|
Coface: Eurozone wieder auf Wachstumskurs, Erholung geht aber nur langsam voran
Internationaler Kreditversicherer präsentiert
Entwicklung von Länderrisiken und prognostiziert Weltwirtschaft 2014
ein Wachstum von +3,1%. Mit einem Wachstum von +1,0% erholt sich die
Eurozone nur langsam von den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Im Rahmen eines Pressegesprächs im Vorfeld der heute
stattfindenden 12. Coface Country Risk Conference in Wien
präsentierten Christian Berger, Coface Country Manager Austria, Yves
Zlotowski, Chief Economist Coface Group, und Dirk Bröckelmann,
Economic Research Coface Northern Europe Region, ihren
wirtschaftlichen Ausblick auf das laufende Jahr 2014 und die aktuelle
Entwicklung der Länderrisiken.Â
Wirtschaftsklima: Eurozone erholt sich langsam
"Die wirtschaftliche Erholung der Eurozone ist einigermaßen
gesichert, aber der Kontinent hat im Vergleich zur Weltwirtschaft ein
eher langsames Wachstum vor sich", erläuterte Yves Zlotowski, Chief
Economist Coface Group, die aktuellen konjunkturellen
Rahmenbedingungen. Nach einer Schrumpfung im Vorjahr sagt Coface der
Eurozone für 2014 ein Wirtschaftswachstum von +1,0% voraus, während
für Österreich - so wie für Deutschland - ein Zuwachs von +1,7% (nach
+0,4% im Jahr 2013) prognostiziert wird. Bereits im Jänner diesen
Jahres wurden daher die Länderbewertung Österreichs und Deutschlands
von Coface - ausgehend von der zweitbesten Risikokategorie A2 - unter
positive Beobachtung gesetzt.
Getragen wird das Wachstum in Deutschland nicht zuletzt durch
gestiegene Konsumausgaben der privaten Haushalte sowie durch
verstärkte Sachinvestitionen. Frankreich leidet hingegen trotz eines
prognostizierten Wachstums von +0,8% unter der geringeren
Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen, die dadurch eine höhere
Anfälligkeit für Insolvenzen aufweisen. Spaniens Wirtschaft sieht mit
einem voraussichtlichen Zuwachs von +0,7% erstmals seit Jahren wieder
Licht am Ende des Tunnels, wobei die dortigen Unternehmen durch einen
hohen Anteil an Fremdfinanzierung noch starken Wachstumshemmnissen
unterworfen sind. Doch insgesamt hat sich die Lage in Südeuropa
stabilisiert.
Auch die stark von Industrie und Handel abhängige Wirtschaft in
der CEE-Region zieht - mit Ausnahme von Slowenien (-0,8%) und der
Ukraine (-1,0%) - wieder an. Die Wachstumsprognosen von Coface
reichen hier von +1,6% für Bulgarien bis hin zu +4,2% für Lettland.
Neben Lettland profitieren Litauen (+3,4%) und Polen (+2,9%) am
stärksten von der Erholung in der Eurozone, aber auch Tschechien -
das Land mit dem höchsten Exportanteil in der Region - kann dadurch
2014 mit einem prognostizierten Wachstum von +1,9% (nach -1,1% im
Jahr 2013) rechnen.Â
CEE-Region: Innovationsfähigkeit als langfristiger
Erfolgsfaktor
Die baltischen Länder weisen auch von allen CEE-Ländern die besten
Zuwachsraten auf, was die Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit in
puncto Innovation betrifft. Von 2006-2013 konnte Estland im
"Innovation Union Scoreboard" einen Zuwachs von +3,7%, Lettland von
+3,5% und Litauen von +2,6% verzeichnen. Nur Slowenien kann sich noch
mit einem durchschnittlichen Zuwachs von +2,7% in dieser Gruppe
einreihen. Im Innovationsindex aller EU-Staaten liegen Slowenien und
Estland damit nur mehr knapp unter dem EU-Schnitt und werden - so wie
Österreich - als "Innovation followers" kategorisiert.Â
Auf die Innovationsfähigkeit der CEE-Region ist insofern großes
Augenmerk zu legen, als mit steigendem Lohnniveau die preisliche
Attraktivität dieser Länder wegfällt - mehr Innovation ist also der
Schlüssel zu einer dauerhaften Wettbewerbsfähigkeit in Zentral- und
Osteuropa. Auch wenn die Kluft zu den Industrieländern inzwischen
verringert werden konnte, haben die CEE-Länder in Sachen Innovation
noch einen großen Aufholbedarf. Vor allem Länder wie Polen und
Kroatien müssen dabei nicht nur mehr in ihre Innovationsfähigkeit
investieren, sondern auch die Effizienz ihres Mitteleinsatzes
überprüfen, wie die Ländervergleiche im Innovation Union Scoreboard
zeigen.
USA stark, Schwellenländer uneinheitlicher
Das weltweite Wirtschaftswachstum 2014 sieht Coface bei +3,1%
(nach +2,6% im Vorjahr). Dabei prognostiziert Coface für die
Schwellenländer in diesem Jahr einen durchschnittlichen Zuwachs von
+4,5%, womit die Annäherung zwischen Schwellenländern und
Industrienationen prinzipiell weiter voranschreitet. Im Detail sind
hier allerdings einige Verschiebungen wie auch gestiegene
Länderrisiken zu beobachten. Die wichtigsten Schwellenländer wachsen
auf Grund von Versorgungsengpässen deutlich langsamer, besonders die
beiden BRIC-Staaten Brasilien (Prognose 2014: +1,7%) und Russland
(+1,0%) leiden unter nachlassenden Investitionen. Im Fall von
Russland kommen außerdem die aktuellen geopolitischen Spannungen
hinzu, die sich nicht nur auf die Binnennachfrage negativ auswirken.
Auch China, dem Coface für 2014 ein Wachstum von +7,2% voraussagt,
verzeichnet steigende Unternehmensrisiken, die v. a. auf
Überkapazitäten und verdeckte Fremdfinanzierungen zurückzuführen
sind. Länder wie Kolumbien (+4,2%), Indonesien (+5,5%), Peru (+5,4%)
oder die Philippinen (+6,5%) heften sich hingegen dank eines sehr
stabilen Geschäftsumfelds mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten
an die Fersen der BRIC-Staaten.
Nach einem schwachen 1. Quartal, das vor allem auf die -
insbesondere für die Baubranche problematische - Kältewelle zu
Jahresbeginn zurückzuführen ist, prognostiziert Coface der
US-Wirtschaft für 2014 ein Wachstum von beachtlichen +2,7% (2013:
+1,9%). Das Land profitiert sowohl von der anhaltenden
Konsumnachfrage der privaten Haushalte als auch von der
Widerstandskraft der Unternehmen - die bei einer relativ niedrigen
Schuldenlast wieder so profitabel sind wie vor der Krise. Damit hat
es die US-Wirtschaft nun wieder - neben Japan, Kanada und der Schweiz
- in die beste Risikostufe der Coface-Länderbewertungen geschafft:
A1.
|