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Nettofinanzvermögen der CEE-Haushalte: Die Banken werden in Zukunft ihre Rolle ausbauen
- Trotz eines beeindruckenden Aufholprozesses der Haushalte in CEE beträgt ihr Nettofinanzvermögen gemessen am BIP im Durchschnitt nur etwa ein Viertel des Vermögens der Haushalte in den großen Industrieländern, was unverändert ein hohes Aufholpotenzial bedeutet
- Die moderate Verlagerung hin zur institutionalisierten Vermögensverwaltung wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen, wobei insgesamt Devisen- und Bankeinlagen weiter dominieren sollten
- Im Bezug auf die Verbindlichkeiten werden Wohnfinanzierungen künftig schneller wachsen als Konsumkredite, Russland und Türkei ausgenommen
- Generell werden Banken die wichtigsten Finanzintermediäre in CEE bleiben, sie könnten jedoch stärker zu Finanzberatern der privaten Haushalte werden
Das Nettofinanzvermögen der Haushalte in Zentral- und Osteuropa hat sich seit 2004 mehr als verdoppelt und beträgt mit Stand 2013 ganze 780 Milliarden Euro. Trotzdem erreicht es in CEE, gemessen am BIP, durchschnittlich nur etwa ein Viertel des Vermögens der Haushalte in den großen Industrieländern. Hier besteht also gegenüber Westeuropa noch erheblicher Konvergenzspielraum. Dies sind nur einige der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Bereiches CEE Strategic Analysis in der UniCredit. Die weltweite Finanzkrise der Jahre 2008/09 und – in geringerem Ausmaß – die europäische Staatsschuldenkrise 2011 haben einen vorübergehenden Vermögensrückgang, dessen Ursachen hauptsächlich in Kapitalmarktverlusten zu suchen sind, und eine geänderte Zusammensetzung des Finanzvermögens bewirkt. Zum Vergleich: Das Nettofinanzvermögen der Haushalte in Österreich, Deutschland und Italien belief sich 2013 auf 6.800 Milliarden Euro.
Generell zeigt sich die Marktdurchdringungslücke im Finanzsektor, die zwischen CEE-Ländern und den weiter entwickelten Märkten klafft, hauptsächlich anhand der Vermögen und weniger anhand der Verbindlichkeiten. „Die Annäherung des Nettofinanzvermögens der CEE-Haushalte in Richtung westeuropäischer Standards wird sich stufenweise fortsetzen. Als wichtigsten Faktor sehen wir dabei das Wachstum von Spareinlagen und Wertpapierveranlagungen“, erklärt Gianni Franco Papa, Head of CEE Division in der UniCredit.
Begrenzte Verlagerung hin zu anspruchsvolleren Produkten, liquide Anlageformen bleiben weiter dominant
Betrachtet man die Zusammensetzung des Finanzvermögens, so entfällt der größte Teil nach wie vor auf liquide Anlageformen wie Devisen- und Bankeinlagen. Gerade in Folge der globalen Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 verlagerten die privaten Haushalte wesentliche Teile ihres Kapitals hin zu Barmitteln. Erst in einem weiteren Schritt unternahmen sie auch wieder Investitionen in institutionalisierte Vehikel wie Fonds und Pensionsprogramme sowie in versicherungstechnische Rückstellungen und setzten damit ein Zeichen für ihre langfristige Ausrichtung und das wieder gefasste Vertrauen in diese Instrumente. „Eine gewisse Verschiebung hin zur institutionalisierten Vermögensverwaltung wird auch in den kommenden Jahren anhalten“, skizziert Carmelina Carluzzo, Deputy Head of CEE Strategic Analysis in der UniCredit, die Situation, „Trotzdem bleiben Barmittel die wichtigste Anlageklasse, selbst im Vergleich zu Aktien und anderen Wertpapieren, wobei allerdings zwischen den Ländern gewisse Unterschiede bestehen.“
In diesem Zusammenhang erscheint eine weitere Stärkung der lokalen Kapitalmärkte wünschenswert, zumal sie einerseits den Haushalten eine stärkere Diversifizierung ihrer Portfolios erlauben und andererseits die Banken bei der Optimierung ihrer RefinanzierungsÂquellen im Inland unterstützen würde.
