Konjunktur - Wachstumsrate der Eurozone erreicht im April fast ein 3-Jahreshoch

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Wachstumsrate der Eurozone erreicht im April fast ein 3-Jahreshoch



- Finaler Eurozone Composite Index: 54.0 (Flash 54.0, März 53.1)
- Finaler Eurozone Service-Index: 53.1 (Flash 53.1, März 52.2)

Rangliste nach Composite Output Index (Apr.):

Irland 60.8 94-Monatshoch
Spanien 56.3 85-Monatshoch
Deutschland 56.1 (Flash 56.3) 2-Monatshoch
Italien 52.6 2-Monatshoch
Frankreich 50.6 (Flash 50.5) 2-Monatstief

Der Aufschwung der Eurozone gewann zu Beginn des zweiten Quartals an Kraft. Industrie und Dienstleistungssektor verzeichneten zusammengenommen das höchste Wachstum seit beinahe drei Jahren. Angesichts der erhöhten Auftragseingänge und -bestände und des wieder einsetzenden Beschäftigungsaufbaus dürfte der Aufwärtstrend auch in den kommenden Monaten anhalten.

Mit 54.0 Punkten signalisierte der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) im April die zehnten Zuwächse in Folge und erreichte zugleich den höchsten Stand seit Mai 2011. Hauptmotor war erneut die Industrie, deren Produktionsvolumen gegenüber den beiden Vormonaten verstärkt anstieg. Die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor erhöhte sich derweil so stark wie seit annähernd drei Jahren nicht mehr.

Die größten Gesamtzuwächse erzielten Irland und Spanien. Sie verbuchten dank vermehrter Neuaufträge ein 8- bzw. 7-Jahreshoch. Auch in Deutschland und Italien nahmen Geschäftsaufkommen und Auftragseingänge saldiert zu.

Nur Frankreich widersetzte sich dem allgemeinen Trend und hielt sich nur noch knapp über der Stagnationsschwelle. Die Auftragseingänge ließen insgesamt leicht nach. Frankreichs Dynamikverlust rührte hauptsächlich vom Dienstleistungssektor her und spiegelt die anhaltende Nachfrageschwäche auf dem Binnenmarkt wider.

Die Beschäftigungsentwicklung der Eurozone entwickelte sich zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen drei Monate positiv. Wenngleich der Stellenaufbau sehr bescheiden blieb, war er dennoch der stärkste seit über zweieinhalb Jahren. In Irland, Spanien und Deutschland wurden jeweils zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, wobei die Einstellungsrate in Irland fast auf ein 8-Jahreshoch kletterte und in Deutschland ein 2-Monatshoch erreichte. In Spanien wurden zum zweiten Mal in diesem Jahr neue Jobs geschaffen, nachdem zwischen 2008 und 2013 über weite Strecken Stellen abgebaut worden waren. Hingegen wurde in Frankreich und Italien erneut der Rotstift angesetzt.

Die Einkaufspreise nahmen im April insgesamt so geringfügig zu wie seit letztem Juni nicht mehr. Im Industriesektor wurde sogar der stärkste Preisverfall seit neun Monaten gemessen, während die Inflationsrate im Dienstleistungssektor einem 10-Monatstief entsprach.

Italien verzeichnete den ersten Rückgang der Einkaufspreise seit Juni 2013. Von den erfassten Ländern beschleunigte sich allein in Spanien die Kosteninflation.

Die Verkaufspreise verringerten sich derweil in Folge des hohen Wettbewerbsdrucks so stark wie seit August 2013 nicht mehr. Die aktuelle Negativentwicklung hält bereits seit knapp über zwei Jahren an.

Servicesektor:

Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index blieb mit 53.1 Punkten gegenüber seiner Vorabschätzung konstant und legte im Vergleich zu März um 0.9 Punkte zu. Damit hält der Aufwärtstrend im Dienstleistungssektor seit nunmehr neun Monaten an.

