven stehen im
Eigentum der OeNB und werden mit größter Sorgfalt gehalten und
verwaltet. Gemäß dem aktuellen Lagerstellenkonzept hält die OeNB
derzeit 17 % ihrer Goldbestände in Österreich, 80 % im Vereinigten
Königreich und 3 % in der Schweiz. Diese Verwahrung auf
internationalen Goldhandelsplätzen hat den essenziellen Vorteil, dass
größere Mengen im Bedarfsfall schnell in gängige Reservewährungen
eingetauscht werden können.
Was das Unternehmen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
betrifft, verwies Gouverneur Nowotny darauf, dass 2013 ein in
vielerlei Hinsicht sehr schwieriges Jahr war: "Die OeNB war zum einen
weiterhin sehr stark gefordert, ihre Expertise zur Überwindung der
Krise, bei der Umsetzung wirtschaftspolitischer Reformen, beim Aufbau
der Bankenaufsicht sowie zur Bewältigung der Probleme bei
Einzelbanken einzubringen. Zum anderen waren aber auch im internen
Bereich weitreichende Entscheidungen des Managements erforderlich".
OeNB reformiert die Pensionsbestimmungen für alte Dienstrechte...
Nach Prüfung der Pensionsleistungen der OeNB, insbesondere der
Dienstbestimmungen I-III, durch den Rechnungshof reagierte die OeNB
umgehend auf die diesbezüglichen Empfehlungen und beschloss eine
interne Pensionsreform. Gleichzeitig besteht auch seitens der
österreichischen Bundesregierung ein Gesetzesentwurf, der mit Wirkung
1.1.2015 in die Dienst- und Pensionsrechte der aktiven und
pensionierten Mitarbeiter massiv eingreifen soll. Die OeNB hat in
einer ausführlichen Stellungnahme ihre Bedenken gegen dieses geplante
Sonderpensionenbegrenzungsgesetz dargelegt. Insbesondere verwehrt
sich die OeNB gegen den rechtsstaatlich äußerst bedenklichen Schritt,
per Verfassungsgesetz die Überprüfbarkeit dieses Gesetzes durch den
Verfassungsgerichtshof auszuschließen bzw. massiv zu erschweren. Die
vereinbarte und von mehr als zwei Drittel der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Dienstbestimmungen I und II akzeptierte Reform, die
für diese somit auch bereits umgesetzt ist, setzt elementare Teile
des Gesetzesentwurfes sowie die Empfehlungen des Rechnungshofes um
und sollte daher im Gesetzesentwurf entsprechend berücksichtigt
werden.
... und unterzieht sich einer externen Optimierungsanalyse
Das anhaltend niedrige Zinsniveau bei der Veranlagung der Reserven
und der damit einhergehende steigende Ertragsdruck machen nachhaltige
Kosteneinsparungen notwendig. Ein externer Berater wird daher von
Mitte 2014 bis Mitte 2015 die gesamte Ablauf- und Aufbauorganisation
der OeNB durchleuchten und dabei helfen, Synergien zu heben und
Kosten zu senken. Eckpunkte der Untersuchung sind die Neudefinition
und Überarbeitung des Aufgabenportfolios, die Steigerung der
Effektivität und der Effizienz sowie Potenziale für mögliche
Auslagerungen. Ziel dieser Unternehmensanalyse ist es, ein modernes,
leistungsorientiertes, effizientes und ertragsstarkes Unternehmen zu
formen.
Wirtschaftsaufschwung zeichnet sich im Euroraum und in Österreich ab
Die Überwindung der wirtschaftlichen Krise gelang auch im Jahr
2013 nicht gänzlich, das Wirtschaftswachstum war weiterhin sehr
verhalten. In den Jahren 2014 und 2015 zeichnet sich jedoch gemäß den
jüngsten Prognosen der Europäischen Kommission vom Mai 2014 im
Euroraum und noch stärker in Österreich eine wirtschaftliche Erholung
ab. Für heuer wird in Österreich ein Wirtschaftswachstum von 1,6 %
erwartet; im Jahr 2015 wird es sich voraussichtlich auf 1,8 %
beschleunigen. Damit wird der Wachstumsvorsprung gegenüber dem
Euroraum (2014: 1,2 %, 2015: 1,7 %) gehalten. Die Inflationsrate
dürfte im Euroraum wie auch in Österreich in diesem Zeitraum deutlich
unter 2 % bleiben, mittelfristig ist aber die Einhaltung des
Preisstabilitätsziels der EZB (Inflationsrate von unter, aber nahe
bei 2 %) zu erwarten.