Geringere Marktdurchdringung: Wohnbaudarlehen wachsen schneller als Verbraucherkredite
„Auf der Seite der Kredite sind Wohnbaudarlehen in den letzten Jahren trotz aller Unterschiede zwischen den Ländern im Allgemeinen rascher gewachsen als Verbraucherkredite“, erklärt Gianni Franco Papa, „Wir rechnen mit einem Anhalten dieses Trends, obwohl die Haushalte in einigen CEE-Ländern ihren Verschuldungsgrad korrigieren werden.“ Im Zeitraum zwischen 2004 und 2008 betrug das Wachstum der Wohnbaudarlehen jährlich 37,8 Prozent. Zwischen 2008 und 2013 lag die CAGR bei 8,2 Prozent. Bei den Verbraucherkrediten machte das durchÂschnittliche jährliche Wachstum 31,6 bzw. 0,8 Prozent aus. Im vergangenen Jahr entfielen 57 Prozent der gesamten Finanzverbindlichkeiten der CEE-Haushalte auf Wohnbaudarlehen.
Insgesamt beliefen sich 2013 die Gesamtfinanzverbindlichkeiten in Zentral- und Osteuropa auf 21 Prozent des regionalen BIP. In Österreich, Deutschland und Italien machte ihr Anteil rund 59 Prozent aus. Im Gegensatz dazu erreichten die Gesamtfinanzvermögen in CEE 48 Prozent des regionalen BIP, in Österreich, Deutschland und Italien hingegen 207 Prozent.
Banken werden wichtige Finanzintermediäre bleiben
Schlussendlich scheinen die Haushalte doch auf traditionelle Bankprodukte zu setzen. Das ist der Grund, warum in Zentral- und Osteuropa Banken auch in Zukunft die wichtigsten FinanzÂintermediäre bleiben werden. „Wir sehen noch Spielraum für die Banken, ihre Rolle als Finanzberater der CEE-Haushalte auszubauen“, fasst Carmelina Carluzzo zusammen, „Sie könnten damit die Haushalte unterstützen, das jeweils das für sie passende Verhältnis zwischen Finanzinvestitionen und Verschuldung zu finden. Zugleich ließe sich auf diese Weise aber auch eine Aufwärtsspirale in den lokalen Volkswirtschaften verstärken, die erst jüngst Boden gewonnen hat.“
Bei Expertise und Filialnetz führend in Zentral- und Osteuropa
Trotz einiger Herausforderungen betrachtet die UniCredit Zentral- und Osteuropa nach wie vor als ihren „Wachstumsmotor“ und bleibt als langfristiger Investor in der Region engagiert. Die Bankengruppe betreibt ein weit verzweigtes Netz von knapp 3.600 Filialen in 14 Ländern und erzielt damit rund 30 Prozent ihrer Gesamtumsätze. Über ihre International Centers betreut UniCredit in CEE mehr als 19.000 internationale Firmenkunden. Sie unterstützt mit ihrer Expertise in Bezug auf Politik, lokales Recht und Marktpraktiken die Kunden bei ihren Geschäften und hilft ihnen, neue Chancen zu erkennen und wahrzunehmen.
„Im Verlauf der letzten beiden Jahre konnten wir in Zentral- und Osteuropa etwa 1,4 Millionen neue Privatkunden gewinnen", erläutert Gianni Franco Papa, Head of CEEDivision in der UniCredit. „Diesen positiven Trend wollen wir fortsetzen und bemühen uns derzeit besonders um eine nahtlose Integration zwischen realer und virtueller Welt. Wir wollen unser Unternehmen zu einer echten Multikanalbank ausbauen." Beim Aufbau nachhaltiger Kundenbeziehungen setzt UniCredit auf Kundenorientierung, einfache Produkte und Prozesse sowie auf Innovation und neue Technologien.
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