Aktuell wurde erstmals seit Mai 2011 in allen fünf von der Umfrage erfassten Ländern eine gleichzeitige Zunahme der Geschäftstätigkeit gemessen. Die Zuwachsrate erreichte in Irland ein 86-Monatshoch, in Spanien einen 85-Monatsrekord und ein 2-Monatshoch in Deutschland. Italien kehrte in die Wachstumszone zurück, während der Positivtrend in Frankreich fast zum Erliegen kam.

Die jüngsten Geschäftszuwächse sind maßgeblich dem stärksten Anstieg der Neuaufträge seit Juni 2011 zu verdanken. In Deutschland, Italien, Irland und Spanien nahm die Auftragsvergabe an Dienstleister zu, in Frankreich verringerte sie sich jedoch leicht. Die Geschäftsaussichten* für den Dienstleistungssektor der Eurozone gestalten sich weiterhin positiv, wenngleich die Prognosen etwas nach unten revidiert wurden. Derweil stabilisierten sich die Auftragsbestände, nachdem sie sich zuvor fast drei Jahre lang verringert hatten.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen sahen sich die Dienstleister ermutigt, zum dritten Mal in fünf Monaten ihre Belegschaft zu vergrößern. Der Beschäftigungsaufbau erstreckte sich auf Deutschland, Spanien und Irland, nicht jedoch auf Frankreich und Italien.

Die Kosteninflation verringerte sich im April den dritten Monat in Folge, aktuell wurde der geringste Preisanstieg seit letztem Juni gemessen. In Italien sank die Inflationsrate auf ein 55-Monatstief. In Deutschland, Frankreich, Spanien und Irland stieg sie dagegen an.

Die Angebotspreise nehmen seit beinahe zweieinhalb Jahren ab. Viele Dienstleister versuchten weiterhin, durch Nachlässe Kunden anzulocken. Nur in Deutschland und Irland erhöhten sie sich marginal. In Italien und Spanien schwächte sich der Preisverfall ab, nahm allerdings in Frankreich zu.

*Zur Bestimmung der Geschäftsaussichten werden die Umfrageteilnehmer gebeten einzuschätzen, ob die Geschäftstätigkeit binnen Jahresfrist gegenüber dem aktuellen Befra-gungszeitraum höher, gleich oder niedriger ausfallen wird.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Der finale PMI bestätigt seine Vorabschätzung und signalisiert damit, dass die Eurozone in das zweite Quartal mit der stärksten Wachstumsdynamik seit drei Jahren gestartet ist. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, so dürfte das BIP mindestens um 0.5 % im zweiten Quartal steigen.

Hauptmotor ist derzeit Deutschland, während Frankreich weiter hinterherhinkt. Der französische PMI wies lediglich ein marginales Wachstum aus. Diese Erkenntnis ließ sich bereits dem vorläufigen PMI-Wert entnehmen. Neu ist dagegen, wie sich die Peripherie-Länder entwickelt haben. Besonders aufbauend ist diesbezüglich, dass der starke Aufwärtstrend in Spanien und Irland sich immer deutlicher abzeichnet, wo die Zuwachsraten ein 7- bzw. 8-Jahreshoch erreicht haben. Auch in Italien gewinnt die Erholung an Fahrt, dort wurde einer der stärksten Wachstumsschübe der vergangenen drei Jahre gemessen.

Der jüngste Dynamikgewinn verringert auch die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB eine Zinssenkung oder andere unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen in Erwägung zieht, welche ohnehin nur in Ausnahmefällen eingesetzt würden. Wenngleich die Verkaufspreise im April weiter nachgegeben haben, lässt der beschleunigte Konjunkturaufschwung darauf schließen, dass der Preisdruck in den kommenden Monaten zunehmen und damit Sorgen hinsichtlich einer möglichen Deflation zerstreuen dürfte.“




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