Zum insgesamt verbesserten Bild haben nicht nur die wirtschafts-,
fiskal- und finanzmarktpolitischen Maßnahmen auf nationaler und
europäischer Ebene, sondern insbesondere auch die flexible und aktive
Geldpolitik des Eurosystems beigetragen. Die Herausforderung bleibt
weiterhin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die zu verstärktem Wachstum
führen, die hohen Arbeitslosenzahlen in Europa zu reduzieren und die
Inflation im Rahmen des Preisstabilitätsziels zu halten. Die
Konsolidierung der öffentlichen Finanzen und die Stabilisierung der
Finanzmärkte sind ebenfalls wichtige Handlungsfelder. Die schwere
Krise in der Ukraine und Probleme in anderen osteuropäischen Staaten
bergen allerdings Risiken vor allem für den eng mit dieser Region
verflochtenen Finanzsektor. Gouverneur Nowotny dazu: "Vor diesem
Hintergrund sind die volkswirtschaftlichen und finanzmarktbezogenen
Analysen der OeNB für die wirtschaftspolitischen Akteure sehr
wichtig, um besorgniserregende Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen
und gegensteuern zu können."
Aktuelle Herausforderungen im Bankenaufsichtsbereich: Bankenunion und
neuer Aufsichtsrahmen
"Große Fortschritte hat Europa beim Aufbau der Bankenunion
gemacht", so Gouverneur Nowotny. "Neben den gesetzlichen Grundlagen
für den SSM wurden die operativen Voraussetzungen dafür geschaffen,
dass die EZB in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichten
die direkte Beaufsichtigung der bedeutenden Banken des Euroraums
übernehmen kann."
Im Vorfeld der mit 4. November 2014 geplanten operativen
Aufsichtsaufnahme der EZB werden derzeit europaweit 128 Banken einer
umfassenden Überprüfung (Comprehensive Assessment) unterzogen. Dazu
zählen auch sechs österreichische Banken. Die Prüfung umfasst eine
Gesamteinschätzung der Banken, insbesondere der Assetqualität, und
einen Stresstest und soll im Herbst 2014 abgeschlossen sein. Die
Arbeiten dazu laufen in Österreich planmäßig.
Seitens der österreichischen Kreditwirtschaft bleibt generell auch
die Herausforderung, die Profitabilität zu verbessern und die
Probleme bei einigen in Restrukturierung befindlichen Instituten zu
bewältigen. Weitere Herausforderungen stellen der insbesondere durch
Basel III geänderte Aufsichtsrahmen, der sowohl im Bereich der mikro-
als auch der makroprudenziellen Aufsicht neue Anforderungen und
Instrumente vorsieht, sowie der Umgang mit in Restrukturierung
befindlichen Instituten dar. Die OeNB hat im Bereich der
Bankenanalyse und -prüfung in Kooperation mit der
Finanzmarktaufsicht erhebliche Ressourcen für die wichtige - in der
Öffentlichkeit leider oft unbedankte - Arbeit der Bankaufsicht
eingesetzt.
SEPA und neue Euro-Banknoten dominierende Innovationen im
Zahlungsverkehr
Der einheitliche Zahlungsverkehrsraum SEPA (Single European
Payments Area) wird mit der Umstellung auf IBAN im August 2014
endgültig Realität. Für die Abwicklung grenzüberschreitender
Massenzahlungen wurde im Jahr 2013 das Clearing Service.International
implementiert. Die Einführung verbesserter und sichererer Banknoten
der neuen Europa-Serie startete 2013 mit der 5-Euro-Banknote, und
wird im September 2014 mit der 10-Euro-Banknote fortgesetzt.
Präsident Claus J. Raidl und Gouverneur Ewald Nowotny bedankten
sich beim Direktorium und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
OeNB, die trotz schwierigem wirtschaftlichem Umfeld und erheblichen
Herausforderungen im Unternehmen sowie teils massiver und auch
unberechtigter Kritik der Öffentlichkeit ihre Aufgaben im
Geschäftsjahr 2013 hervorragend bewältigt haben. Sie betonten, dass
die Notenbank als unabhängige, wirtschaftspolitisch wichtige
Institution, als Think Tank und Kompetenzzentrum ihre Kernaufgaben
zur Gewährleistung von Preis- und Finanzmarktstabilität bestmöglich
wahrnimmt.
Details zum Jahresabschluss 2013 sowie zu den Aktivitäten in den
Geschäftsfeldern der OeNB sind im Geschäftsbericht 2013 (siehe
www.oenb.at) verfügbar. Dieser beinhaltet als Nachhaltigkeitsbericht
auch Eckdaten zur Wissensbilanz und zur Umweltbilanz 2013.